Mit Christl Vonholdt zum Alkoholtest

Vor wenigen Tage erwähnte ich, dass Christl Vonholdt im Nachgang zu dem Marburger Schwulenheilerkongress ein Interview gegeben hat, in dem sie ihr Weltbild verteidigt. Ist das Interview auf idea zum Schutz der Menschheit nur im Bereich für angemeldete Nutzer zu finden, so hat kath.net nunmehr das Interview im frei zugänglichen Bereich im Angebot.

Der Veranstalter des Schwulenheilerkongresses, die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge e. V. (APS) in Gestalt ihres Vorsitzenden Martin Grabe, rechtfertigte den Auftritt Vonholdts im Rahmen des Kongresses damit, dass Vonholdt dem Begriff Reparativtherapie neuerdings einen neuen Bedeutungsinhalt gegeben habe und dieser dem wissenschaftlichen Diskurs zugeführt werden müsse. Gespannt habe ich also das Interview mit der Kinderärztin Vonholdt gelesen, um zu erfahren, welche Neuigkeiten sie zu verkünden hat. Jedoch: Sie hat nichts Neues zu bieten. Ich kann deshalb auf das schon vor geraumer Zeit über die Kinderärztin geschriebene verweisen: Mit Christl Vonholdt unter der Dusche

Ergänzend ist noch anzumerken:

idea: Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der laut eigenen Angaben in einer homosexuellen Lebensgemeinschaft lebt und zu Ihren Kritikern gehört, sagt: „Es gibt Positionen, mit denen diskutiert man einfach nicht auf einer Ebene!“

Vonholdt: Das zeigt, dass Herr Beck an einer sachlichen Auseinandersetzung nicht interessiert ist. Unsere Informationen zur Homosexualität sind wissenschaftlich belegt. Für viele Aussagen des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland gilt das leider nicht.

Vonholdt hat bisher keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg präsentieren können.

idea: Die ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) wirft Ihnen allerdings vor, die von Ihnen angeführten Studien seien nicht objektiv.

Vonholdt: Wir verweisen auf Studien, die nach allgemein anerkannten, psychologischen Standardverfahren durchgeführt wurden. Es gibt herausragende Wissenschaftler wie Robert Spitzer, Professor für Psychiatrie an der Columbia Universität, New York, der 2003 in den USA in einer detaillierten Studie zu dem Schluss kommt, dass eine Veränderung von der Homosexualität zur Heterosexualität möglich ist. Das zeigen auch andere Studien.

Robert Spitzer hat mehrfach dargelegt, dass seine Forschungen nicht in dem Sinne, wie es die Kinderärztin versucht, interpretiert werden dürfen. Er geht zwischenzeitlich gegen diejenigen vor, die, wie Vonholdt, seine Forschungsergebnisse verdrehen.  Außerdem ist festzustellen, dass Spitzer im Jahr 2003 jedenfalls zum Thema Homosexualität keine Studie durchgeführt hat. Vonholdt erfindet also einfach Studien.

Die “anderen Studien” die Vonholdt erwähnt, gibt es nicht oder sind nicht belastbar.

[Vonholdt:] Die Homosexuellenbewegung behauptet, solche Veränderung sei nicht möglich. Spitzer war seit den 1970er Jahren ein großer Freund der Homosexuellenbewegung. Als er seine neue Studie veröffentlichte, änderte sich das drastisch. Die neue Studie ist einfach politisch nicht korrekt. Spitzer hatte ursprünglich eine Nachfolgestudie geplant, aber der Druck, der auf ihn ausgeübt wird, ist groß. Jungen Wissenschaftlern rät er davon ab, sich mit der Veränderungsmöglichkeit von Homosexualität zu beschäftigen, weil das ein „Karrierekiller“ sei.

Der behauptete Ratschlag Spitzers ist nicht überliefert.

idea: Als die US-Psychiatrievereinigung Homosexualität aus dem Katalog psychischer Krankheiten strich, begründete sie dies so: „Da gibt es nichts zu heilen, denn Homosexualität ist keine behandlungsbedürftige Krankheit.“

Vonholdt: Heute wird eher von subjektiver Störung gesprochen. In der ICD 10, der in Deutschland zurzeit gültigen Diagnoseliste, ist in der Rubrik der psychischen Störungen die „ich-dystone Sexualorientierung“ aufgelistet. Sie betrifft Menschen, die unter ihrer sexuellen Orientierung leiden. Menschen, die sich selbstbestimmt eine Veränderung hin zur Heterosexualität wünschen, haben ein Recht auf therapeutische Begleitung! Dafür setze ich mich ein.

