Am Freitag hat sich Christoph Daum mit ein paar schwulen Fußballfans getroffen. Diskussionsbedarf gibt es bekanntlich reichlich. Nachdem Daum wochenlang unzählige Gelegenheiten zu einer öffentlichen Klarstellung oder Erklärungen seiner Äußerungen hat verstreichen lassen, hat er sich nun angeblich in diesem Gespräch, das hinter verschlossenen Türen stattfand, entschuldigt.
Bei wem hat er sich entschuldigt? Bei sechs Vertretern des FC-Fanclubs ‘Andersrum rut-wiess’. Beleidigt hatte er alle schwulen Menschen, und zwar öffentlich.
Wie hat er sich untschuldigt und hat er sich überhaupt entschuldigt? Nun, offenbar wurde über den genauen Inhalt des Gesprächs Stillschweigen vereinbart, denn es werden nur ein paar allgemeine und unverbindliche Eindrücke mitgeteilt.
Aus queer.de:
“Er hat sich aber gleich eindeutig und aufrichtig von seinen homophoben Aussagen distanziert und sich entschuldigt”, so [Fanclub-Mitglied] Maas weiter. Daum machte unmissverständlich deutlich, dass er diese Äußerungen so hätte nicht abgeben sollen, dies entspräche überhaupt nicht seiner Lebenseinstellung.
Wenn diese Äußerungen nicht Daum’s Lebenseinstellung entsprechen, wie kommt er dann überhaupt zu diesen Äußerungen? Hatte ihm jemand den Text aufgeschrieben? War er nicht bei vollem Bewußtsein als er interviewt wurde?
“Daum hat einen ehrlichen und sehr offenen Eindruck gemacht – und und uns seinen Hintergrund erläutert, um uns seine persönliche Einstellung näher zu bringen”, erklärte Maas.Â
Was hat Herr Daum denn für einen Hintergrund, außer dem wenig rühmlichen, allseits bekannten?
“Für uns ist die Angelegenheit damit erledigt. Erst recht, wenn wir mit Christoph Daum in den nächsten Jahren die deutsche Meisterschaft feiern können”, fügte Maas schmunzelnd an.
Jaja, immer schön den einfachsten Weg gehen. Aber was will ein einflussloser schwuler Fanclub auch anderes tun, um seiner Mannschaft mit seinem Trainer weiterhin guten Gewissens zujubeln zu können? Da wird die Angelegenheit kurzerhand für erledigt erklärt. Als Gegenleistung für die Absolution gibt’s ein paar Autogramme von Daum.
Und wirklich große Klasse Herr Maas, wer deutscher Meister wird, darf seine Homophobie austoben!? Ich finde das nicht zum schmunzeln.
Aus dem Kölner Stadt-Anzeiger:
“Daum weiß, dass er einen Fehler gemacht hat”, sagte “Andresrum-rut-wiess”-Gründungsmitglied Andreas Stiene im Gespräch mit ksta.de. “Damit ist die Sache für uns vom Tisch.”
Für mich nicht!
“Christoph Daum hat uns glaubwürdig davon überzeugen können, dass er tolerant gegenüber Schwulen und Lesben ist”, sagte Andreas Stiene. Er betont: “Für uns war das eine glasklare Entschuldigung.”
Ich bin nach wie vor an dem genauen Wortlaut dieser Entschuldigung interessiert.
Aus dem Kölner Express:
Andersrum-rut-wiess“-Gründungsmitglied Patrik Maas gegenüber EXPRESS: „Es war eine ganz vertrauensvolle Atmosphäre. Herr Daum hat sehr viel Persönliches erzählt, war sehr aufrichtig. Für uns ist die Sache damit vom Tisch.“
Fazit Daum: „Das war ein sehr gutes Treffen. Ich habe einiges aus meinem Leben erzählt und wollte zeigen, dass ich ein toleranter Mensch bin. Die Interpretation meiner Aussagen war unmöglich.
Stimmt, die Aussagen ließen keinen Raum für Interpretationen. Sie waren eindeutig.
Ich wollte nie Homosexuelle in Verbindung mit Pädophilen stellen.
Hört, hört!
Das konnte der Fanclub jetzt nachvollziehen.“
So hat also der tolerante Charmeur Christoph Daum die sechs Fanclubvertreter um den Finger gewickelt, diese haben artig eine Pressemitteillung versandt und die Welt scheint wieder in Ordung.
