So, oder so ähnlich, könnte der Titel eines billigen Krimis lauten.Â
Es geht aber um etwas anderes. Lawrence King (15) wurde im Februar 2008 in Oxnard (Kalifornien) von seinem 14jährigen Mitschüler Brandon McInerney erschossen. Einziges Tatmotiv: Larry war schwul und hat Brandon Avancen gemacht.Â
McInerney droht bei einer Verurteilung nach Erwachsenstrafrecht eine 50jährige Haftstrafe. Die Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht ist nach kalifornischem Recht unter anderem dann möglich, wenn die Tat als Hassverbrechen gewertet wird.Â
Mehrere amerikanische schwullesbische Verbände haben sich, aus mir unverständlichen Gründen, dafür stark gemacht, den Fall an ein Jugendgericht zu verweisen und McInerney unter Jugendstrafrecht zu verurteilen. Er würde dann mit etwa 10 Jahren Haft davon kommen. Auch der Anwalt von McInerney versucht es mit der Mitleidstour. McInerney habe das alles nicht gewollt, er sei doch selbst noch ein Kind, man müsse Verständnis haben, und bla, bla, bla.Â
Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Mitleid für den Täter aufgebracht wird, und wie wenig Mitgefühl dem Opfer, dem es freilich nichts mehr nützt, und dessen Angehörigen gilt.Â
Und so argumentiert McInerney’s Anwalt William Quest in alter Tradition, dass das schwule Opfer doch selbst schuld sei und McInerney nicht genug vor seinem schwulen Verehrer geschützt wurde:Â
Quest declined to disclose the legal defenses he intends to assert at trial, but did say, “We think there were issues at the school that we don’t think were addressed properly. . . . We’re not trying to blame the school . . . no one wanted this to happen, least of all the school. But . . . people saw situations arising and they tried to stop it; they were not allowed to. We think that a problem was allowed to fester.”Â
Quest said that by “people,” he meant teachers.Â
Last month, Quest told the Los Angeles Times that school administrators had allegedly been more interested in protecting King’s expression of his sexuality than in addressing the escalating friction between the two boys, which Quest blames at least in part on King’s allegedly having flirted openly with McInerney. “We think there will be evidence that the school, with the actions of Larry, didn’t quite know how to deal with it,” Quest told the Times.Â
McInerney war also geradezu gezwungen, Larry zu erschießen.Â
Und dann ist da noch McInerney’s schwere, schwere Kindheit:Â
Quest also appears poised to base McInerney’s defense at least in part on the boy’s allegedly troubled childhood. “We will establish that there was addiction on both the mom and dad and domestic violence, and . . . that had [an] effect on Brandon,” he said in an interview with National Public Radio posted online June 9.
Damit hat Quest das schwulenfeindliche Standardrepertoire schwulenfeindlicher Rechtsanwälte abgespult. Dabei ist ihm selbst in den Sinn gekommen, ihm könnte nun Schwulenfeindlichkeit, und damit sachfremde Argumentation, vorgehalten werden. Deshalb zaubert er einen schwulen Bruder aus dem Ärmel:Â
“I can tell [...] I’ve got a young brother who’s gay. I saw how difficult it was for him to come out. Now, he came out when he was in college at Berkeley, [so it was] easier than in junior high. But I saw the struggle he went through . . . and I hope [this is] not perceived as gay-bashing because it’s not. That’s not who I am.” Â
Der Trick ist so billig, und wir kennen ihn schon von Christoph Daum: Einfach behaupten, man kenne einen Schwulen, dann kann man doch gar nicht schwulenfeindlich sein, und schon darf man so tun, als wisse man alles über Schwule und ihren abgründigen, hetennachstellenden Lebensstil. Als nächstes wird Quest behaupten, sein angeblich schwuler Bruder sei auch der Meinung, dass es in Ordnung sei, Schwule zu erschießen und und zur Normalität eines 14jährigen gehöre.


23/06/2008 um 12:35 Uhr nachmittags
Mich irritiert etwas das du einen 14 jährigen 50 Jahre ins Gefängnis stecken willst. Der käme dann mit 64 Jahre wieder in Freiheit. Hätte er dann deiner Meinung nach seine Schuld gebüßt? Kommt da nicht jemand frei, falls er diese Zeit überhaupt überlebt, der soviel Hass auf die Gesellschaft hat das er dann aufgrund seines zerstörten Lebens noch viel schlimmere Taten begeht?
