Gewalt gegen Schwule? Gibt’s nicht! Bei uns doch nicht!

Angestoßen durch den CDU-Politiker Sascha Steuer scheint in der Stadt Berlin nun doch eine Debatte über die zunehmende, beziehungsweise zunehmend sichtbarer werdende Gewalt gegen schwule Menschen in Gang zu kommen.

Dabei herrscht große Unklarheit über das quantitative und qualitative Ausmaß dieser Gewalt. Das Einfachste wäre, die Polizei würde durch Befragungen der Opfer versuchen festzustellen, ob deren sexuelle Orientierung mit der Tat in Zusammenhang steht.

Jedoch, die dortige rot-grüne Regierung will dass nicht:

[Es] soll sich an dem Grundsatz, homophobe Übergriffe nicht als solche zu registrieren, nichts ändern. “Es ist politisch nicht gewollt, Minderheiten zu erfassen”, sagt Nicola Rothermel, Sprecherin der Innenverwaltung. Damit solle einer möglichen Stigmatisierung oder Diskriminierung der Opfer vorgebeugt werden.

Und Die Linke stimmt zu. Deren dortiger Landeschef, Klaus Lederer lehnt eine gesonderte Statistik über schwulenfeindliche Übergriffe ab. Er befürchte bei polizeilichen Ermittlungen weitere Demütigungen der Opfer.

Dass Die Linke eine solche Haltung einnimmt, verwundert nicht, schließlich ist diese Partei schon mehrfach durch ausgeprägte Homophobie aufgefallen.

Für die Landesregierung werden folgende Beweggründe ausschlaggebend für ihre Verweigerungshaltung sein: Wenn antischwule Gewalt statistisch erfasst und damit ihr Ausmaß sichtbar wird, wird auch der Druck, endlich gegen diese Gewalt, und vor allem gegen die Gewalttäter, vorzugehen, erheblich zunehmen. Dann können die Gewalttaten nicht mehr nur als Einzelfälle abgetan werden. Und dann wird es erforderlich, die Täter/Tätergruppen beim Namen zu nennen; das aber will man dort nicht.

Damit wird die Chance vertan, aus der Basis von einigermaßen gesichertem Datenmaterial eine Diskussion zuführen. Statt dessen wird dieses Politikfeld rechtsextremen Kräften für ihre Bauernfängerei überlassen.

Die von mäßig bis übermäßig linker Seite ins Spiel gebrachten Hinweise auf die (zusätzliche) Demütigung, Stigmatisierung und Diskriminierung der Gewaltopfer sind dummes Zeug. Es gibt aus Ländern wie Großbritannien gute Beispiele, wie die Polizei mit schwulen Verbrechensopfern umgeht. Dort gibt es Dienstanweisungen, Arbeitshilfen, Schulungen, spezielle Ansprechpartner und dergleichen mehr, die den Polizisten helfen, das Thema angemessen und, insbesondere bei nicht geouteten homosexuellen Menschen, behutsam anzusprechen. Es gibt aber auch Flyer und anderes Material, dass den Gewaltopfern helfen soll, möglichst offen und angstfrei mit der Polizei umzugehen.

Zwar gibt es, die Wunden der Vergangenheit sind noch längst nicht alle geheilt, auch in Großbritannien insbesondere bei älteren schwulen Menschen große Vorbehalte gegen die Polizei, jedoch zeigen verschiedene Umfragen von stonewall, dass diese Vorbehalte mehr und mehr abnehmen.

Die britische Polizei hat immer wieder hervorragende Ergebnisse bei der Bekämpfung von antischwuler Gewalt und bei der Strafverfolgung nach solchen Gewalttaten vorzuweisen. Die massive Personalwerbung in schwulen Medien und der vorbildliche Umgang mit schwulen Mitarbeitern tun ein Übriges. In Berlin hingegen hat der dortige Polizeigewerkschaftschef mehr als deutlich gemacht, dass er schwule Menschen, und nicht etwa Gewalttäter, als eine Gefahr für die öffentliche Ordnung sieht.

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