Barack Obama mutierte aus mir unverständlichen Gründen jenseits des Ozeans und im westlichen Europa für schwule Menschen zu einer Ikone par excellance. Hat er irgend etwas handfestes für schwule und lesbische Menschen geleistet? Bisher nicht. Er lässt Schwulenhasser in seinen Wahlkampfveranstaltungen auftreten und von einem merkwürdigen Pastor wurde ihm über viele Jahre hinweg merkwürdiges Zeug eingetrichtert. Er macht viele vage Versprechungen, genau wie Hillary. Mit Hillary’s Eheman Bill haben ‘wir’ die Erfahrung gemacht, dass die Versprechungen nicht viel wert sind. Warum sollte das ausgerechnet bei diesem Barack anders sein? Die Stilisierung in der schwulen Welt kulminierte in der kürzlich dieseits und jenseits des Atlantiks erhobenen Forderung, Hillary Clinton möge endlich aufgeben und den Weg für Barack Obama frei machen.
Was sagt denn dieser große Held Barack Obama zur Entscheidung des California Supreme Court? Er lässt verlautbaren:
Barack Obama has always believed that same-sex couples should enjoy equal rights under the law, and he will continue to fight for civil unions as President. He respects the decision of the California Supreme Court, and continues to believe that states should make their own decisions when it comes to the issue of marriage.
On the issue of constitutional amendments, Senator Obama has been on record for some time: He opposes all divisive and discriminatory constitutional amendments, state or federal. That includes the proposed amendments in California and Florida.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Nicht irgendein Dorfrichter, sondern der Oberste Gerichtshof des einwohnerreichsten us-amerikanischen Bundesstaates, dasselbe Gericht, welches vor 60 Jahren als erster us-amerikanischern Supreme Court wegweisend für die gesamte us-amerikanische Rechtsprechung das Verbot rassenverschiedener Ehen aufgehoben hat, entscheidet, das gleichgeschlechtliche Partnerschaften die Möglichkeit haben müssen, den gleichen Rechtsstatus wie verschiedengeschlechtliche Partnerschaften zu erlangen. Dieses Gericht hat dabei ausdrücklich entscheiden, dass der gleiche Rechtsstatus auch dieselbe Bezeichnung haben muss. Es sieht, wohlbegründet, die Urteilsbegründung ist trotzt ihres Umfangs sehr zur Lektüre zu empfehlen, schon in einer unterschiedlichen Bezeichnung eine Diskriminierung.
Das Urteil ist auch nicht in der Hexenküche der Demokratischen Partei geschrieben worden. Die vier das Urteil stützenden Richter sind:
Ronald M. George, (since 1991), Chief Justice (elevated in 1996)
Republican, appointed by Gov. Pete Wilson (R)
First judicial appointment by Gov. Ronald Reagan (R)
Kathryn Mickle Werdegar, (since 1994), Associate Justice
Republican, appointed by Gov. Pete Wilson (R)
Joyce L. Kennard, (since 1989), Associate Justice
Republican, appointed by Gov. George Deukmejian (R)
Carlos R. Moreno, (since 2001), Associate Justice
Democrat, appointed by Gov. Gray Davis (D)
First judicial appointment by Gov. George Deukmejian (R)
Und nun kommt Barack Obama daher und sagt: Nein, so nicht! Civil Unions sind ausreichend! Er lässt sich nicht einmal herab, dass Urteil zu begrüßen oder zumindest für richtig oder gut zu halten. Es reicht gerade dazu, das Urteil zu respektieren. Und auch nur mit dem Zusatz, dass dieses Verfassungsverständnis bitte auf Kalifornien beschränkt bleiben möge.
Obama ist nicht gegen Diskriminierung, er ist für Diskriminierung! Nach seinen eigenen Worten wird er sich gegen Bestrebungen, die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare auf Bundesebene zu erreichen, stellen.


