Spezial-Bankberater

Schwulissimo meldet:

Was in verschiedenen Autohäusern Hamburgs bereits praktiziert wird, hält nun auch Einzug in die Hamburger Sparkasse (Haspa): Die Filiale in der Langen Reihe hat seit August 2010 einen besonderen Berater für die schwul/lesbische Kundschaft.

[...] Das Gesicht des Konzeptes bzw des Beraters ist Manuel Ehrlich (31). Die Idee hinter dem Ganzen ist einfach: Ohne künstlichen Aufbau von Hemmschwellen oder Ängsten sollen Lesben und Schwule in Zukunft die Möglichkeit haben, sich in allen finanziellen Angelegenheiten beraten zu lassen.

Manuel Ehrlich bringt für diese Position einen Vorteil mit: Selbst schwul, besitzt er das nötige Feingefühl, um Ängste und Irritationen der Zielgruppe zum Thema zu erkennen und kann diese so gekonnt ausräumen. Außerdem kann er auch aus eigenen Erfahrungen schöpfen und dem gegenübersitzenden Kunden das ein oder andere leichter machen. Themen wie die Absicherung des Partners, Vorsorge oder Erbschaften sind nach wie vor unsichere Punkte im Gespräch mit Banken und ihren Beratern.

Die Haspa geht mit Manuel Ehrlich und der Filiale in der Langen Reihe einen neuen, aber notwendigen Weg, um die schwul/lesbische Zielgruppe neu zu begeistern.

Schön für Manuel Ehrlich, schade für die Haspa, denn sie geht keinen notwendigen Weg, sondern den einfachsten Weg.

Wenn ich mit einer Bank zu tun und Beratungsbedarf habe, möchte ich nicht an einen Spezialberater für schwule Menschen verwiesen werden. Ich erwarte schlichtweg, dass jeder Bankangestellte in der Lage ist, mit mir angemessen umzugehen und im Bedarfsfall die gesetzlich verordneten Besonderheiten einer schwulen Lebensbeziehung kennt und zu berücksichtigen weis. Die Haspa macht es sich leicht: Anstatt sicherzustellen, dass sie alle ihre Kundenbetreuer auch auf schwule Kunden loslassen kann, schickt sie ihre schwule Kundschaft zum Zielgruppenberater in die Lange Reihe. Ich schließe daraus, dass die Haspa Angst hat, schwule Kunden könnten auf einen schwulenfeindlichen Bankbeschäftigten stoßen und verschreckt werden. Die schwulen Kunden sollen sich in die Lange Reihe begeben zu dem freundlichen, feinfühligen Manuel Ehrlich, und möglichst nichts davon mitbekommen, wie andere Bankangestellte die Augen verdrehen. Sorry, zur Zielgruppe einer solchen Bank gehöre ich nicht.

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