Das in Berlin erscheinende arabischsprachige Werbemagazin al-Salam hat in seiner Aprilausgabe einen zutiefst schwulenverachtenden Artikel veröffentlicht. ufuq.de stellt eine Übersetzung ins Deutsche zur Verfügung:
Ein fleischfressendes Bakterium und geschlechtliche Anormalität
von Muhammed Lujain al-ZaynGott erinnerte (die Menschen im Koran) an das Volk des Lot und beschrieb es als feindselig und maßlos. Die Handlungen, die das Volk des Lot begeht, sind danach Sünde. Auch der Prophet bekräftigte in mehreren Hadithen, dass homosexuelle Männer zu töten seien. Bei drei Gelegenheiten verfluchte er diese Menschen.
Mit dieser Untersuchung wende ich mich an alle ‚Anormalen‘ – an jene, die sich selbst als ‚Homosexuelle‘ bezeichnen – damit sie in Reue zu Gott zurückkehren und von ihren anormalen Handlungen ablassen. Wenn sie nicht (schon im Diesseits) von tödlichen Krankheiten befallen werden, dann werden sie im Jenseits für ihre Handlungen auf das Schärfste bestraft. Diese ‚Homosexuellen‘ müssen umkehren und sich dessen bewusst werden, was hier im Folgenden dargelegt wird.
[...]
Ich bin kürzlich auf eine Meldung gestoßen, die mich irritiert hat und die mich dazu veranlasste, mich mit den Krankheiten zu beschäftigen, die durch anormales Verhalten übertragen werden. Dabei stieß ich auf erschreckende Dinge: Da ist zunächst ein Artikel über eine medizinische Studie aus den USA, die belegt, dass sexuell anormale Männer besonders häufig von einer neuen Form eines Bakteriums betroffen sind, dass unter dem Namen ‘Menschenfleischfressendes Bakterium’ bekannt geworden ist. (…)
[...]
Die muslimischen Brüder seien daher daran erinnert, einem Homosexuellen nicht die Hand zu schütteln, denn man weiß nie, was für Bakterien und Keime sich an seiner Hand befinden und Verderben bringen könnten. Ich rate dazu, sich von denjenigen fern zu halten, die solche Handlungen begehen, denn diese Handlungen entsprechen nicht unserer natürlichen Veranlagung. (…)
[...]
Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Text verbietet sich von selbst. Es sei nur darauf hingewiesen, dass sich der Verfasser auf eine fahrlässige und längst korrigierte Veröffentlichung der University of California beruft.
Der LSVD Berlin-Brandenburg gibt sich nachsichtig und begnügt sich damit, ein Distanzierung des Verlags zu fordern:
Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V. fordert das in Berlin erscheinende arabischsprachige Magazin „al-Salam“ auf, sich von einem schwulenfeindlichen Hetz-Artikel in der April-Ausgabe der Zeitung zu distanzieren. Die muslimischen Organisationen in Berlin rufen wir auf, sich unserem Protest anzuschließen. Der LSVD erwartet von der Redaktion des Magazins eine öffentliche, klare und unzweideutige Distanzierung.
Nach meinem Dafürhalten erfüllen der Verfasser des Textes und der Verlag die Straftatbestände der §§
-
130 - Volksverhetzung
-
126 - Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten
-
26 - Anstiftung
-
185 - Beleidigung
-
186 - Üble Nachrede
-
187 - Verleumdung
-
130 a - Anleitung zu Straftaten
-
241- Bedrohung
des Strafgesetzbuches. Zuständig für die Entgegennahme von Strafanträgen ist die Staatsanwaltschaft Berlin. Darüber hinaus dürfte die Schrift in die Liste der jugendgefährdenden Medien im Sinne des § 18 des Jugendschutzgesetz auzunehmen sein. Antragsberechtigt im Sinne dieser Vorschrift sind zum Beispiel die Jugendämter der Berliner Bezirksverwaltungen.


01/08/2008 um 9:14
einfach widerlich.
ich bin immer wieder erschrocken, wie viel hass von manchen menschen gesät wird.
neben der staatsanwaltschaft sollte das auch -da es ja eine berliner publikation ist- an presserat & co gehen - sowie an muslimische spitzenverbände. der ansatz des lsvd scheint vernünftig wenn auch nicht ausreichend.
hoffe über die reaktionen aus muslimischen organisationen wird berichtet …
01/08/2008 um 9:39
“Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Zahl derjenigen, die an Krebs erkranken, unter Anormalen um ein Vielfaches höher ist als unter normalen Menschen. Schließlich gibt es unter Anormalen sogar eine besondere Form der Krebserkrankung, die erst kürzlich, vor allem unter Homosexuellen in Kalifornien und Los Angeles, beobachtet wurde und deren Hintergründe noch erforscht werden.”
Äh, von wann genau ist denn dieser Artikel? Handelt es sich da um die Kaposi-Sarkome Mitte der 80er Jahre???
Scheint ja schwer informiert zu sein, der Autor. Unglaublich.
