Die römisch-katholischen Bischöfe, diesmal die Österreichischen, haben sich mal wieder in Dinge eingemischt, von denen sie keine Ahnung haben.
Queer.de berichtet, dass die österreichische Bischofskonferenz in Rahmen der dortigen Diskussion um die staatliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften an die Österreichische Regierung geschrieben hat:
Nach dem Standpunkt der katholischen Morallehre (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche RZ 2358 und 2359) sind homosexuelle Menschen zur Keuschheit gerufen“.
Das ist zwar dummes Zeug, aber wer es wider alle Vernunft glauben will, mag es tun.
Die Glaubensführer folgern daraus:
Eine Lebenspartnerschaft, welche durch die ausdrückliche Einführung einer Treuepflicht die Sexualpartnerschaft der gleichgeschlechtlichen Lebenspartner voraussetzt, muss daher seitens der Katholischen Kirche mit aller Entschiedenheit abgelehnt werden.
Dahinter steckt folgende kranke Überlegung:
Eine Lebenspartnerschaft dient nur dazu, mit staatlichem Gütesiegel ficken zu dürfen. Schwule Männer dürfen aber nach der katholischen Morallehre nicht ficken (auch nicht Frauen). Also darf es keine Lebenpartnerschaften geben, weil gerade diese zum Ficken herausfordern.
Ich bleibe dabei: Diese Glaubensverführer wissen nicht, was Liebe ist. Sie lieben nicht und haben niemals geliebt. Sie können sich nicht vorstellen, dass zwei schwule Männer in tief liebender Verbundenheit für einander einstehen und da sein wollen. Sie können und wollen nicht verstehen, dass schwule Männer ihrer Liebe und Zuneigung auch durch intensive körperliche Nähe zeigen möchten. Ihr glaubensvernebelter Verstand lässt sie hassen. Die Scheuklappen ihres Glaubens hindern sie daran, zu verstehen, dass auch schwule Männer ihrer Liebe einen sichtbaren Ausdruck geben wollen – in der staatlichen Gemeinschaft, in der sie leben.
Aber die römisch-katholischen Bischöfe in Österreich gehen noch weiter. Sie verbrüdern sich mit den erbärmlichen Evangelikalen in den USA und verkünden wie einst Sally Kern:
Die Geschichte lehrt uns mehrfach, dass Gesellschaften, welche diesen Schutz von Ehe und Familie vernachlässigt haben, und zwar zugunsten einer permissiven Haltung zu allen Möglichkeiten menschlichen Zusammenlebens, auch in sexueller Hinsicht, dies mit ihrem Untergang bezahlen mussten.
Erstens fordert niemand „alle Möglichkeiten menschlichen Zusammenlebens“ und zweitens, hochmerkwürdige Bischöfe, lehrt uns die Geschichte genau das Gegenteil des Behaupteten. Offensichtlich haben die verblendeten Herren schon vergessen, dass das mit massiver Unterstützung durch die römischen Katholiken von den Nazis in Deutschland und Österreich implementierte Ehen- und Familienregulativ die ‘Gesellschaft’ geradewegs in den Untergang geführt hat. Offensichtlich wollen die Herren Glaubensführer, die wohl alle in intakten Ehen leben (!?), nicht sehen, dass die blühensten Gesellschaften in der Geschichte der Menschheit die waren, in denen ein unverkrampfter Umgang mit Sexualität möglich war. Zumindest in den letzten 2000 Jahren wurden diese Kulturen regelmäßig durch christliche oder islamische Eroberer zerstört.
Katholiken, denen Freundschaft und Liebe nichts bedeutet, können sich sicher gut mit der Haltung ihrer Bischöfe anfreunden. Menschen aber, die in ihren Mitmenschen empfindungs- und liebensfähige Menschen sehen, sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob diesem Hass, den diese Kirchenführer unentwegt verbreiten, nicht ein Ende gemacht werden muss.
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06/06/2008 um 2:05 |
Mal eine ganz naive Frage: Auf welche Kulturen beziehen sich die Katholiken eigentlich, wenn sie die Lehren aus der Geschichte ziehen? Das fänd ich mal echt interessant. Denn dann könnte man mal fundiert argumentieren. Ein „die Geschichte zeigt“ und „wie man leicht sieht“ kann ich auch vor meine Meinung stellen. Das macht diese aber noch lange nicht zu einem fundierten Argument.
Aber die Frage ist ernst gemeint: Auf welche Kulturen beziehen die sich?
06/06/2008 um 2:24 |
wird schon längst zeit, dass bei uns die homo ehe eingeführt wird
Freedom and Gleichheit
06/06/2008 um 7:16 |
Find ich gut, dass du das thematisierst.
Scheint so, dass wir uns vor einer neuen Evangelisten – und Kreationistenwelle auch hierzulande wappnen müssen.
Ich kenne und mag ja viele Esoteriker und Gläubige auch privat, auch wenn es manchmal nervt (weil ich immer wieder gegen die Gegenaufklärung ankämpfen muss).
Ich könnte noch soviel schreiben… aber nur kurz:
Die Kirchen/Religionen haben mir in Moralfragen nichts, aber auch gar nichts zu sagen.
Sie sollten lieber mal ihre eigene Blut- und Gewaltkultur kritisch aufarbeiten (Kreuzzüge, Kindesmisshandlungen, Exorzismen, Hexenverbrennungen und nicht zuletzt die Beteiligung am Holocaust) und sich dann fragen, wie man da noch eine moralische Instanz für sich beanspruchen kann.
06/06/2008 um 9:47 |
@ MithrasX:
In der Geschichte der Menschheit sind bisher alle großen Kulturen untergegangen. Es gibt nur keinerlei Anhaltspunkte, dass dies jemals mit der ‘Billigung’ von gleichgeschlechtlichem Sex oder gleichgeschlechtlichen Beziehungen in Zusammenhang stand. Es ist absolut sicher, dass auch das Christum (ich mag nicht von christlicher Kultur sprechen) und der Islam untergehen wird. In ein paar hundert Jahren sprechen nur noch die Historiker darüber.
07/06/2008 um 11:10 |
Ich finde es unglaublich, dass die Geistlichkeit, die in diesen Fragen keinerlei Kompetenz hat, überhaupt angehört wird.
12/06/2008 um 5:31 |
[...] ging. Der Untergang des Abendlandes, wenn nicht gar der ganzen Welt drohte (in Österreich wird dieses Spielchen von der dortigen DeppenBischofskonferenz gerade wiederholt), die öffentliche [...]