Die schwule Gehirnhälfte

Und schon wieder eine Studie, die beweisen soll, dass Schwulsein etwas Krankhaftes ist. Diesmal lässt sich die Wissenschaft vor diesen Karren spannen: Seit Jahrzehnten schon wird immer wieder ins Feld geführt, dass homosexuelle Männer depressiv oder sonstwie Gemütskrank seien, jedenfalls häufiger als nicht homosexuelle Männer, dass sie gar per se unglücklich seien, und ähnliches mehr. Dem lässt sich ohne weiteres entgegen halten, dass dies zu einem großen Teil darauf zurück zu führen ist, wie die lieben Mitmenschen mit homosexuellen Männern umgehen. Und genau diesen Hinweis wollen Schwulenhasser, -heiler und -aussortierer nicht hören. Also muss gefälligst wissenschaftlich bewiesen werden, dass in der Homosexualität schon der Keim zu Neurosen jeder Art liegt.

Ein paar schwedische ‘Forscher’ haben sich also aufgemacht, diesen ‘Beweis’ zu führen.

Ivanka Savic und Per Lindström vom Karolinska Institute in Stockholm suchten, nach welchen Kriterien auch immer, 45 Männer und 45 Frauen zusammen. 25 der Männer sollen heterosexuell und 20 homosexuell (Welcher schwule Mann gibt sich eigentlich für solche Studien her?) sein. Wie das überprüft wurde, bleibt unklar.Kurzer Break:

Aus der Untersuchung von 20 angeblich homosexuellen Männern werden nun Rückschlüsse auf 300, 400 oder 500 Millionen homosexuelle Männer gezogen. Allein deshalb könnte man diese Studie im virtuellen Rundordner ablegen.

Heraus gefunden haben wollen Savic und Lindström folgendes:

Die Gehirne von heterosexuellen Männern zeigen im Gegensatz zu den Gehirnen von Frauen eine leichte, aber typische Asymmetrie: Die rechte Hälfte des Großhirns ist etwas größer als die linke. Die Gehirne von Homosexuellen sind im mathematischen Durchschnitt so symmetrisch wie die von Frauen. Im Durchschnitt! Ich frage mich, wie das gehen soll. Die Symmetrie oder Asymmetrie hätte allenfalls bei einer Mehrheit oder Minderheit der Probanden festgestellt werden können, nicht aber durch Ermittlung eines Durchschnittswerts.

Weiterhin wurden angeblich mit der sexuellen Ausrichtung korrelierende Unterschiede im Ausmaß der Verbindungen („Konnektivität”) bestimmter Gehirnbereiche festgestellt.

Selbstverständlich, es darf heute in keiner Studie mehr fehlen, wurde auf Parallelen im Tierreich hingewiesen. Bei den Rhesusaffen soll es genau so sein.

Bis zu diesem Punkt sind diese Studien’ergebnisse’ vollkommen belanglos. Aber Savic und Lindström haben ein bestimmtes Studienziel vor Augen. Und deshalb sind es nicht irgendwelche Unterschiede in der Konnektivität, sondern, so behaupten sie, es sei ausgerechnet die linke Amygdala, in der negative Emotionen (Angst) verarbeitet werden, die bei homosexuellen Männern und heterosexuellen Frauen stärker vernetzt sei. Bei homosexuellen Frauen und heterosexuellen Männern sei es dagegen die rechte. Und das wiederum sei die Erklärung dafür, warum homosexuelle Männer häufiger an mentalen Störungen litten, als heterosexuelle Männer.

Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen all der Kirchenführer, politischen Extremisten und zu heiß geduschten Fußballtrainer, die nun ihre wirren Theorien auf die pseudowissenschaftliche Kaffeesatzleserei aus dem Hause Savic/Lindström stützen können.

Damit aber nicht genug. Es ist ja für die Schwulenjäger ziemlich nutzlos, jemanden, der freiwillig von sich sagt, er sei schwul, auf eine Symmetrie seiner Gehirnhälften zu untersuchen - man weiß ja, wen man vor sich hat. Diese Leute träumen von etwas anderem. Sie wollen Menschen in Reihenuntersuchungen schicken, um dann anhand von medizinisch-biologischen ‘Beweisen’ die Schwulen aussortieren zu können. Dieses Bedürfnis möchten Savic und Lindström befriedigen (offenbar lässt sich damit Geld verdienen). Sie haben bereits begonnen, die Gehirne von Neugeborenen zu untersuchen. Ziel dieser neuen Studie ist es, heraus zu finden, ob sich bei den Säuglingen Gehirnsymmetrien oder -asymmetrien feststellen lassen, mit denen die sexuelle Orientierung schon im Kindesalter erkannt werden kann.

Ein kleines Foul sei mir, angesichts des Savic/Lindström-Unsinns, erlaubt: Ist nicht in der Natur das Symmetrische das Normale?

7 Antworten zu “Die schwule Gehirnhälfte”

  1. hofrath sagt:

    Das Problem bei der Sache ist nur, daß sich damit die ganzen Irren einen schlechten Dienst erweisen: Wenn man wirklich feststellen würde, daß Homosexualität angeboren ist- dann kann man ja niemanden mehr als Sünder bezeichnen…Naja, da wird irgendwelchen Speinnern schon ein Ausweg einfallen…

  2. TheGayDissenter sagt:

    @ hofrath:

    Richtig. Aber man könnte dann die Geburt verhindern.

  3. Lars sagt:

    The only real reason I can think of for it to be important as to whether someone is gay or straight is if you want to have sex with them. It doesn’t make sense otherwise.

  4. hofrath sagt:

    Ja, stimmt, aber Abtreibung ist doch auch Sünde…Naja, dann vermutlich nicht, oder so. Zumindest wenn man sich auf die Denkweise kranker Fanatiker einlässt….

  5. Tobias sagt:

    Eine Studie mit 90 teilnehmern ist ein Witz. ich kann mir sogar vorstellen, daß das Hirn mancher Männer eher “weibliche “Ausprägung hat. Das wäre ja auch gar nichts problematisches. Sicher ist jedenfalls, daß es unter Homosexuellen Männern auch große Unterschiede im Wesen gibt. Darauf basiert doch zum großen Teil die Anziehung zwischen zwei Menschen. Eine ziemlich stumpfsinnige Untersuchung. Zumindest wie darüber berichtet wird.

  6. TheGayDissenter sagt:

    @ Lars:

    Right. I wonder why homosexuality is a fascination to so many heterosexual people.

    @ hofrath:

    Siehe nur, worauf Lars hier

    http://thegaydissenter.wordpress.com/2008/06/18/bilder-aus-san-francisco-gays-jews-jesus-commies-muslims-heteros/#comment-2044

    aufmerksam macht. ‘Gott’ und seinen ‘Gesandten’ ist alles recht, wenn es nur gegen Schwule geht.

    @ Tobias:

    Erstaunlich ist auch, dass die Studie nicht mit einer Gegenprobe unterfüttert wurde.

  7. Die Ursache der Heterosexualität… « The Gay Dissenter sagt:

    [...] berüchtigte Karolinska Institut in Stockholm, welches immer wieder durch missglückte Studien auffällt, schickte nun 43808 zwischen 1959 und 1985 geborenen Zwillingen in Schweden jeweils einen [...]

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