In Bremen tobte für ein paar Tage unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das evangelikale Christival. Die Macher des Christivals fühlen sich bekanntlich in ihrem Recht auf Hass Meinungsfreiheit beschränkt, weil ein paar Schwule und Lesben sich nicht von den Evangelikalen heilen lassen wollen. Roland Werner, Oberhäuptling des Christival und führender Schwulenheiler, meinte auf die Frage, wie Christen mit den gottlosen Bedenken nicht heilungswilliger Schwulen und Lesben umgehen sollen [das Interview mit Roland Werner ist zur Zeit auf der Seite von idea nicht recherchierbar]:
Sie sollten dem sachlich und mit Augenmaß begegnen. Wir sollten uns darum bemühen, in allem das berechtigte Anliegen zu suchen. Auf der anderen Seite sollten wir uns aber auch wehren, wenn Einzelpersonen oder christliche Werke mit Totschlagargumenten und falschen Behauptungen verleumdet und gesellschaftlich geächtet werden sollen. Schon im Interesse einer offenen und toleranten Gesellschaft, die wir uns alle wünschen und von der wir alle profitieren, gilt es, hier allen Anfängen von Einschüchterung und Ausgrenzung zu widerstehen. [...] Wir vom Christival stellen uns nicht gegen Personengruppen, auch nicht gegen Homosexuelle.
In der Praxis sieht das so aus:
Anlässlich des Christivals in Bremen fand in der Martinikirche am Freitagabend, den 2. Mai ein Vortrag von Ulrich Parzany, dem Leiter von ProChrist, mit dem Titel „Steht auf, wenn ihr Christen seid“ statt. In diesem Vortrag ging es u.a. um das, wegen massivem öffentlichen Protest, abgesagte Seminar „Homosexualität verstehen – Chancen zur Veränderung“. Parzany ist für seine homophoben Äußerungen bekannt und scheute sich auch während des Vortrags nicht davor, praktizierte Homosexualität als Sünde zu bezeichnen und Abtreibung als „Tötung von Kindern“ zu diskreditieren.
Um ihren Protest kund zu tun, trafen sich ca. 35 Menschen in der Martinikirche. Während des Vortrages kam es zum Austausch von homosexuellen Zärtlichkeitsbekundungen. „Ich war mit meiner Freundin in der Martinikirche, um aufzuzeigen, dass ich homosexuell und glücklich bin. Ich persönlich fühle mich durch diese Veranstaltung angegriffen und diskriminiert. Meine Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil meiner Persönlichkeit.“ sagt Claudia Albrecht. Nachdem sich viele der dort anwesenden Christ_innen durch die offen zur Schau gestellte Homosexualität angegriffen fühlten, kam es zu einem Tumult in der Kirche. Sätze wie „Euch sollte man zum Schlachthof führen und die Beine ausreißen“ oder „Ihr seid alles Verbrecher“ fielen. Ein_e Aktivist_in wurde sogar von einem Veranstaltungsbesucher geschlagen. Daraufhin erwiderten die Aktivist_innen: „Steht auf wenn ihr Homos seid“ und verließen mit Konfettiwürfen die Kirche. Vor der Kirche sammelten sie sich, um spontan den Protest auf dem Marktplatz fortzuführen. Die Ordner_innen des Christival versuchten den Aktivist_innen den Zugang zum Marktplatz zu verwehren. Sofort war auch die Polizei vor Ort, um die Ordner_innen zu unterstützen. Ohne jegliche Begründung und ohne direkte Aufforderung zu gehen, wurde versucht die Aktivist_innen brutal vom Platz zu drängen. Dies versuchte die Polizei mittels Schlagstock und Anwendung körperlicher Gewalt durchzusetzen. Wahllos und ohne Begründung wurde eine Person rausgegriffen und gewaltsam festgehalten. Auf die Aufforderung diese Person frei zu lassen, reagierte die Polizei mit weiterer Eskalation. Es wurde mit Pfefferspray und Schlagstöcken gedroht, Personen wurden geschubst und bedrängt. „Mir drückte ein Polizist die Hand ins Gesicht, ich war völlig überrascht von der Unverhältnismäßigkeit des Einsatzes.“ fährt Claudia Albrecht fort. Schließlich wurde die Gruppe in eine vom Christival-Publikum aus nicht einsehbare Ecke gedrängt und dort eingekesselt. Währenddessen kam es zu einer weiteren brutalen Ingewahrsamnahme. Die betroffene Person wurde mehrmals gegen die Wand geschleudert und mit zwei Schlagstöcken traktiert. Menschen die ohne Christivalausweis die Polizeigewalt fotografisch dokumentieren wollten wurden brutal daran gehindert und aufgenommene Bilder zerstört. Schließlich gab sich eine Einsatzleiterin zu erkennen. Zum ersten Mal wurde ein Platzverweis an die eingekesselten Personen ausgesprochen. Währendessen kam es immer wieder zu Beschimpfungen seitens der Polizei: „Alle bis morgen einsperren, dann sind wir die los.“ Als die Aktivist_innen den Platz endlich Richtung Domsheide verlassen konnten, wurden sie von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. An der Haltestelle Domsheide kam es erneut zu einer völlig willkürlichen Ingewahrsamnahme. Auch hier scheute sich die Polizei nicht, massive körperliche Gewalt einzusetzen. Schließlich schienen es die Polizist_innen für nötig zu halten, eine Gruppe von mittlerweile 20 Personen mit fast der doppelten Anzahl von Beamt_innen bis zum Goethplatz zu begleiten. Von den drei Festgenommenen, wurde eine Person nach Personalienaufnahme und Platzverweis für das gesamte Christivalgebiet wieder frei gelassen. Die anderen beiden wurden für mehrere Stunden in Gewahrsam genommen. Eine Person wurde gezwungen sich auszuziehen und musste persönliche Beleidigungen über sich ergehen lassen.