02/08/2008 um 8:45
vielleicht sollte man neben dem formalen weg den herrschaften (denn das dürfte wohl aus männlichen gehirnwindungen gekrochen sein) in ihrer redaktion auch einfach mal zeigen, wie fröhlich und gesund schwul- und lesbischsein ist, wie gut es einem damit geht - mit einem kiss-in o.ä.
02/08/2008 um 10:16
“Der LSVD Berlin-Brandenburg gibt sich nachsichtig und begnügt sich damit, ein Distanzierung des Verlags zu fordern:”
unter welchem aspekt wurde den solch ein schwachsinniges statement abgegeben? uter dem des intergrationsaspektes . . .nur nicht contra stellung beziehen . . . . es könnte uns ja wiederals anti was auch immer ausgelegt werden?
ein aufruf zur distanzierung ist mir pers zu wenig. schließlich handelt es sich hier nicht um eine pers meinung - sichtweise einer person sondern es wird im namen vieler bzw für viele gesprochen.
dachverband türk islamische union
Das Recht auf politische Mitsprache gilt vielen Migranten als wichtige Voraussetzung für eine Teilhabe an der Gesellschaft. Erst eine solche Mitsprache ermöglicht eine aktive Beteiligung am gesellschaftlichen Gestaltungsprozess.
und das heißt klar und deutlich - so nicht liebe mitbrüder. aber davon ist man noch weit entfernt.
statt dessen . . . .
Wünschenswert für den weiteren Integrationsprozess wäre daher ein modernes, vom Prinzip der Bürgerschaft her entwickeltes Konzept der sozialen, rechtlichen und demokratischen Teilhabe aller, um auch den Einwandern eine demokratische Verantwortung zu übertragen. Deshalb fordern und erwarten wir, . . . .
fordern fordern fordern . . . . . . .
so nicht liebe freunde. wie wärs den mal mit stellung gegen solche auswüches in den eigenen reihen zu beziehen?
02/08/2008 um 1:03
Was regst Du Dich darüber auf? Das kann man auch Sonntags in einer katholischen Kirche hören.
Das gibt es auch auf jeden Parteitag oder im Bierzelt bei Parteien die MINDERHEITEN (andere) in diesen Land Ködern wollen oder als Volkspartei in Landtagen über 50% haben.
Für den persönliche Hass, den ich predigen will, eignen sich schon immer religöse Themen. Da kann man schlecht gegen argumentieren.
02/08/2008 um 1:14
stimmt hepai, nur mit einem unterschied. wenn solche aussagen von irgendeiner partei oder gruppierung kommt - dann ist die entrsütung bzw der gegenwind schon recht groß. im diesem fall jedoch ist man sehr sehr vorsicht weil man vermeiden möchet als ausländerfeindlich - islamfeindlich etc. eingestufft zu werden. in unserer kultur hat man keine größeren probleme über kirche, bibel oder inhalte oder aussagen von irgendwelchen bischöfen oder sonstigen aus rom herzuziehen. der koran jedoch ist unantastbar.
05/08/2008 um 11:05
Also so hört man das in der katholischen Kirche niemals. Homosexualität ist zwar Sünde, Todsünde sogar (darüber dass das für “uns” nicht akzeptabel ist, müssen wir nicht diskutieren, aber so ist das halt mit allen Religionen), aber kein Katholik hat das Recht über andere derart zu richten geschweige denn sie zu töten. Homosexuellen Menschen ist mit Achtung und Mitleid zu begegnen. Ja, ok, das ist auch nicht schön, aber besser als umbringen, oder?
05/08/2008 um 2:45
@ Gerit:
Allerdings hat die römisch-katholische Kirche im Laufe ihrer Geschichte mehrfach unter Beweis gestellt, wie sie ganz praktisch mit anders denkenden und anders fühlenden Menschen umzugehen gedenkt, wenn sie nur die Macht dazu bekommt.
05/08/2008 um 7:40
Ja schon, aber wir leben ja jetzt. Klar darf die Vergangenheit nicht vergessen werden, aber was für mich in erster Linie zählt ist Heute. (Und gerade wir Deutschen haben ja genug mit unseren “Altlasten” zu kämpfen, aber weitergehen muss es und draus lernen muss man.)
05/08/2008 um 8:21
Gerit: wer meine Sexualität öffentlich und ungestraft Verhaltensmäßig mit Mord gleichsetzten darf und nennt (die Katholische Kirche), dann ist er nicht besser als obiger Prediger.
Logischer Weise ist die Kirche geschickt. Sie diskriminiert Schwule nicht, nur den Sex, wenn er wie bei Heten (weil ja alle gleich sind) außerhalb der Ehe stattfindet. Gleichzeitig verwehrt sie aber dieselbe.
05/08/2008 um 11:35
@ Gerit:
Die Jetztzeit nutzt die rk Kirche, Laien und Priester, um Menschen in den Selbstmord zu treiben. Auch heute ist der Verein nicht harmlos.