Ist sie aber nicht. Der Schaden, den Daum durch seine Äußerungen angerichtet hat, kann nicht durch ein 90 minütiges Geheimpalaver mit ein paar Fanclubmitgliedern wieder gut gemacht werden. Da hilft auch eine nebulöse Pressemitteilung nicht.


04/08/2008 um 7:38
Fußball macht doof.
04/08/2008 um 11:07
Na ja. Daum hat sich bei den 6 Vertretern des Fanclubs entschuldigt. Für sie ist der Fall damit gegessen.
Dann hat Daum also nur noch hunderttausende anderer Schwule vor sich bei denen er sich entschuldigen muss. Immerhin ist ein Anfang gemacht.
Ich hoffe nur, daß er nicht dem Irrglaube unterliegt, daß die überzeugten Fanvertreter ausreichen. Er hätte sich sicherlich einiges an Lauferei (von schwulem Haushalt zu schwulen Haushalt) ersparen können wenn er direkt zur Presse gesagt hätte: “Ich hab Mist gebaut und entschuldige mich dafür.”
Hat er aber nicht. Er hat seine Fans vorgeschickt und selbst nichts gesagt. Also hat er noch was vor sich. Ich bin nicht überzeugt. Für mich hat sich das nicht erledigt.
04/08/2008 um 11:16
Schade das Du Das so siehst!
Hallo “The gay dissenter”,
ich bin einer der von dir beschriebenen und zitierten, völlig verblödeten und naiven FC-Fußballfans, die Daum mit links um den Finger gewickelt hat.
Mein Name ist Andreas Stiene und ich stehe öffentlich dazu schwul und dennoch nach Fußball verrückt zu sein. Auf dem Gebiet des Fußballs habe ich ehrenamtlich u.a. seit 14 Jahren durch die Organsiation der Benefiz-Fußballevents Come-Together-Cup (in Köln, Essen und Berlin), die Mitorgansiation des “2. Aktionsabends gegen Homophobie im Fußball” (mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger), die Mitorganisation der CSD-Gruppe der Queerfootballfans und die Initierung des Fanclubs “Andersrum Rut-Wiess”, gesellschftspolitisch schon einiges in meinem Rahmen und der Unterstützung vieler HelferInnen auf dem Gebiet des Fußballs (mit-)bewegen können.
Aber sicherlich wärst Du dennoch, genauso wie einige andere Vertreter/Innen der schwul-lesbischen Empörundsindustrie, viel besser für dieses Gespräch mit Christoph Daum geeignet gewesen, als ich oder meine ebenfalls Daum-Hypnotisierten Mitstreiter/Innen.
Fein hast Du unsere Ausagen in der Presse und unserer Pressemitteilung seziert und in deinem Sinne analysiert.
Unser Menschenbild ist von umfassendem Respekt geprägt, auch und gerade gegenüber Menschen die Fehler machen (dazu gehöre auch ich immer wieder, Du aber vermutlich eher nicht) und die, wenn auch in diesem Fall mit bedauernswert langer Verzögerung, das Rückgrat haben diese offen und öffentlich -siehe Pressemitteilung!- einzugestehen.
Ich finde es sehr schade, dass Du offenbar gewohnt bist keinerlei Vertrauen in Deine Mitmenschen zu haben (in diesem Fall in uns).
Gehe bitte davon aus, dass uns Christoph Daum nicht mit ein paar netten Geschichtchen aus seinem Leben eingellult und abgespeist hat, sondern wir uns von ihm, völlig im Gegensatz zu Dir, sehr respektvoll behandelt und ernst genommen gefühlt haben.
Hätte er auch nur ansatzweise angefangen sich butterweich raus zu reden, sei gewiss, wären wir aufgestanden und gegangen.
Mit respektvollen Grüßen
Andreas Stiene
http://www.come-together-cup.de
http://www.cream-team-cologne.de
http://www.andersrum-rut-wiess.de
04/08/2008 um 12:15
Also auf mich macht die Sache den Eindruck, daß Daum da Fans vorschickt um nicht selbst öffentlich eine Entschuldigung (die immernoch notwendig ist) formulieren zu müssen.
Seine Worte “Die Interpretation meiner Aussagen war unmöglich. Ich wollte nie Homosexuelle in Verbindung mit Pädophilen stellen. Das konnte der Fanclub jetzt nachvollziehen.” zeigen eindeutig, daß ihm nicht klar ist, daß er da etwas falsches gesagt hat. Er sieht die Schuld offensichtlich bei den Leuten die seine Aussage interpretieren, nicht in seiner Aussage selbst. Und deshalb ist die Sache für mich eben noch nicht gegessen. Das war ein netter Pressetermin zum Saisonstart, mehr nicht.
