Nachgefragt: Unterstützt Beck’s Hassmusiker?

Sizzla, ein durch seine menschenverachtenden Hassgesänge bekannt gewordener jamaikanischer Reggea-Musiker, will einmal mehr in Deutschland auftreten.

Nachdem Sizzla sogar die Rückendeckung seines Freundes, des deutschen Reggea-Sänger Gentlemen verloren hat

Ich kann auch sagen, dass ich mittlerweile nicht mehr hinter Sizzla stehen kann, wenn er sich nach wie vor nicht von homophoben Scheiß löst, sich distanziert. […] Ich finde auch, dass man homophoben Sängern und denen, die solche Hasstiraden verbreiten, keine Plattform geben sollte. Wie gesagt: So sehr ich auch die ganzen anderen 80 Prozent von Sizzlas Songs liebe, kann ich nicht mehr hinter ihm stehen. Ich kann ihm auch nicht mehr den Rücken freihalten, wie ich das versucht habe, indem ich immer gesagt habe: Ey, ihr dürft nicht nur das sehen. Aber mittlerweile seh’ ich eben auch die andere Seite. Man kann eine Meinung ja auch ändern, man reift ja auch. Ich mach’ gerade einen Reifungsprozess durch. Ich sehe auch, dass ich Sachen gesagt habe, die verständlicherweise in falsche Hälse gekommen sind.

scheint er einen neues Verbündeten gefunden zu haben: Den Bierhersteller Brauerei Beck GmbH & Co. KG, Bremen, der mit seiner Marke Beck’s das Chiemsee Summer Reggea sponsert. Beck gehört über die InBev Germany Holding GmbH, Bremen, zu dem Bierkonzern Anheuser-Busch InBev (Sitz: Leuven, Belgien).

Zu Anheuser-Busch InBev gehören unter anderen die Marken Stella Artois,  Budweiser (nicht zu verwechseln mit dem tschechischen Budweiser Budvar), Beck’s, Diebels, Gilde, Haake-Beck, Hasseröder, Spaten, Franziskaner und Löwenbräu.

Anheuser-Busch wird nicht zum ersten Mal mit der Unterstützung von jamaikanischen Hassmusikern in Zusammenhang gebracht. Bereits im Jahr 2008 sponserte die Marke Budweiser ein Beenie-Man-Konzert in den USA. Auf Anfrage von Timothy Kincaid (Box Turtle Bulletin) erklärte Anheuser-Busch, es handele sich um die eigenmächtige Aktion einer örtlichen Vertriebsorganisation:

Anheuser-Busch exercises no direct control over the marketing efforts of independent wholesalers including their sponsorships, participating artists or content of such an event. However, neither Anheuser-Busch or any of our wholesalers would knowingly participate in any sponsorship, promotion or performance that denigrates any segment of our consumers, and we specifically denounce any espoused violence against the LGBT community.

Regretfully, some confusion in the original consumer contact and our own internal processes failed to escalate this consumer inquiry in a timely manner allowing Anheuser-Busch to strongly advise the wholesaler against any participation in the event. Additional safeguards have been put in place to accelerate our processes to prevent future problems; specifically, all future LGBT issues will be sent directly to my attention for immediate handling.

Anheuser-Busch maintains a corporate commitment to zero tolerance for discrimination and the belief that every consumer is important, regardless of race, sex, religion, color, sexual orientation, gender identity, national origin, age, disability or veteran’s status.

Ich habe bei der InBev Germany Holding GmbH  in Bremen nachgefragt, wie man es mit Sizzla und seinen Hassgesängen hält:

[...]

auf Ihrer Homepage heißt es,

InBev verpflichtet sich, bei allen Geschäftsaktivitäten sozial verantwortlich zu handeln, um so die Arbeitssicherheit unserer Mitarbeiter und den Schutz unserer Verbraucher und anderer externer Beteiligter sowie der Umwelt zu gewährleisten. Diese Aspekte der Unternehmensverantwortung gehören zu den obersten Prioritäten bei InBev und werden bei allen Aktivitäten am Arbeitsplatz und Geschäftsentscheidungen berücksichtigt.

Das ist eine sehr löbliche Haltung. Ich gehe davon aus, dass sie unter sozial verantwortlichem Verhalten auch verstehen, weder Menschen zu töten noch Menschen zu unterstützen, die zum Mord an Menschen aufrufen, noch volksverhetzende Aktivitäten zu fördern.

Ihr Haus finanziert als Sponsor den Ende August 2010 stattfindenden Chiemsee Reggea Summer. Dort wird auch ein unter dem Künstlernamen Sizzla bekannter Jamaikaner auftreten. Sizzla fordert in seinen Liedern zur Ermordung schwuler Männer auf. Einzelheiten zu den Liedtexten Sizzlas sind auf der Homepage von Peter Tatchell dokumentiert:

Dancehall Dossier

Zwar singt Sizzla in einer am Chiemsee nicht gebräuchlichen Sprache (Patois) und angeblich soll sichergestellt sein, dass er seine inkriminierten Texte dort nicht vorträgt, dies ändert jedoch nichts daran, dass es sich bei Sizzla um jemanden handelt, der wiederholt und nachhaltig Mordaufrufe verbreitet. Außerdem hat Sizzla in der Vergangenheit von ihm gemachte Zusagen, auf menschenverachtende und zu Straftaten auffordernde Texte zu verzichten, nicht eingehalten. Der LSVD hat hierzu die Fakten zusammengetragen:

FACT SHEET – Sizzla: Breaking the „RCA“ both in Europe and Jamaica

Sizzla selbst hat deutlich gemacht, nicht auf seine Mordaufrufe verzichten zu wollen:

Sizzla will weiter Hass verbreiten

Die Veranstalter des Chiemsee Reggea Summer erklären, Sizzla gerade wegen dieser Mordaufrufe eingeladen haben:

Der wegen homophober Äußerungen kritisierte und in der Vergangenheit oftmals mit Auftrittsverboten belegte Künstler wurde von uns ganz bewusst gebucht: „Wir sind für Kunstfreiheit, wir sind für Meinungsfreiheit, den Respekt vor anderen Kulturkreisen und wir sind gegen verfassungswidrige Zensurbestrebungen.