18/05/2008 um 7:00 Uhr nachmittags
So wie ich das Problem verstanden habe, ist es in den USA Sache der Bundesstaaten, wie sie mit der Eher umgehen. Ein Präsident kann da also nur sehr eingeschränkt Einfluss nehmen und wenn er es versucht macht er sich mehr Feinde als Freunde. Und das woll Obama wohl verhindern. Das Zitat klingt für mich sehr nach “Pressemitteilungs-Eiertanz” und kann wohl kaum als Diskriminierung bezeichnet werden…
18/05/2008 um 9:28 Uhr nachmittags
Die amerikanische Verfassung regelt die Zuständigkeit für das Eherecht nicht. Deshalb können die einzelnen Staaten zur Zeit machen, was sie wollen. Und deshalb konnte in der Vergangenheit mehrfach versucht werden, ein Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare auf Bundesebene zu verankern, sowohl einfachgesetzlich als auch als Amendment, denn der Bund kann die Gesetzgebungsbefugnis an sich ziehen. Zum Glück sind alle Versuche bisher gescheitert. Es also schon von Belang, welche Haltung der Präsident zu dem Thema einnimmt, der im übrigen ein Initiativrecht hat.
Seitdem Obama ins Licht der Öffentlichkeit getreten ist, vollführt er nichts anderes als Eiertänze, und zwar auf allen Politikgebieten.
Der CA Supreme Court hat sehr schön und überzeugend ausgeführt, dass eine Diskriminierung nur dann beseitigt wird, wenn gleiche Rechte gewährt und gleiche Pflichten auflegt werden und (!) - ich hatte das selbst bis dato nicht so klar gesehen - gleichgeschlechtliche wie verschiedengeschlechtliche Verbindunden die selbe Bezeichnung erhalten.
Wenn Obama dahinter zurück bleiben will, und das hat er nunmal mitteilen lassen, dann will er weiter diskriminieren. Jede andere Auslegung würde bedeuten, dass das Urteil aus Kalifornien des Guten zu viel ist - und das ist es eben nicht.
19/05/2008 um 10:29 Uhr vormittags
die Kirche, welcher Obama angehört ist jedenfalls dafür
19/05/2008 um 10:40 Uhr vormittags
Ich glaube halt einfach, daß man nicht erwarten kann mit Obama einen Schwulenaktivisten als Präsidenten der USA zu bekommen. Das wäre im momentanen politischen Klima der USA wohl auch so wahrscheinlich wie ein protestantisches Staatsoberhaupt des Vatikans. Was ich bei ihm aber sehe ist eine gewisse Sympathie zu den Themen. Er muss aber aufpassen, daß ihm die Evangelikalen daraus dann vor der Wahl keinen Strick drehen.
Gegenfrage: Haben sich die anderen beiden Kandidaten denn positiver geäußert?
19/05/2008 um 9:53 Uhr nachmittags
@ entdinglichung:
Aber die Amerikaner sollen doch keine Kirche in das Präsidentenamt wählen, oder?
Nun, die UCC hat das Urteil freudig begrüßt:
http://www.boxturtlebulletin.com/2008/05/17/2040
@ MithrasX:
Wie jetzt, Gegenfrage!? So läuft das hier aber nicht!
OK, weil Du es bist, hier die ebenso unterfreuliche Mitteilung aus dem Hause Clinton:
“Hillary Clinton believes that gay and lesbian couples in committed relationships should have the same rights and responsibilities as all Americans and believes that civil unions are the best way to achieve this goal.
As President, Hillary Clinton will work to ensure that same sex couples have access to these rights and responsibilities at the federal level. She has said and continues to believe that the issue of marriage should be left to the states.”
Für den Kandidaten der Evangelikalen habe ich mich nicht weiter interessiert.
19/05/2008 um 10:51 Uhr nachmittags
Das Problem ist, daß wenn ein Kandidat eine Erklärung rausgibt: “Mit mir sind Ehen zwischen Homos bald erlaubt.”, dann wird diese Erklärung ab dann bis zur Wahl jeden Sonntag von jeder Kanzel in den USA verlesen und damit der Beginn der Apokalypse an die Wand gemahlt.
Ein offenes Wort wäre nur Wahlkampfhilfe für die Evangelikalen. Und das will ja wohl keiner der Beteiligten…. oder?
20/05/2008 um 10:23 Uhr nachmittags
@ MithrasX:
Ich stelle nur die unglaubliche Verherrlichung des Obame in Frage. Und nach der Wahl wird er von den Schwulen genauso wenig wissen wollen, wie davor.
19/07/2008 um 7:40 Uhr nachmittags
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