Anfang Juli wurden in London zwei französische Studenten auf grausame Weise ermordet:
Auch die deutsche Presse berichtete über den Doppelmord:
Schon kurz nach bekanntwerden der Tat spekulierten Daily Mail und Mail on Sunday
Did the killer or killers get a sadistic pleasure from inflicting unimaginable pain? Was there a bizarre homosexual motive?
Offensichtlich darf es einfach nicht sein, dass der Mörder nicht schwul ist. Deshalb lässt ‘telegraph.co.uk’, der Online-Ableger von ‘The Daily Telegraph’ den Kriminalpsychologen David Nias folgende Mordtheorie spinnen:
1. Die Tat wurde lange geplant
The killer will have planned the murders in meticulous detail and rehearsed it many times in his head because part of the fantasy is in the build up.
2. Es muss sich um einen Serienkiller handeln
What immediately comes to mind [einem Psychologen, Anm TGD] is that he would have done this before. Usually the killings would start in a much more gradual way and then there would be a snowball effect in which the murders become more and more extreme. The awful thing about it is that once the killings start, they continue and become more gruesome.
3. Es muss um einen Psychopathen handeln
Those with sadistic personality disorder usually manage to keep their sadistic thoughts at the fantasy level because they have a social conscience and so would not want their victims to suffer unduly. However those who act out their fantasies in a more extreme way to include torture and killing are usually suffering from psychopathy as well, or anti-social personality disorder.
It is an obsessive disorder so one of the characteristics is that the killings will be meticulously planned out and the killer will be cunning and clever at getting to his victims.
The fantasy would be the excitement of stabbing, whether the victim is alive or dead, but most will have been before death because the killer will have wanted his victim to cry for mercy.
4. Diese Überlegungen führen für den Psychologen zu dem zwingenden Schluss:
He said the victims may not be homosexual but the killer probably selected them to fit in with his own sexual preference.
“It is common sense that for extreme acts of this kind you need more than one motivation and my view is that the centres of the brain which deal with sex and aggression, which are very close, get fused together.”
Wie kommt ein Psychologe zu solch wirren Folgerungen?
Nun, entweder er hat zu oft die falschen Filme sehen. Oder er meint, weil all die Serienmörder, Massenmörder, Triebtäter, Amokläufer, sonstigen wirren Köpfe und ihre Taten nicht unter der Überschrift “Heterosexueller tötet fünf Menschen” erscheinen, seien die Täter alle schwule Menschen. Leider, dem Psychologen scheint es entgangen zu sein, stürzen sich die Medien wie wild auf die angebliche oder tatsächliche Homosexualität eines tatsächlich oder angeblich homosexuellen Täters, egal ob diese etwas mit der Tat zu tun hat, oder, wie es meistens der Fall, nicht, und zeichnen ein Zerrbildung schwuler Menschen. Ist aber der Täter abgeblich oder tatsächlich nicht homosexuell, wird dies nicht weiter erwähnt. Auf diese Weise wird durch die Medien der Eindruck erweckt, schwule Menschen seinen überdurchschnittlich oft Serienmörder etc, obgleich ein genaues Studium der täglichen Schreckensmeldungen auf genau das Gegenteil hindeutet. Aber das scheint einem Pyschologen nicht eingängig zu sein.
29/07/2008 um 6:22 |
Es schreibt sich halt auch nicht halb so gut, daß “Täter wie Jack the Ripper wohl dem ‘heterosexuellen Millieu’ zuzuordnen sind”. Das steckt dann dahinter wenn aufgelöste Nachbarn vor der Kamera sagen: “Er war ein ganz normaler Familienvater. Dem hätte ich sowas nie zugetraut.”
29/07/2008 um 6:26 |
zustimmung an MithrasX
genau diesen effekt transportieren leider nicht nur die medien, sondern schon die polizei generiert ihn scheinbar.
wenn ich nur im ksta lese dass mr. chiefinspector sagt “absolut unschuldige Leute ohne irgendeine kriminelle Vorgeschichte” – was hätte sich denn an der bewertung der tat geändert, wenn die beiden vorher schon mal nen joint geraucht, ne packung tee geklaut oder zu schnell gefahren wären? nichts! nur das entrüstungspotenzial lässt sich so noch besser entzaubern …
29/07/2008 um 6:50 |
…aber man muss doch nicht überall homophobes Gedankengut hinein interpretieren. Da wird man doch nur verbittert auf Dauer.
29/07/2008 um 7:59 |
Another gay stereotype that doesn’t fit me. People are going to start doubting that I am gay.
29/07/2008 um 8:12 |
Nachdem nun jahrzehntelang die “Interpretation” den Heteros allein überlassen worden ist, sollten wir uns schon mal selber darum kümmern! Das hat nichts mit Verbitterung zu tun.
Schau mal hin, wo man überall NICHT Antisemitismus hinein interpretiert!?
29/07/2008 um 10:39 |
@ MithrasX, ondamaris:
Die einschlägige Presse hatte ja auch nach dem Verbrechen ein Problem damit, dass es sich um zwei ‘ganz normale’ Studenten handelte. Da wurde erstmal spekuliert, ob die nicht schwul waren und das Geschehen in das entsprechende ‘Milieu’ verlagern zu können. Als das nicht funktionierte, muss man halt jetzt dem unbekannten Täter irgendetwas andichten.
@ andreschneider:
Ich muss es ja nicht hineindichten, es ist offenkundig.
@ Lars:
There’s no doubt…
But I have lurking doubts whether the other know what a gay man is.
@ Thommen:
Ich versuche ja, in diesem Blog meine Definition des ‘Schwulsein’ rüberzubringen.
30/07/2008 um 8:14 |
Nur, weil ein schwuler Mörder als schwuler Mörder bezeichnet wurde?
30/07/2008 um 10:41 |
@ andreschneider:
André: Reden wir von dem selben Fall? Ich bezog mich darauf, dass in London der Mörder schon als schwul bezeichnet wird, obwohl noch nicht einmal klar ist, ob es nicht mehrere Mörder waren, nicht klar ist, ob Mann oder Frau,… Die Polizei weiß nix, sagt zumindest nix, aber der große Psychologe weiß schon, dass es nur ein Schwuler sein kann.