Offensichtlich ist den Veranstaltern nicht bewusst, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland keine Stütze für die Verbreitung von Mordaufrufen bietet und die Unterbindung solcher Mordaufrufe und Auftrittsverbote für Menschen, die zwar nicht in Deutschland, aber andernorts zur Verfolgung, Folterung und Ermordung von Menschen aufrufen, weder der Kunstfreiheit noch der Meinungsfreiheit widersprechen. Dass die Veranstalter (auch) von schwulen Menschen Respekt vor ihren Mördern verlangen, ist nicht nachvollziehbar. Möglicherweise ist den Veranstaltern entgangen, dass in Deutschland die universellen Menschenrechte auch für schwule Männer gelten.

Ich bitte um ihre veröffentlichungsfähige Mitteilung, ob Sie

- den Auftritt von Sizzla unterstützen,

- mit den Veranstaltern der Meinung sind, dass Sizzlas Ansicht, schwule Männer seinen zu verfolgen, grausam zu foltern und zu ermorden, unterstützen

– mit der CRP Konzertagentur GmbH als Veranstalter des Chiemsee Reggea Summer der Meinung sind, dass Mordaufrufe Bestandteil der Kunst- und Meinungsfreiheit sind, und

- mit Sizzla der Meinung sind, schwule Männer seien zu verfolgen und zu ermorden, und demzufolge die Marke Beck’s, die auf der Homepage von Chiemsee Reggea Summer mit Sizzla und seiner menschenverachtenden Haltung unmittelbar in Zusammenhang gebracht wird, und die Anheuser-Busch InBev weiterhin mit Hassmusikern und ihren Konzertveranstaltern zusammenarbeiten wird.

Außerdem wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie erläutern würden, wie Ihre auf Ihrer Homepage betonte soziale Verantwortung sich mit der Förderung menschenverachtender Hassmusik verträgt.

[...]

Die Antwort werde ich zu gegebener Zeit hier veröffentlichen.


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8 Antworten auf Nachgefragt: Unterstützt Beck’s Hassmusiker?

  1. Herbert sagt:

    unsere Mail an Becks von heute:

    ——————————————-

    Sehr geehrte Damen und Herrren,

    mit erheblichem Erstaunen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass das Haus Becks in diesem Jahr unter anderen das “Chiemsee Summer Reggea” sponsert auf dem unter anderem auch der als Jamaikanischer Hass-Sänger bekannt gewordenen Sänger “Sizzla” auftreten wird.

    Sizzla hat in der Vergangenheit an keiner Stelle einen Hehl aus seiner Verachtung für Schwule und Lesben gemacht und insbesondere zum Mord durch Verbrennen und verstümmeln in seinen Liedern aufgerufen. Den von ihm unterzeichneten “Compassion Act” hat er, einhelligen Medienberichten zufolge, selbsd bei einem Konzert öffentlich verbrannt und erklärt, dass er sich von niemandem vorschreiben lassen wird was er sagt und diesen “Act” nur unterschrieben hat um in Deutschland auftreten zu dürfen.

    Nun gestehen wir durchaus die Aussage “ich mag verdammen was Du sagst aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst” zu.

    Allerdings stellt sich uns in diesem besonderen Fall die Frage, ob ein offen zum Mord aufrufender Künstler der darüberhinaus auch noch die Öffentlichkeit und seinen Sponsoren auf dreistete Art belügt von Ihrem Haus gesponsert werden sollte angesichts der Tatsache, dass die Produkte Ihres Hauses in nahezu 99% der schwulen Gastronomie in Europa vertreten sind.

    Aus unserer Sicht erscheint diese Unterstützung als Beleidigung für ihre schwulen und lesbischen Kunden und als Schlag ins Gesicht für einen ihrer wahrscheinlich nicht unerheblichen Kundenkreise.

    Im Vorwege zu dieser Nachricht haben wir uns darüber beraten, ob ein Aufruf zum Boykott Ihrer Marke einen probaten Weg darstellt, Ihnen nahezulegen, dieses Sponsoring nochmals zu überdenken oder mit dem Veranstalter entsprechend Kontakt aufzunehmen. Wir haben uns jedoch entschieden, den Weg des Dialogs mit Ihnen zu suchen und wenden uns also nunmehr auf diesem Wege an Sie.

    Wir sind sicher, dass Ihr Haus um einen Weg des Ausgleichs bemüht sein wird und freuen uns bereits heute auf Ihre kurzfristige Stellungnahme hierzu.

    Mit freundlichen Grüssen:

    Herbert …..
    2. Vorsitzender …..
    2nd Secretary….
    gGesellschafter….

    ——————————————-

    mal gucken, was dabei rauskommt….

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