04/08/2008 um 12:53
Schon spannend, wie einige nicht von einem liebgewonnen Feindbild lassen können. Es ist auch zu einfach mit ausreichend Polemik auf die erwählten weiterhin Sündenböcke einzuprügeln.. Ob’s unserer Sache dienlich ist? Ganz sicher nicht..
Interessant auch, dass offensichtlich ein Entschuldigungritus für solche Fälle existiert?
Der würde mich noch interessieren. Es reicht also nicht aus, sich aufrichtig zu entschuldigen? Diese Entschuldigung haben übrigens fünf Schwule und eine Lesbe (so viel Zeit sollte sein..) gehört und weitergegeben.
Sehr bedauerlich die Weigerung aufrichtig gemeinte Entschuldigungen zuzulassen, weil sie nun nicht in dem erwünschten und bestimmten Rahmen abgegeben wurden - aber ganz ehrlich: Es juckt mich nicht, dass das nun nicht ausreichen soll für die “Empörungsreflexe”. So sehr ich auch von den ursprünglichen Äußerungen entsetzt war, so wichtig war mir das klärende Gespräch. Für mich als FC Köln-Fan bleibt die Sache erledigt - dafür waren die gehörten und zitierten Aussagen zu eindeutig. Und ich darf doch weiterhin von der Deutschen Meisterschaft träumen und glaube mir, dann mag ich unsern Trainer noch mehr
Komisch irgendwie.. Aber das zu erklären, würde wohl zu weit führen..
(Übrigens wenn jmd. “schmunzelnd” zitiert wird, scheint Ironie im Spiel.. Hat was mit Humor zu tun und nicht mit Sarkasmus, mit dem Du Dich auszukennen scheinst ..lächel..)
Es grüßt der so nett interpretierte “Herr Maas”
04/08/2008 um 1:50
@ Andreas Stiene:
1.
Ich kann durchaus nachvollziehen, dass Sie als Fanclubfunktionär und Gesprächsteilnehmer diesem Geheimgespräch eine überhöhte Bedeutung beimessen. Gleichwohl: Sie verkennen, dass Daum in seiner ursprünglichen Äußerung nicht eine kleine Gruppe schwuler Fans beleidigt hat, sondern pauschal alle schwulen Männer mit Menschen, die Kinder sexuell mißbrauchen, gleichgesetzt hat. Dass er nun mit ein paar Fanclubvertreter gesprochen hat, offenbar auf Drängen und unter Aufsicht der Vereinsoffiziellen, weil man dort erkannt hat, dass auch schwule Menschen FC-Jahreskarteninhaber sind, und befürchtet, dass diese Fans, was die nach der Daum-Äußerung einzig in Betracht kommende Konsequenz gewesen wäre, ihre Abos nicht verlängern, kann nicht ansatzweise als ernsthafte Entschuldigung angesehen werden. Das gilt umso mehr, wenn die wie bestellt wirkende Presseerklärung nicht einmal von dem kommt, der sie hätte abgeben müssen.
2.
Die gestern vom Express wiedergegebene Daum-Erklärung steht im Gegensatz zu dem von den Fanclub-Mitgliedern geschilderten Gesprächsverlauf und zeigt, dass Daum nichts von seinen früheren Äußerungen zurücknimmt.
3.
Die Formulierung “völlig verblödeten und naiven FC-Fußballfans” finden Sie in meinem Text weder wörtlich noch sinngemäß. Sie wollen sich dieses paar Schuhe doch nicht ernsthaft anziehen?
04/08/2008 um 2:37
@ Patrik:
Was ist denn ‘unsere Sache’?
Es fällt immer wieder auf, dass ein Teil der schwulen Männer sich von homophoben Menschen angezogen fühlt und deren Nähe sucht. Der Hang hin zu starken Führungspersönlicheiten ist hier und da nicht zu übersehen. Nun mag der ein oder andere in Daum so eine starke Persönlichkeit sehen, die verzückten Berichte über das Gespräch deuten darauf hin, und seiner Faszination erlegen sein; meine Sache indes ist das nicht.
Selbverständlich dürfen Sie träumen, wovon Sie wollen, und den Gesprächsverlauf so bewerten, wie Sie wollen. Ebenso selbstverständlich werde ich eine im Stille Post Verfahren übermittelte Entschuldigung nicht als solche betrachten.