Ich kann deinen Ärger verstehen aber man sollte gut überlegen ob man diesem Kind nicht eine Chance gibt. Natürlich muss er für diese entsetzliche Tat bestraft werden, keine Frage. Aber die Strafe muss angemessen sein. Ein Leben zu zerstören sühnt nicht das Andere meiner Meinung nach.
23/06/2008 um 1:44 Uhr nachmittags
@ Antiteilchen:
Wie sieht denn in so einem Fall eine angemessene Strafe aus?
Der Mörder hat, wenn ich die Pressemeldungen richtig verstehe, nicht im Affekt oder aus Notwehr gehandelt (auch wenn der Verteidiger es so darstellen will, als müsse man sich immer gegen Schwule wehren). Die Tat war vielmehr vorbereitet (Beschaffen und Mitführen der Schußwaffe). Ich kann von hier nicht beurteilen, ob eher damit zu rechnen ist, dass der Täter fürderhin weitere Straftaten begehen wird. Falls ja, ist er dauerhaft wegzuschließen, auch über die 50 Jahre hinaus. Falls nein, stellt sich die Frage, ob eine Haftstrafe überhaupt sinnvoll ist; nicht zuletzt weil durch Haftstrafen erhebliche Kosten auf den Steuerzahler zukommen. Ich könnte mir zB vorstellen, dass der Täter im sozialen Bereich unentgeltiche Dienste verrichten muss. Pro Woche ein paar Stunden, und das über Jahrzehnte hinweg. Larry King ist tot - für immer. Die Öffentlichkeit, sofern sie von diesem Mord überhaupt Notiz genommen hat, wird das in ein paar Monaten vergessen haben. Der Täter jedoch sollte dauerhaft und fühlbar an seine sinnlose Tat erinnert werden.
23/06/2008 um 2:49 Uhr nachmittags
Ich denke die vom Jugendstrafrecht angesetzte Höchststrafe von Zehn Jahren ist angemessen. In dieser Zeit muss sich dann intensiv mit dem Täter auseinandergesetzt werden, wenn er danach eine Chance in dieser Gesellschaft haben soll. Und ich denke das “eine” Chance, etwas wieder gut zu machen, jeder haben sollte.
Anstatt den Täter über Jahrzehnte hinweg zu zwingen im sozialen Bereich tätig zu sein, erachte ich es als sinnvoller ihn auf andere Art zu sozialisieren. Mit ihm zu arbeiten in seiner Haftzeit, das er einsieht was er schreckliches getan hat. Solche Probleme einfach weg zu sperren bringt uns im Laufe der Zeit nicht weiter sondern überfüllt irgendwann unsere Gefängnisse, die, wie du schon schreibst, dem Steuerzahler viel Geld kosten. Irgendwann muss eine Tat gesühnt sein.
Das deiner Meinung nach der Täter dauerhaft und fühlbar an seine sinnlose Tat erinnert werden soll, kann ich zwar verstehen, aber es klingt für mich ein wenig nach Rache.
23/06/2008 um 9:39 Uhr nachmittags
@ Antiteilchen:
Ich stimme mit Dir nicht überein. Wie soll denn ein Mord wieder gut gemacht werden? Ich würde nicht gerne von Rache sprechen wollen, jedoch hat eine Strafe mit Genugtuung zu tun. Larry King ist tot. Was ist mit seinen Eltern, seinen Angehörigen, seinen Freunden? Sie bekommen ihn bei aller Strafe für den Täter nicht wieder, aber haben sie es nicht verdient, dass der Staat mit seinem Strafmonopol deutlich macht, dass er den Mord nicht als Bagatelle ansieht. In den USA geht man schon für kleinere Steuerhinterziehungen für 10 Jahre in den Knast, da wirken 10 Jahre mit fürsorglichem Beistand für einen Mord doch unverhältnismäßig milde.