06/08/2008 um 10:08
Ok, ich bin raus, ich will hier keine Diskussion darüber anzettelt, wie schlimm (oder nicht schlimm) die katholische Kirche in Bezug auf Homosexualität ist. Das machen und können andere besser (HuK). Ich wollte nur nicht, dass die katholische Kirche mit oben zitiertem Hetzer gleichgesetzt wird. Punkt und LG.
06/08/2008 um 4:12
Ich habe mich oft gefragt, wie ich selbst über Homosexualität denken würde, wenn ich heterosexuell wäre. Für mich eine völlig müßige Frage, weil mir die persönliche Erfahrung als Vergleichsmöglichkeit fehlt. Ich war einfach zu jung. Ich habe mich praktisch ab Geburtsstunde meiner Sexualität als schwul gesehen, und zwar ausschließlich. Ich kannte nichts anderes. Es war meine Sexualität.
Das Problem kam von außen. Ich wußte nun, daß aus mir das werden würde, wovor meine Mutter mich gewarnt hatte. Mehr über Homosexualität wußte ich ja nicht. Nur, daß es etwas ganz Schlimmes ist. Sünde. Daß ich, wenn ich etwas sagte, einfach überall rausfliegen würde: Familie, Schule, Freundeskreis. Kirche sowieso und zuallererst. Der Papst war damals gottgleiche Autorität für mich. Und von dem ging irgendwie alles aus. Er und Gott sagten: Wir schämen uns für dich, du dreckiger kleiner Junge.
Die Panik entstand aber weniger aus der Angst, als Kind plötzlich gesellschaftlich auf der Straße zu sitzen (wäre ich eben abgehauen, sagte ich mir), sondern aus der absoluten Hilflosigkeit, dem Urteil, ich sei mit einemmal der allerletzte Dreck, irgendwie begegnen zu können. Über diese Ungerechtigkeit habe ich Tag und Nacht nachgedacht, ob ich wollte oder nicht: Man möchte so gerne schon erwachsen sein als Kind. Aber alles, was man werden kann, ist irgendwann einmal ein alter Sack, der kleinen Jungs an die Wäsche geht. Ich? Woher wußten die das? Wie kamen die denn darauf?
Dazu kam etwas anderes. Streng (aber gerecht, sagte Papa) erzogen und dementsprechend wohlerzogen schamhaft, fühlte ich mich als kleiner Junge vor allen Leuten bis auf die Unterhose ausgezogen; denn es ging ja nur um das da untenrum. Und da durfte mit 12 oder 13 keiner ran. Ich habe mich nicht geschämt, weil ich schwul war, sondern weil ich mir einredete, alle Welt glotzte in meine Unterhose und sagte sich: “Siehste, daran liegt’s”.
Kann ich verlangen, daß sich ein Heterosexueller da reindenkt? Kann ich verlangen, daß ein Heterosexueller Intimsphäre und Sexualität genauso wichtig nimmt wie ich? Was sollte ihn bewegen, von seiner Meinung über Schwule auch nur einen Millimeter abzuweichen? Was steht denn für ihn auf dem Spiel, wenn er es nicht tut?
Warum sollte er sich Gedanken über die Ursachen einer Ungerechtigkeit machen, von der er selbst nie betroffen war und nie betroffen sein wird?
Nein, ich kann ihm diesen Vorwurf nicht so ohne weiteres machen. Nobody is perfect. Aber diesen Vorwurf mache ich ihm: Daß er diese Ungerechtigkeit zu begründen sucht, verteidigt und weiterverbreitet.
Und daß er nichts unternimmt, um seine eigenen Kinder und die nächsten Generationen vor dieser entwürdigenden Ungerechtigkeit zu bewahren.
Und, Gerit, es ist mir egal, ob Muhammed durch Schwule eine Kakerlakenplage heraufbeschworen sieht oder die Katholische Kirche mich als Sünder bezeichnet. Für mich ist das das Gleiche.
06/08/2008 um 10:58
@ axyron:
Danke für diese Schilderung. Das ein und andere erkenne ich in meinem eigenen Lebenslauf wieder.
11/08/2008 um 5:49
Ich kann zu diesem Thema auf einen ausgesprochen differenzierten Novellenband aufmerksam machen. Er wurde von Ottmar B. S. von Freiberg unter dem Titel “Unter Qualen und Schmerzen bekennen” vor ein paar Jahren veröffentlich. Ich hatte zu diesem Thema bisher kein vergleichbares Buch gelesen.
12/08/2008 um 8:55
@ lyonel:
Ich kenne das Buch nicht, habe mir durch ein bisserl googlen nur einen ungefähren Eindruck von seinem Inhalt verschaffen können. Allerdings sehe ich nicht, welche weiterführbaren Gedanken dieses Buch zu dem hier interresierenden Thema enthalten soll.
19/09/2008 um 11:43
[...] Mann “ins Koma geprügelt“ - eine in Berlin erscheinende Zeitung veröffentlicht einen Hetzartikel gegen Schwule, fordert offen zu Homophobie auf - immer wieder greifen Hacker mit homophoben Inhalten schwule [...]