04/08/2008 um 4:39
Ich gehe also hin und sage: “Der Himmel halte kleine Mädchen von heterosexuellen Männern fern!”
Dann treffe ich mich mit Christoph Daum in irgendeiner Hinterstube und versichere ihm glaubhaft, ich hätte das ja nicht so gemeint. Ich kann so etwas ganz gut, denn ich habe schon von jeher glaubhaft versichern können, daß mein Charakter über jeden Zweifel erhaben ist.
Daraufhin tritt Christoph Daum vor die Welt und verkündet höchstinstanzlich und stellvertretend für jeden Heterosexuellen, die Angelegenheit habe damit für alle erledigt zu sein. Wem das nicht reiche und wer sich darüberhinaus persönlich angesprochen fühle, der sei ein renitenter Berufsempörter, der wild und wahllos um sich schlägt.
@Andreas & Patrik
Leute wie Daum kosten mich von klein auf meine Selbstbestimmung, meine persönliche und geistige Freiheit und meinen ursprünglich angestammten Platz in der Gesellschaft Sie verbauen mir jede Planung für mein Leben, so wie ich es will, und zwingen mich täglich, Entscheidungen zu treffen, die ich nicht will, Dinge abzuwägen, die mich nicht interessieren, und sie beeinflussen die Art, wie ich mich gebe, anderen gegenübertrete, bewege, denke, rede, schreibe.
Ich habe kein Feindbild, ich habe einen Feind. Ich will ihn nicht bekämpfen und nicht besiegen; ich will nur, daß er begreift, was er mir antut.
Ihr seht Euer Leben noch vor Euch und nehmt das nicht so schwer? Wenn’s Euch reicht - warum nicht?
Ich allerdings habe mein Leben irgendwie schon hinter mir, weil es nie eine Chance hatte, überhaupt anzufangen. Ein Leben im Einvernehmen mit Leuten wie Daum reicht mir nicht. Nicht ich muß sie verstehen, sie müssen mich verstehen. Daum empört oder beleidigt mich nicht, er trifft mich. Das ist etwas anderes.
Solange ich an den nächsten Jungen denke, der seine Homosexualität entdeckt und sich statt zum Coming-Out zum Sprung von der nächsten Brücke getrieben fühlt, habe ich andere Maßstäbe als Ihr.
04/08/2008 um 4:51
Und ich wollte schon kein Lamm mehr essen… . ,-)
04/08/2008 um 10:54
diesen begriff “empörungsindistrie” in diesem kontext aus der hand eines schwulen fanvertreters finde ich ja - nun höflich gesagt grenzwertig. mir fallen dafür auch andere worte ein.
daum hat dinge öffentlich gesagt. wenn er jetzt der meinung ist, einen fehler gemacht zu haben, finde ich das begrüßenswert. er sollte dies allerdings genau so öffentlich kundtun wie seine peinlichen stammtisch-worte. so einfach ist das …
05/08/2008 um 10:53
Lieber Autor,
mir scheint, du bist ein wenig angefressen - vielleicht wärst du selbst gerne bei dem Gespräch dabei gewesen? Ich lese aus deinem Post jedenfalls keine Argumente, sondern nur - mit Verlaub - dämliches Rumgezicke um des Gezickes willen. Da kann schnell der Verdacht aufkommen, dass du einfach nur neidisch bist.
In diesem Sinne: Mach dich locker!
05/08/2008 um 2:36
@ Julian:
Bevor ich mich gemeinsam mit Ihnen und zweien Ihrer Vorkommentierer speichelleckend aufmache und Homophobie und die gelebte Schwulenfeindlichkeit des Christoph Daum und seiner Claqueure gesellschaftsfähig mache, sinniere ich lieber ein wenig darüber, ob axyron mit seinen drei Worten die Situation nicht doch sehr treffend beschrieben hat. Ihr Kommentar deutet darauf hin.
05/08/2008 um 10:07
“Ich allerdings habe mein Leben irgendwie schon hinter mir, weil es nie eine Chance hatte, überhaupt anzufangen. Ein Leben im Einvernehmen mit Leuten wie Daum reicht mir nicht. Nicht ich muß sie verstehen, sie müssen mich verstehen. Daum empört oder beleidigt mich nicht, er trifft mich. Das ist etwas anderes.”