Weißt Du Georg, die Jungs und Mädels wollen heute mit 12, 14, 15 Jahren alle schon so erwachsen sein (das wird in den USA nicht anders sein, als hier), und zwar in einer aggressiven Art und Weise, anders als das bei uns in dem Alter der Fall war. Wenn so etwas dann in einer Katastrophe endet, ist das Geschrei groß. Dann wird nach Ausflüchten und Entschuldigungen gesucht. Ich habe dafür kein Verständnis. Wer Mist baut, und dass ist in diesem Fall wohl eher untertrieben formuliert, muss dafür gerade stehen, egal ob 14, 24, oder 40. Ich sehe nicht, warum ausgerechnet mit dem Täter Wiedergutmachung geübt werden soll, wenn nichts wieder gut gemacht werden kann.
24/06/2008 um 3:51 Uhr nachmittags
Vielleicht habe ich mich da falsch ausgedrückt. Mit “etwas wieder gut machen” meinte ich natürlich nicht den Mord, sondern zu erkennen das man etwas falsches getan hat, dies bereut und dafür seine gerechte Strafe bekommt und danach die Chance bekommt wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden.
Ich sage ja nicht das er nicht verurteilt werden soll. Ich warne ja nur davor einem Kind, und das ist er nun einmal, die Möglichkeit zu nehmen, zu erkennen, zu lernen, und zu bereuen. Das, ist Sinn von Strafe. Wenn du ihn 50 Jahre wegsperrst hast du die Eltern die Freunde vielleicht Genugtuung aber dafür wurde letztendlich ein zweites Leben zerstört. Dann , kannst du dem Täter auch gleich das Leben nehmen.
Die Jungs und Mädels wollen zwar erwachsen sein, sind es aber nicht. Und deswegen gehören sie nach Jugendstrafrecht verurteilt, weil sie im Grunde das Verhalten von Erwachsenen imitieren. Kein Mensch kommt böse auf die Welt. Ich meine, du könntest vielleicht etwas differenzierter Urteilen. Es ist eben nicht egal ob jemand 14 ist oder 40 Jahre. Das ist ein himmelweiter Unterschied.
24/06/2008 um 10:51 Uhr nachmittags
Nicht, dass wir jetzt aneinander vorbei reden. Nach meinem Dafürhalten ist zunächst zu unterscheiden, ob anzunehmen, dass der Täter erneut ein Verbrechen begehen wird, oder nicht. Diese Beurteilung darf man übrigens nicht Psychologen überlassen, da diese nach aller Erfahrung von der Psychologie des Menschen keinen Ahnung haben. Ist danach abzusehen, dass eine Wiederholungsgefahr besteht, würde ich den betreffenden wegschließen, wenn es sein muss, auch für mehr als 50 Jahre. Es ist übrigens immer der Täter, der sein eigenes Leben zerstört, nicht diejenigen, die einem Mord nicht für gut halten.
Fällt die Prognose anders aus, mag man anderes ausprobieren. Viel vertrauen habe ich allerdings zu Resozialisierungs- - und sonstigen Therapieversuchen nicht.
Die Kölner Polizei hat seit Jahren schon mit mehreren minderjährigen Serientäter zu kämpfen. Es ist durch alle irgendwie in Frage kommenden Behörden so ziemlich alles aufgeboten worden, was es an zeitgemäßes Therapieformen gibt - übrigens auf Kosten des Steuerzahlers. Geholfen hat alles nichts. Bisher bewegen sich die Straftaten zwischen Diebstählen, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen. Unser Recht erlaubt nicht, dass der Staat die Bürger wirksam vor solchen Individuen schützt und ich beneide die angelsächsischen Rechtssysteme dafür, dass dort die Sorge um den Täter, speziell den minderjährigen Täter nicht alle anderen Gesichtspunkte erdrückt.
Ich stimme Dir zu, dass kein Mensch ‘böse’ auf die Welt kommt. Aber es kommt auch kein Mensch ‘gut’ auf die Welt. Sicher imitieren Kinder bis zu einem gewissen Alter das Verhalten ihrer Eltern oder anderer Erwachsener. Aber irgendwann treffend sie die Entscheidung, ob sie (vereinfacht) gut oder böse sein wollen. Ich kann aus der Ferne nicht den Entwicklungsstand des Mörders von Larry King beurteilen. Allein die angestrengten Erklärung- und Ablenkungsversuche des Verteidigers missfallen mir sehr.
