Das schweizer Magazin mit dem Kreativnamen ‘Das Magazin’ widmet sich in seiner neuesten Ausgabe dem Thema ‘Homosexualität’. Besser gesagt, es versucht, irgendetwas mit Bezug zu diesem Thema abzudrucken.
Gore Vidal, Sohn eines Vaters mit drei Eiern, meint, genervt vom amerikanischen Geplapper, nach 53 Jahren ohne ein einziges Mal Sex mit seinem Lebensgefährten, in einem Interview:
Die Leute glauben immer, man geht eine Paarbeziehung ein, weil man Sex will. Was mich betrifft, ich will keinen Sex in meiner Beziehung. Wenn Du Sex willst, geh raus und kauf ihn.
Und wo kauft der Schweizer seinen Sex. Nun beim Therapeuten. Für 300 Fränklis pauschal gibt Benjamin Abt-Schiemann den Sex-Therapeuten. Ob er dafür auch küsst?
Sicher. Das ist bei schwulen Prostituierten anders als bei Frauen in diesem Job. Küssen gehört bei uns einfach dazu. Was dagegen weniger zwingend ist beim schwulen Sex, ist Penetration. Obwohl ich das natürlich auch anbiete – allerdings nur aktiv. Passiv mache ich nicht. Mein Arschloch ist Privatsache.
Hm, da fällt mir was ein. So zum angucken, falls jemand gerade nicht weiß, wovon die Rede ist:
Die 300 Franken sind, so verrät das gr-Profil, ein Stundenlohn. Naja, mein Typ ist er eh nicht, da locken mich auch die zwanzig Zentimeter auf fünf nicht wirklich.
Wolfgang Joop darf auch etwa sagen:
Kopulieren ist eine Ausnahmesituation! Tiere, Menschen steigen aufeinander, kopulieren – machen alle ein blödes Gesicht. Der Löwe macht ein blödes Gesicht, das Zebra, auch die Vögel, wenn sie ihre Kloaken aufeinanderpressen. Vor allem aber ist jedes Tier während der Kopulation leichte Beute.
Und trotz der blöden Gesichter schaut er sich gerne Pornos an:
Und jetzt, mit dem Alter, wo auch der sexuelle Hunger etwas nachlässt, tendiere ich dazu, diese Aktivitäten Profis zu überlassen. Pornodarstellern. Die sind dann auch schön rasiert und so und können sich ineinander verschlingen wie Mollusken, und ich kann wegzappen und behalte ein appetitliches Selbstbild. Das ist mir wichtig.
Max Wiener, ehemals Manager in der Werbebranche, erhellt:
Vom Erotischen her war es früher spannender. Es lief im Versteckten, und das war reizvoll. Heute ist alles viel lockerer und angenehmer, und zum grossen Glück haben wir jetzt weit gehend Gleichberechtigung, die unerhört wichtig ist. Aber das hat auch seinen Preis: Die Normalität bringt es mit sich, dass die Schwulen langweiliger und spiessbürgerlicher werden. Die Kreativität und der Antrieb, die der Minderheitenstatus hervorgebracht hat, drohen verloren zu gehen.
Kurt Aeschbacher, das ist wohl der Schweizer Homopromi, oder Promihomo, lernte im Laufe seines Lebens:
Jede Lebensphase hat doch eine andere Priorität, das muss man kapieren, sonst ist man nur noch peinlich. Der Typus des alten Schwulen im Netz-T-Shirt auf der Jagd nach Sex ist mir ein Gräuel.
Der Körper ist wichtiger als der gesellschaftliche Status, man zeigt sein sexuelles Interesse ja gegenüber einem Mann, nicht gegenüber einer Frau. In dieser Hinsicht ist es ganz anders als bei Heterosexuellen, wo Männer in einer gewissen Position und mit einem dicken Portemonnaie trotz Halbglatze und Schwabbelbauch noch junge Frauen kriegen.
Manchmal gehen sie aber auch zum Therapeuten, wie Benjamin Abt-Schliemann erzählt:
Heteros mit Doppelleben. Oft schon etwas älter, oft verheiratet, oft mit Kindern. Kürzlich hatte ich einen 40-jährigen Familienvater, der hatte total Angst. Es dauerte eine Stunde, bis er ausgezogen war, der Sex dauerte vielleicht dreissig Minuten, und dann haben wir zwei Stunden über seine Situation diskutiert. Diese Männer sind oft in einem furchtbaren Dilemma. Sie lieben ihre Frau, ihre Kinder, können aber zu Hause nicht über ihre Bedürfnisse reden, weil das alles kaputt machen würde. Da bin ich dann wirklich der Therapeut.
Ja, und dann gibt’s da noch ein paar Interviews und Beiträge mehr in ‘Das Magazin’. Gut, dass es das alles Online gibt. Umsonst gelesen, sozusagen.



19/07/2008 um 5:17
Ist es also wirklich so, dass dieses Geplapper der zitierten Homos nicht über den Tellerrand 15jähriger hinausreicht?
Wolfgang Joop will ich gerne ausnehmen. Er bedeutet mir als offener und kreativer Mensch viel, und ihn möchte ich gerne vom genannten Geplapper ausnehmen.
Vielleicht sollte ich auch ein Bild benutzen wie es etwas weiter oben eingesetzt wurde, um die übrige Qualität des Artikels und seiner Zitate zu würdigen? Sicher nicht, aber der Gedanke allein ist ein Hinweis darauf, was solch reife Beiträge zum Schwingen bringen.
19/07/2008 um 5:52
@ kroski.meint:
Ich bin erstaunt und hoch erfreut, welche meiner Post ihr besonderes Interesse finden. Weniger erstaunt bin ich, dass Sie erneut die Rezeption eines meiner Posts nicht verstanden haben.
21/07/2008 um 9:43
Nicht jeder muss sich in den porträtierten Homosexuellen wiedererkennen… Es dürfen auch mal solche reden, die “anders” rum homosexuell sind!
Aber vielleicht lohnt es sich, über die Texte der Heteros nachzudenken! Siehe meinen Blog…
22/07/2008 um 10:13
@ Thommen:
Lieber Peter Thommen, dann gönnen wir den Lesern auch noch den Link:
http://www.arcados.com/?p=175