Nun denn…axyron hat mein vollstes Mitleid. Jemand, dessen Selbstbewusstsein (oh, nein, *kreisch*, schlimmer: “Leben”) davon abhängt, wie eine mehr oder weniger berühmte Person sich über einen Teil seiner Pesönlichkeit äußert, dem ist nicht mehr zu helfen. Bei allem Verständnis für die Verärgerung über die Äußerungen von Christoph Daum, so bleibt zumindest für mich trotz all der tränentriefenden Diskriminierungsbekundungen hier in den Kommentaren und allem nach Verbitterung stinkenden Zynismus im eigentlichen Beitrag die Frage offen: Ja, wie denn sonst, wenn nicht so?
Ich glaube, wir erzielen spielend Einigkeit, wenn wir uns auf: “Am besten Mal gar nicht so äußern” festlegen - richtig?
Aber dennoch: Wer, wenn nicht eine Fangruppe, sollte denn der naheliegendste Ansprechpartner für Christoph Daum sein? Der LSVD? Gigi? Das WHK? Was mir an Ihrem Beitrag nicht gefällt ist, neben dem Verharren im Schmollwinkel und dem augenscheinlichen “einfach nicht verstehen wollen” des Fehlers von Herrn Daum das völlige Fehlen einer sinnvollen, praktikablen und für sie zufriedenstellenden Lösung. Wenn Sie uns diese präsentieren könnten, wäre zumindest mir sehr geholfen.
Danke.
05/08/2008 um 11:13
@ Julian:
Ich weiß nicht, was was Ihr unerträglicher und neben der Sache liegender Angriff auf axyron soll. Realisieren Sie bitte, dass es Menschen gibt, deren Geschichte nicht nur aus einem Friede-Freude-Eierkuchen-Fußballfan-Einerlei besteht!
Können Sie sich Ihre Fragen nicht selbst beantworten? Herr Daum hat sich für sein wohlüberlegtes hasserfülltes Statement einen dunklen Anzug angezogen, sich gekämmt und in ein Fernsehstudio begeben. Sicher nicht ohne seine Zustimmung hat der Fernsehsender die Daum’sche Offenbarung vorangekündigt und so Zuschauerzahlen für die Sendung erreicht, die sonst undenkbar gewesen wären. Das Mindeste (!) was nun zu erwarten ist, ist eine Stellungnahme in gleicher Öffentlichkeit. Daum hat unzählige Gelegenheiten gehabt - erst heute war er wieder im Fernsehen zu sehen - um klarzustellen, was er gemeint bzw nicht gemeint hat. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ein Hinterzimmergespräch mit ein paar Fanclubmitgliedern eine ernstzunehmende Entschuldigung darstellt!? Und ich frage Sie: Ist Ihnen überhaupt klar, welche Homophobie sich unter Fußballfans austobt? Ist Ihnen überhaupt klar, was schwule Jungs, 14, 15, 16 Jahre alt heute in Kölner Schulen ertragen und durchmachen müssen? Ist Ihnen überhaupt klar, welchen Pöbeleien und zunehmend gewalttätigen Übergriffen schwule Menschen in Köln (!) ausgesetzt sind? Ist Ihnen überhaupt klar, welches Öl Christoph Daum ins Feuer gegossen hat? Haben Sie mal in Ruhe darüber nachgedacht, welchem homophoben, rechtsradikalen Pack Christoph Daum den Ball zugespielt hat? Haben Sie auch nur ansatzweise die johlende und begeisterte Reaktionen dieser Leute zur Kenntnis genommen? Können Sie überhaupt ermessen, welches Unheil Daum angerichtet hat? Das ist nicht mit ein paar Geschichten aus dem Leben des Christoph Daum, erzählt bei Kaffee und Kuchen, abzutun.
06/08/2008 um 12:00
In Zeiten, in denen mein Selbstbewußtsein darniederliegt, beneide ich gewisse Leute manchmal.
So, wie die leben, möchte ich einmal sterben: Einfach nichts mehr mitkriegen…
06/08/2008 um 7:01
Die Frage wie eine richtige Entschuldigung aussieht ist leicht beantwortet:
Klare Worte in gleicher Öffentlichkeit wie auch die Äußerungen die sie nötig gemacht haben und nicht Dementi durch Mittelsmänner und darauffolgende Relativierung, daß ja die Leute die ihn “interpretiert” hätten alles falsch gemacht haben. Das ist einfach keine Entschuldigung. Er mag sich im kleinen Kreis entschuldigt haben, aber dann gilt die Entschuldigung halt eben nur für diesen kleinen Kreis.
