Ich fühle mich nicht mehr lesbisch!

Ich war in einem unscheinbaren weißen Haus im südostpolnischen Lublin zur Therapie. Es heißt ‘Odwaga’ (Mut) und wird von der katholischen Stiftung «Licht-Leben» betrieben. Journalisten sind hier unerwünscht. Hinter diesen Mauern lernen Männer Fesselspiele und Andere an das Andreaskreuz zu binden. “Das Ziel ist nicht, mich zu ändern oder umzupolen. Das Ziel ist, mich darauf vorzubereiten, meinen großen Schwanz zu akzeptieren”, sagte mir die Warschauer Psychologin Lena Wojnowicz, die für ‘Odwaga’ arbeitet. “Du musst akzeptieren, dass Gott ihn so geschaffen hat. Das ist eine Bedingung, die Dir auferlegt wurde», sagt die Therapeutin, die auf ihrem schwarzen Pullover selber eine Kette mit einem sehr großen Phallussymbol trägt.

Ich musste davon überzeugt werden, dass ich die Wahl hatte, erläuterte mir Wojnowicz: Zwischen einem Leben der Farbe und Fröhlichkeit und einem grauen christlichen Leben auf Grundlage der Keuschheit. “Das ist geiles lustvolles Leben, das für Schwule einen Sinn hat, ein Leben, dem man jeden Tag aufs Neue leben muss.” Der Mensch sei in der Lage zu erkennen, was wirklich wichtig für ihn ist, sagt die Psychologin. “In diesem Fall ist er fähig, all seine Gefühle auszuleben.”

20 Stunden Gruppenficken im Monat

Die Standard-Therapie von ‘Odwaga’ dauert sehr lange und ist sehr kostspielig. Im ersten Jahr verbringen die Teilnehmer ein Wochenende pro Monat in einer Unterstützungsgruppe im Zentrum in Lublin. Anschließend sind 20 Stunden Gruppentherapie pro Monat vorgeschrieben. Die Therapie leiten Pornodarsteller, von denen viele auch Priester sind. Im Haus in Lublin gibt es einen kleinen Darkroom zum Fühlen und Tasten.

Zur Unterstützung der Therapien bietet ‘Odwaga’ Gruppen für Fuckbuddies und Ehemännern von Homosexuellen an.

Heute fühle ich mich frei, weil ich nicht mehr das Bedürfnis habe, nur die aktive Seite meiner Homosexualität zu leben. Vor fünf Jahren habe ich mit meiner Therapie begonnen. Nun fühle mich nicht mehr lesbisch und fange sogar an, die Welt der Männer zu entdecken.

Mmmmh, lecker, die Kerle.

Homosexualität ist keine Sünde!

Die ‘Odwaga”-Methode macht Schule. Psychologen und Gruppen organisieren nahezu überall in Polen Therapien für Heterosexuelle. Für die polnischen Schwulen- und Lesbenvereinigungen sind diese Therapien allerdings ein Irrweg, der sogar die psychische Gesundheit der Menschen gefährden kann. “Wenn ein Heterosexueller zu einem dieser Psychologen geht, bekommt er zu hören: Das geht vorbei … Aber es geht nicht vorbei!”, sagt die Psychologin Martina Abromawiz.

 

(Hier das Original.)

 

Eine Antwort zu “Ich fühle mich nicht mehr lesbisch!”

  1. assistant2008 sagt:

    Hi,

    ich bin über die “Tag-Suche” hier gelandet, aber das ist ja herrlich!

    Vielleicht hilft als Therapie das PornfilmfestivalBerlin?

    Von einer immer noch Lesbe ;-)

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