Vonholdt verschweigt, dass die von ihr bemühte Diagnoseliste eindeutig deklamiert: “Die Richtung der sexuellen Orientierung selbst ist nicht als Störung anzusehen.”

Zur Ichdystonen Sexualorientierung führt die Diagnoseliste aus:

Die Geschlechtsidentität oder sexuelle Ausrichtung (heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder präpubertär) ist eindeutig, aber die betroffene Person hat den Wunsch, dass diese wegen begleitender psychischer oder Verhaltensstörungen anders wäre und unterzieht sich möglicherweise einer Behandlung, um diese zu ändern.

Das heißt, die Störung liegt nicht in der sexuellen Orientierung, sondern in der Ablehnung derselben. Wenn die Kinderärztin nun Heilung verspricht, indem sie die auf das gleiche Geschlecht gerichteten Gefühle abmildern oder die sexuelle Orientierung ändern will (Umpolung), macht sie damit deutlich, dass sie nicht einmal erkannt hat, wo das Problem liegt. Es liegt nicht in der sexuellen Orientierung, sondern in der Ablehnung derselben. Im Diagnosekatalog wird daher die auf Änderung der sexuellen Orientierung gerichtete Behandlung als Teil des Störung beschrieben. Eine Therapie kann nur darin bestehen, den Ablehnung der eigenen sexuellen Orientierung zu verringern oder zu beseitigen.

Falls es noch eines Nachweises der Homophobie (im Sinne von Schwulenfeindlichkeit) Vonholdts bedarf, liefert ihn die Kinderärztin selber, indem sie nur die Heilung von homosexuellen Menschen, nicht aber die heterosexueller Menschen in Betracht zieht.

Vonholdt: Tatsächlich zeigen Studien, dass homosexuell lebende Menschen häufiger leiden: Homosexuelles Leben ist mit einer höheren Rate an Suizidversuchen verbunden, homosexuell Lebende sind häufiger depressiv und häufiger abhängig von Alkohol oder Drogen. Zugleich leiden viele Homosexuelle an der Unbeständigkeit homosexueller Beziehungen und dem häufigen Wechsel der Sexualpartner.

Doch konnte bisher keine Studie belegen, dass diese Probleme im Wesentlichen durch gesellschaftliche Diskriminierung entstehen würden. So konnte diese höhere Rate an Problemen auch in Holland nachgewiesen werden, einem Land, in dem es die gleichberechtigte „homosexuelle Ehe“ gibt.

idea: Wie erklären Sie sich diese erhöhten Risiken?

Vonholdt: Ich gehe davon aus, dass eine wesentliche Ursache für Homosexualität in frühkindlichen Bindungsverletzungen zu Mutter und Vater liegt. Diese Verletzungen können sich nicht nur auf das sexuelle Empfinden auswirken, sondern gleichzeitig auch weitere Folgen haben, etwa Depressionen, Ängste, Alkoholabhängigkeit. Hier müsste aber dringend mehr geforscht werden.

Es ist bemerkenswert: Immer wenn der Kinderärztin und Expertin für primäre Varikosis (Krampfadern) etwas in den Kram passt, verweist sie auf Studien (die es nicht gibt), wenn ihr etwas nicht in den Kram passt, bestreitet sie, dass die Gegenmeinung belegbar wäre. Dabei, ich erwähnte es in meinem oben verlinkten Post bereits, reicht manchmal vernünftiges Nachdenken: Es liegt auf der Hand, dass Menschen, einerlei oder homo-, hetero- oder sonstwie sexuell, die von ihrer Umgebung nicht anerkannt, dafür aber diskriminiert, gemobbt oder bedroht werden, depressiv werden können und im Substanzmißbrauch einen Ausweg aus ihrer Situation suchen. Dass homosexuelle Menschen häufiger Zielscheibe ihrer Mitmenschen sind, als heterosexuellen Menschen, ist bekannt und wird nicht einmal von Vonholdt bestritten. Im Übrigen, Vonholdt informiert sich nur ausgesprochen selektiv, gibt es sehr wohl Studien, die sich mit der Lebenssituation schwuler Menschen und den Ursachen von Problemlagen befassen. Hingewiesen  sei für den deutschsprachigen Raum nur auf die instruktiven Ausführungen von Christian Leu in “Sexuelle Orientierung und Suizidalität: Eine Untersuchung der internationalen und nationalen Forschungsergebnisse der Risiko- und Schutzfaktoren für adoleszente Homo- und Bisexuelle”  der mit der Feststellung schließt, “wie gesehen ist nicht die sexuelle Orientierung der Grund für die erhöhte Suizidalität, sondern es sind Risikofaktoren, für die homo- und bisexuelle Menschen teilweise anfälliger sind oder gar die spezifisch nur bei ihnen vorhanden sind.”