06/08/2008 um 11:12
@TGD und alle Diskutanten
Ich bin zugleich traurig und froh darüber, dass die Auseinandersetzung an einem Punkt angekommen ist, an dem es auch unter uns darum geht, womit mann sich zufrieden gibt.
Denn daran zeigt sich, was “die schwule Seele” will (das in aller Polemik, es gibt SIE nicht, sondern hunderttausende verschiedene) - ein wenig geliebhabt werden, und sei es auch noch so wenig …
Aus meiner Sicht reicht das nicht. Nein, es reicht nicht, wenn Herr Daum sich im kleinen, nicht öffentlichen Rahmen bei einer kleinen Betroffenengruppe entschuldigt, und dabei zum besseren Verständnis Geschichten aus seinem Privatleben zum Besten gibt - ich muss mich hier auch nur auf kolportiertes verlassen.
Das Verhalten von Herrn Daum ist kein Einzelfall, die Gleichsetzung von Homosexualität mit Pädophilie wird immer wieder gerne als Totschlagsargument genommen und geht immer wieder einfach so durch. Niemand außer unseresgleichen widerspricht da für uns! Besonders widerlich finde ich auch die im Zusammenhang dieses Entschuldigungs-Eiertanzes vorgebrachte Bemerkung, er habe schließlich auch schwule Bekannte - und schon ist mann wieder ach so tolerant, sarkasmustrief …
Ich bin keine verbiesterte Berufsschwulette, die Zeit ihres Lebens keine andere Aufgabe vor sich sich sieht, als auf Diskriminierung hin zu weisen (meinetwegen auch vermeintliche, denn dann kommen ja immer wieder solche Sprüche wie “Was wollt Ihr denn, es geht Euch doch so gut”, “Humor ist, wenn mann auch mal über sich selbst lachen kann und sich nicht immer gleich angegriffen fühlt”). Ich bin durchaus auch darüber hinaus noch ein vielfältigerer, wacher, politisch interessierter, neugieriger und lebensfroher Mensch …
Aber da die Diskriminierung existiert, hat mann (vielleicht?!) auch die Aufgabe, für sich und damit für andere hin zu stehen und zu sagen: “Nein, so nicht!. Wir sind anders als Euere Klischees und haben eine andere Behandlung verdient. Wir müssen uns nicht fortwährend in dieser Art kollektiv beleidigen lassen.” Dass Herr Daum sich beim schwulen Fanclub entschuldigt hat, ist gut und schön, aber es kann nur der Anfang sein.
Ich bringe ein Beispiel aus einem anderen Bereich (mann möge mich dafür schlachten, wenn mann will): Rosa Parks hatte die Schnauze voll von Rassendiskriminierung, als sie sich im Bus nicht mehr dahin setzte, wo sie es nach dem Willen der weißen Mehrheit sollte. Vor diesem Hintergrund scheint “Schwul sein” eben auch heute noch etwas mit Zivilcourage zu tun zu haben, oder? Ich stimme TGD wiederholt zu, dass “Schwul sein” bis zu einer weitestgehenden Gleichberechtigung eben nicht “normal” ist und das private eben doch politisch!
Und wenn hier einer oder wenige für die Menge stehen, dann könnte es doch sinnvoll sein, dass ein schwuler Fanclub auch einmal sagt: Nein, Herr Daum, es reicht uns nicht, dass wir von Ihnen gestreichelt worden sind, es gibt noch hunderttausende andere da draußen, die von Ihrer Gedankenlosigkeit mitbetroffen sind.
Und dann reicht es auch nicht, dass der Verein nur wieder Deutscher Meister werden muss, damit der Trainer wieder geliebhabt und noch mehr gemocht werden kann. Nicht alle Widersprüche lassen sich auflösen, aber als schwuler Fußballfann muss mann seinen Verstand nicht an der Garderobe abgeben, oder?
06/08/2008 um 9:40
egal wer wen warum öffentlich jemand beleidigt . . . . . derjenige hat sich auch öffentlich zu entschuldigen wenn er es wirklich ernst meint - ihm es ein wirkliches anliegen ist. soviel respekt vor dem anderen - und ganz besonders respekt vor dem dem anders sein anderer - soviel rückgrat darf sein.
