Adoptionsrecht für schwule Menschen?

Ich habe ein wenig gezögert, hinter die Überschrift dieses Posts ein Fragezeichen zu setzen, denn eigentlich sollte es außer Frage stehen, dass schwule Menschen genau so gute Pflege- oder Adoptiveltern sind, wie alle anderen auch, wenn man sie denn nur lassen würde.

Das Fragezeichen stammt weniger von mir, sondern vielmehr von der CDU (das ist die Mutterorganisation der LSU und die Partei, deren Kölner Oberbürgermeisterkandidat zusammen mit dem ebenfalls der CDU angehörenden amtierenden Oberbürgermeister die Kölner CSD-Parade eröffnen soll).

Für den CDU-Politiker Volker Kauder wäre, wie er bereits früher deutlich machte, ein Adoptionsrecht für Schwule und Lesben nicht mit dem christlichen Menschenbild seiner Partei vereinbar.

Hier zeigt sich einmal mehr, das vernünftiges Denken und ein christliches Weltbild sich diametral gegenüber stehen.

„Es geht bei diesem Vorschlag allein um die Selbstverwirklichung von Lesben und Schwulen und nicht um das Wohl der Kinder“, sagte Kauder.

Woher er das weiß, verrät Kauder nicht. Aber es mag sogar so sein, dass es hier und da schwule oder lesbische Menschen gibt, die auf diesem Weg an ihrer Selbstverwirklichung arbeiten wollen. Was jedoch ist daran schlimm, wenn Menschen in die Verwirklichung ihres Selbst Kinder einbeziehen? Das Selbst erstreckt sich dann eben nicht mehr nur auf die eigene Person und die des Partners, sondern auf die gesamte Familie. Dass das Wohl der Kinder darunter leidet, ist nicht zu sehen. Im Übrigen übersieht Kauder, dass sein Vorhalt verschiedengeschlechtliche Adoptiveltern in gleiche Weise trifft.

„Volles Adoptionsrecht für Schwule und Lesben widerspricht den Interessen von Kindern. Das bestätigen Kinderpsychologen und Kindertherapeuten, die vor einer solchen Entwicklung warnen.“

Christl Vonholdt vertritt dieses Auffassung. Bisher hat kein seriöser Kinderpsychologe oder Kindertherapeut dieses Auffassung bestätigt. Es gibt vielmehr umfangreiche Studien aus den USA, dem skandinavischen Raum und eine, von der Bundesregierung bisher zurückgehaltene deutsche Studie, die zeigen, dass es Kindern mit gleichgeschlechtlichen Pflege- oder Adoptiveltern nicht schlechter ergeht, als Kindern mit  genormten Eltern. Deshalb hat vor wenigen Tagen The West Virginia Supreme Court in einem einstimmigen Beschluss ein anderslautendes Urteil eines Instanzengerichts kassiert und ein kleines Mädchen bei seinen lesbischen Pflegeeltern belassen.

In a unanimous opinion, the court turned back Fayette County Circuit Judge Paul Blake Jr. ’s order that the girl should be taken away from Kathryn Kutil and Cheryl Hess and placed with a heterosexual couple who might adopt her. The court noted that there was no evidence that the girl ’s placement with the lesbian couple was in any way harmful to her: “As a matter of fact, the court was never presented with any actual evaluation of the home or evidence of the quality of the relationship” the girl had with Kutil and Hess, the justices said. “All indications thus far are that (the girl) has formed a close emotional bond and nurturing relationship with her foster parents, which can not be trivialized or ignored.” The justices said Blake only ruled in favor of removing the child to promote placing her with a heterosexual couple.

Das Gericht empfiehlt der Adoptionsbehörde sogar ausdrücklich:

The court also said that Kutil and Hess should be considered “if not favored ” in the selection of the girl’s eventual adoptive home.

In den USA gibt es mittlerweile langjährige Erfahrungen mit Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Adoptiveltern. Die Gegner haben außer dem allfälligen Hinweis auf ihr angeblich christliches Weltbild nichts Ernsthaftes dagegen einwenden können.

Dass die CDU sich erneut in die Nähe der Schwulenheiler um Vonholdt & Co begibt überrascht nicht. Leider überrascht es auch nicht mehr, dass schwule Menschen sich in die Nähe der CDU begeben.

Die weltonline hat übrigens innerhalb kurzer Zeit ihre Kommentarspalte zu der mit “Sollen schwule Paare Kinder adoptieren dürfen” überschriebenen Kauder-Meldung schließen müssen. Offenbar hat sich der schwulenfeindliche Mop mal wieder so richtig ausgetobt.

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