25/06/2008 um 1:09 Uhr vormittags
Die Erklärung- und Ablenkungsversuche des Verteidigers sind so bitter und dumm sowie Menschen verachtend, das ich darauf gar nicht weiter eingehen möchte. Da ist ein Schwulen-Hasser am Werk!
Unsere Einstellungen zum Thema Strafe sind nun mal verschieden. Eigentlich ist das auch gut so. Ich denke das wir beide unsere Positionen hier dargelegt haben und nun das Thema beenden können.
18/10/2008 um 9:42 Uhr nachmittags
Hallo,
ich weiß, dieser Beitrag ist schon ewig her und du hast über die Monate den Fall inzwischen sicher vergessen und dich ja um andere Sachen gekümmert. Aber ich bin erst vor kurzem auf dein Blog gestoßen und wühle mich gerade durch die Seiten um zu schauen, ob da noch andere interessante Artikel sind, die ich mir anschauen könnte. Und dabei bin ich auf diesen eintrag gestoßen.
Ich habe zum ersten Mal von diesem Fall gehört, als ich ein Youtube Video sah, das einen Ausschnitt von Ellen DeGeneres Show abbildete, in dem sie zum Gedenken für Larry King aufruft und den Fall beinahe in die Richtung des Matthew Shephard Mordes rückt. Natürlich war ich da auch geschockt, wie sowas passieren konnte und auch, wenn mir die USA eigentlich nahe stehen und ich nicht oft in undifferenzierten anti-amerikanismus verfalle, habe ich doch gedacht, dass das wieder ein typischer Auswuchs amerikanischer Schwulenfeindlichkeit sei.
Einige Zeit später habe ich jedoch diesen Artikel von Newsweek gelesen, den ich dir gerne einmal ans Herz legen möchte.
http://www.newsweek.com/id/147790
Ich finde ihn hervorragend recherchiert und wunderbar geschrieben. Ich finde, es lohnt, ihn zu lesen, weil er wirklich einige Fragen stellt, denen man sich widmen sollte.
Natürlich sollte man nicht die Tat entschuldigen oder das Opfer für den Mord selbst verantwortlich machen, aber ich denke, das tut dieser Artikel auch nicht. Er zeigt lediglich auf, dass es hier zu beinahe tragischen Entwicklungen gekommen ist, die durch die Gesellschaft nicht aufgehalten konnten oder wollten. Ich habe danach ein wenig im Netz herumgeschaut und fand es erschreckend, wie beide Seiten, die Schwulenhasser ebenso wie zunächst auch Schwulenverbände, sich den Fall auf die Fahnen schreiben wollten. ich finde, der Junge gehört vor ein Gericht gestellt und verurteilt. Nur eben vor ein Jugendgericht.
Lies ihn dir bitte mal durch.
Solltest du dazu nach so langer Zeit noch Stellung nehmen wollen, wäre es nett, wenn ich auch eine Mitteilung per Mail bekommen könnte, da ich ja nicht automatisch wieder auf diese alten Beiträge kommen werde.
Besten Gruß!
19/10/2008 um 3:04 Uhr nachmittags
@ Lutz:
Nein, ich habe den Fall nicht vergessen. Erst vor wenigen Tagen gab es neue Meldungen aus den USA: Der Mörder hat durch das Auswechseln seiner Anwälte versucht, seine prozessuale Stellung zu verbessern. Ich beobachte das Verfahren weiter und werde darauf zurück kommen.
Der Newsweek-Artikel ist mir bekannt. Ich verstehe allerdings immer noch nicht, warum immer dann, wenn schwule Menschen ermordet werden, alle Welt nach Milde für die Mörder ruft.
WordPress.com bietet keinen eMail-Service an. Ich bitte um Nachsicht, dass ich mich nicht der Mühe unterziehe, ‘händisch’ solche eMails zu verschicken. Allerdings besteht die Möglichkeit, gezielt RSS-Feed für die Kommentare zu einzelnen Post zu beziehen (siehe Fußteil des obigen Posts).
Herzliche Grüße,
TGD