06/08/2008 um 11:11
Ich habe den Eindruck, hier geht es gar nicht um Daum und seinen gelaberten Stuss. Es geht um Publicity für den Fanclub rutweiß (oder so). Um in die Schlagzeilen zu kommen, wurde kurzerhand dem Daum ein Persilschein ausgestellt, ohne das der was dafür tun musste. Naja, was solls. Es haben schon Menschen für weniger als einen 90- Minuten-Plausch mit Däumeling ihre Seele verkauft. Schade nur für alle anderen, die darunter noch lange leiden werden.
06/08/2008 um 11:31
@ Markus:
Am meisten stört mich diese Absolutionserteilung durch den Fanclub. Dass dort das Gespräch mit Daum anders bewertet wird, als hier, ist nicht verwunderlich. Ich frage mich aber, wen man mit dieser überschwenglichen Pressemitteilung treffen will (die nebenbei, inhaltlich so wackelig formuliert ist, dass dem Fanclub dringend etwas PR-Beratung anheim zu stellen ist). Es hätte doch gereicht, zu verkünden, dass man sich getroffen habe, ein gutes Gespräch führte und vereinbart habe, gemeinsam dieses und jenes … Statt dessen wird Daum zum Messias erklärt und auf ein haushohes Schild gehoben. Interessant ist die Formulierung in der aktuellen Pressemitteilung:
“Durch ein Interview von Daum im Rahmen einer im Mai 2008 ausgestrahlten TV-Dokumentation im DSF über Homophobie im Fußball war der Eindruck entstanden, dass er Homosexualität und den Missbrauch von Kindern in
Zusammenhang bringen wollte.”, wird da ganz handzahm verkündet. Im Mai war noch nicht von einem “Eindruck” die Rede; es wurde der Presse vielmehr handkantenartig erklärt:
“Die Äußerungen des Aufstiegstrainer des 1. FC Köln Christoph Daum im Rahmen der DSF-Dokumentation „Das große Tabu – Homosexualität & Fußball“ haben uns entsetzt.
Es ist für uns verletzend, wenn lesbische und schwule Lebensweisen in den Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gestellt werden. Dieser Vergleich stellt eine unerträgliche Kriminalisierung unserer Lebensweisen dar.”
Dieser unerklärte Sinneswandel lässt mich auch der Auffassung von CZimmer zuneigen, dass hier mehr ein Medienspektakel zugunsten des Fanclubs, weniger zugunsten der Belange schwuler Menschen inszeniert wurde.
07/08/2008 um 12:13
Lieber Herr Dissenter,
wenn ich mir eine Frage selbst beantworten könnte, würde ich sie nicht stellen. Da ich aus Köln komme sind mir auch die dortigen “Probleme” von Schwulen uns Lesben durchaus vertraut, wenn ich es auch ziemlich irritierend finde, ausgerechnet das relativ homofreundliche Köln aus subjektiver Sicht als Beleg für ein allgemein schlechter werdendes Klima gegenüber Homosexuellen anzuführen. Aber gut, das ist vermutlich auch wieder ihre Sicht der Dinge. Mir sind nämlich, von zwei Fällen abgesehen, in den letzten 5 Jahren in meinem näheren und weiteren Bekanntenkreis keinerlei Gewalttaten bekannt geworden.
Als Fußballfan und Stadiongänger ist mir auch die Athmosphäre in Stadien vertraut - anscheinend vertrauer als dem Schreiber des großartigen Artikels, wie ich vermute. Dazu habe ich jahrelang in einem Verein Fußball gespielt, kenne also die Homophobie, die sich dort “austobt” - und das auch vermutlich besser als Sie, der Sie, wie mir scheint, von ein paar Artikeln aufgeschreckt wurden und jetzt das erzählen, was alle erzählen. sobald das Wort auf “Homosexuelle im Fußball” kommt. Insofern darf ich also ihre persönliche Kenntnislosigkeit hinsichtlich der Strukturen der Fanszene und der Fußballszene im Allgemeinen als Grund für ihre Meinungsäußerung ansehen - was die Bewertung dann wesentlich einfacher macht.
Mir ist nämlich, als geouteter Schwuler und Dauerkartenbesitzer, durch CDs Äußerungen das genaue Gegenteil widerfahren: Leute kamen auf mich zu - und erklärten mir, sie hielten diese Äußerungen für Unsinn. So gesehen leidet der schwule Stadionbesucher nicht unter dem Schatten der Daumschen Äußerungen, sondern muss in einem neu entstehenden Diskurs mit Fußballfans seinen Mann stehen. Nicht das schlechteste Ergebnis dieses Fehltritts.