Dass die “gleichberechtigte homosexuelle Ehe” allein keine Problemlösung ist, macht in der Tat das Beispiel Niederlande (von der Varikosisforscherin auf “Holland” reduziert) deutlich. Der in den letzten Jahren massiv ansteigende, teilweise gewalttätige Schwulenhass von Fundamentalglaubenden und verblendeten Rechtsideologen geht an den schwulen Menschen dort nicht spurlos vorbei. Spurlos vorbei geht allerdings die Lebenswirklichkeit schwuler Menschen an der Kinderärztin.

Die abenteuerlichen Thesen und fantasiereichen Ausführungen der Kinderärztin zwingen zu der Frage, unter welchen Persönlichkeitsstörungen und Abhängigkeiten diese leidet. Ich bin gerne bereit, sie zu entsprechenden Tests und Untersuchungen zu begleiten.

idea: Warum kann nicht jeder nach seiner sexuellen Fasson selig werden?

Vonholdt: Selbstverständlich kann jeder so leben, wie er es möchte. Allerdings stellt Artikel 6 des deutschen Grundgesetzes Ehe und Familie wohlbegründet unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Ehe zwischen Mann und Frau umgedeutet wird. Wie keine andere Gemeinschaft überbrücken Ehe und Familie den Graben zwischen den Geschlechtern und Generationen. Die Ehe zwischen Mann und Frau und die daraus folgende Familie tragen in einzigartiger Weise zum Zusammenhalt, zur Stabilität, zum Frieden und zur kulturellen Entwicklung einer Gesellschaft bei.

Das Überbrücken des Grabens zwischen den Generationen können wir in überfüllten Altersheimen und Kindertagesstätten beobachten. Die Absurdität der Behauptung, die Ehe zwischen Mann und Frau trage zum Frieden bei, würde die Kinderärztin ohne weiteres erkennen, wenn sie nur eine Tageszeitung aufschlüge und die ein oder andere Meldung zur Kenntnis nähme, in der von sich gegenseitig und ihre Kinder ermordenden Eheleuten die Rede ist. Als wäre die Verbindung von Mann und Frau besser als die von Mann und Mann oder Frau und Frau.

idea: Eine der Studien, auf die Sie sich berufen, stammt von den US-Psychologen Stanton Jones und Mark Yarhouse aus dem Jahr 2007. Danach hatten dank christlicher Selbsthilfegruppen 38% nach einer gewissen Zeit keine homosexuellen Gefühle mehr. Was aber wird aus den anderen?

Eine ausführliche Besprechung dieser sogenannten, von Exodus, einem us-amerikanischen Umpolungsverein, finanzierten Studie ist auf dem Box Turtle Bulletin zu finden: A Preliminary Review of Jones and Yarhouse’s “Ex-Gay? A Longitudinal Study” Vonholdt wirft also erneut mit einer Studie um sich, die ihre Argumentation nicht trägt.

Vonholdt: Tatsächlich können nicht alle, die das möchten, eine Veränderung ihrer homosexuellen Empfindungen erreichen. Was ist also, wenn sich keine oder nur eine gewisse Veränderung einstellt? Studien, unter anderem die von Robert Spitzer, zeigen: Auch wenn das Ziel einer Veränderung der sexuellen Empfindungen nicht erreicht wurde, haben viele Klienten doch von den therapeutischen Maßnahmen und Selbsthilfegruppen profitiert und ein größeres Selbstwertgefühl und eine Abnahme ihrer Depressionen erreicht. Der Weg der Veränderung lohnt sich also, auch wenn keine oder nur eine geringe Veränderung der Empfindungen erreicht wird.

Dass das Gegenteil der Fall ist, wurde jüngst am Beispiel ‘wuestenstrom’ aufgezeigt.

idea: Könnte es nicht auch andere Gründe als eine schwierige Kindheit geben?

Vonholdt: Ja, denn wir wissen längst nicht alles über Homosexualität. Deshalb fordern wir mehr Forschung und setzen uns für Forschungsfreiheit ein.

Warum ist es so wichtig zu wissen, warum Menschen homosexuell sind? Es sieht so aus, nachdem Vonholdt trotz aller Experimente schwule Menschen nicht von deren Homosexualität heilen kann, als wolle sie das Entstehen von schwulem Leben von vornherein verhindern. Dafür braucht sie natürlich das Wissen um die Entstehung von Homosexualität.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.