Haben Sie die DSF-Reportage eigentlich gesehen? Können Sie sich an den Wortlaut erinnern? Der war missverständlich - und wenn man ihn mit dem von CD im Gespräch offensichtlich genannten Hintergrund liest, dann wird er auf einmal wesentlich weniger missverständlich. Was bleibt, sind verworrene Sprechblasen eines Menschen, der eben schneller redet, als er denken kann. Auch das sollte man einfach mal so hinnehmen können. Und: Daums Gedanken zum Kinderschutz finde ich lobenswert und gut und finde, dass sie jeder von uns unterstützen sollte.
Sie möchten also in der Tat, dass Christoph Daum sich hinstellt und sich entschuldigt. Okay. Kann ich nachvollziehen -wobei mir der Sinn einer DSF-Reportage mit dem Titel “Christoph Daum hat Schwule liiiiieb” verborgen bliebe.
07/08/2008 um 7:52
1.
Ich bedauere es, Irritationen ausgelöst zu haben.
2.
Homofreundliches Köln? Echt klasse!! Wie kommen Sie denn zu der Ansicht?
3.
Sie wollen mir doch nicht ernsthaft weismachen, dass es Schwulenhass im Fußball nur in der Einbildung schwuler Nicht-Fussballfans gibt? Ihrer merkwürdigen Ansicht nach darf ich das Ausbleiben von Outings in den Bundesligen als Beweis dafür nehmen, wie wohl sich Schwule in Fußballstadien fühlen!? Sehen Sie es mir nach, aber ihre Schönredeversuche wirken realitätsfern.
4.
Wenn Ihnen doch schon auf dem Fußballplatz erklärt wird, die Daum’schen Äußerungen seien Unsinn, warum glauben sie es dann nicht einfach? Darf ich mir Ihren Eintritt in den Diskurs mit ihren Mitfans so vorstellen, dass Sie versuchen, Ihren Mitfans auszureden, dass Daum Unsinn geredet habe? Oder worüber diskutieren Sie, wenn alle ihrer Meinung sind?
5.
Ich schätze die Meinungsverschiedenheit mit Ihnen sehr. Aber jetzt, lieber Julian, passen Sie bitte einmal ganz genau auf:
Wenn einem Menschen wie Christoph Daum beim Thema Homosexualität als erstes (und vielleicht einziges) ‘Kinderschutz’ einfällt, dann ist das Homophobie, dann ist das gelebte Schwulenfeindlichkeit, dann zeigt es, dass er bis zur Halskrause voller Vorurteile steckt. Das kann man mit schnellem Reden und langsamen Denken, Missverständnissen oder ‘Hintergründen’ aus Daum’s Leben oder sonst was zu erklären versuchen, es macht nichts besser oder ungeschehen.
Wenn nun einem schwulen Menschen beim Thema Homosexualität als erstes (und vielleicht einziges) ‘Kinderschutz’ einfällt, wie Ihnen, dann verbieten es mir Anstand und Benehmen, hier zu schreiben, was ich davon halte.
Vielleicht informieren Sie sich einmal über den Unterschied zwischen Homosexualität und Pädophilie. Aber wahrscheinlich werden Sie mir jetzt erneut vorhalten, dass ich nicht wisse, wovon ich schreibe, und dass Sie im näheren und weiteren Bekanntenkreis selbstverständlich schwule Männer kennen, vor denen kleine Jungs geschützt werden müssen.
07/08/2008 um 8:55
@ Julian
Wozu eigentlich brauchtest Du ein Coming Out? Für Dich ist doch die Welt jetzt in Ordnung, und vorher war sie es wahrscheinlich auch. Wenn Du ausschließlich eine Umgebung hast, die keine Probleme mit Schwulen hat, warum dann sich outen? Aus welcher Bedrängnis heraus denn? Aus welcher inneren Notwendigkeit?
Entschuldige, ich muß bei Dir an Loriot denken, der einen Laden betritt und lauthals verkündet: “Mein Name ist Lohse! Ich kaufe hier ein!”
08/08/2008 um 2:14
@ thegaydissenter: du bist ja sowas von arrogant… aber ich mag deinen ausgeprägten personalstil.
02/10/2008 um 7:29
[...] Freude beim Lesen meiner Posts empfanden ein paar schwule Fußballfans, und das nur, weil ich nicht bereit bin, an der allgemeinen Christoph-Daum-Verehrung [...]