Es verwundert nicht wirklich, dass die Damen und Herren Evangelikalen die Ebene beleidigender verbaler Äußerungen verlassen und ihrem Hass durch Gewaltanwendung freien Lauf lassen. Es verwundert auch nicht, dass die Polizei alter deutscher Tradition folgend gegen die Schwulen und Lesben, nicht aber gegen den Hassprediger und seine Lakaien vorgegangen ist. Es wird nicht lange dauern, und wir werden auch in Deutschland die ersten Todesopfer zu beklagen haben.
Nochmal zu Roland Werner zurück. Der Mann ist promovierter Sprachwissenschaftler. Auf der Eröffnungsveranstaltung gab Werner folgende Sentenz von sich:
“Ich wünsche uns drei Dinge für dieses Christival, [...] dass jeder mindestens 5 oder 50 neue Freunde findet [...]“
Sprachwissenschaftler! Hahaha!
Nun haben sich auch einige Schwule und ein paar angebliche Ex-Homosexuelle zu Wort gemeldet.
Welche mentalen Wracks nach dem intensiven Kontakt mit Evangelikalen zurückbleiben, läßt sich in einem Beitrag des Deuschlandradio
Evangelikal glauben, homosexuell lieben
und auf idea
Homosexueller nimmt „Wüstenstrom“ teilweise in Schutz
nachlesen.
Dann haben wir da noch einen gewissen Michael Gerlach. Hier wird der perfide Einfluß der Evangelikalen besonders deutlich:
Michael Gerlach sprach nach eigener Aussage als “Betroffener mit homosexueller Vergangenheit” und Therapeut in Personalunion vor den Journalisten. Er habe 15 Jahre lang Homosexualität ausgelebt, sei jedoch “nie das Gefühl losgeworden”, dass dies nicht zu ihm passe. Ihm sei erst durch die Arbeit von Angeboten wie der OJC klargeworden, dass Homosexualität veränderbar sei. Bei der derzeitigen Debatte störe ihn vor allem “die starke Polarisierung” und eine gewisse “mediale Aufgeladenheit”, die nicht zu diesem sensiblen Thema passe.
Und er wird noch deutlicher:
Der Diplompsychologe Michael Gerlach (Heidelberg) kritisierte die ideologische Aufgeladenheit um das Thema Homosexualität. Es störe ihn, dass Homosexualität in der Öffentlichkeit keinesfalls kritisiert werden dürfe, sagte Gerlach, der selbst 15 Jahre homosexuell war. Von einer Demokratie erwarte er jedoch, dass auch über die „Risiken des schwulen Lebensstils“ diskutiert werden dürfe.
Sollen wir in einer Demokratie nicht erst einmal über die Risiken des Lebensstils der Mehrheit diskutieren? Und welche vom nicht schwulen Leben abweichenden Risiken bringt denn der ’schwule Lebensstil’ (was ist das genau?) mit sich, außer dass Schwule und Lesben häufiger beleidigt, gekränkt, verachtet, zweifelhaften Heilungsversuchen ausgesetzt, verprügelt, rechtlich benachteiligt werden? Schuld daran sind auch Menschen, wie dieser Michael Gerlach, die mit solch unqualifizierten Äußerungen an die Öffentlichkeit gehen und damit eine schwulenfeinliche Stimmung schüren.
Dieser Mann ist Diplom Psychologe!! Ich kann jeden, der sich seiner sexuellen Orientierung nicht sicher ist, der zweifelt, der Fragen hat, nur dringend davor warnen, sich in die Hände solcher Menschen zu begeben.
Zu Wort gemeldet hat sich auch die ‘Ökumenischen Arbeitsgruppe “Homosexuelle und Kirche” (HuK) e.V.’ Mit entsetzen lese ich:Â
Wir befürworten das Christival, müssen aber bei den Glaubenaussagen zur Homosexualität widersprechen.
“Müssen widersprechen”, also Widerspruch unter Zwang, nicht aus Überzeugung. Und das Christival, eine Veranstaltung, auf der sich Demagogen verschiedenster Couleur austoben dürfen, unter dem Vorsitz des Roland Werner, wird befürwortet? Sorry, was für eine ekelhafte Anbiederung ist das denn?
Die Veranstaltung, von denen Deutschlandradio und Idea berichten, wurde übrigens vom HuK eV organisiert.
Â


04/05/2008 um 8:03 Uhr nachmittags
die äußerungen aus dem christival-umfeld waren ja irgendwie noch erwartbar … wenn auch zum …
aber die haltung der HuK ist (wieder einmal) zutiefst peinlich, anbiederig und zum würgen. die arme HuK, da muss sie doch widersprechen …
15/05/2008 um 9:20 Uhr nachmittags
sowas Verzerrtes und Krankes wie oben hab ich noch selten gelesen, die B…..zeitung
ist noch harmlos dagegen…hetzerisch und abstrus…und schlecht geschrieben.
Herzlichen Glückwunsch zu diesen unkontrollierten Eruptionen!
kein Schwulenhasser
18/05/2008 um 9:48 Uhr nachmittags
Der vorstehende Kommentar hatte sich in meinem Spam-Ordner verfangen. Offensichtlich gehört er da auch hin. Ich habe ihn dennoch dort herausgefischt, denn er zeigt so wunderbar, wie die Damen und Herren Evangelikalen nachtreten.
19/05/2008 um 8:33 Uhr nachmittags
[...] Man beachte insbesondere auch die Gleichsetzung von Mördern und Homosexuellen durch eine Christival-Teilnehmerin. [...]
22/05/2008 um 11:13 Uhr nachmittags
Fange gerade an, Deinen Blog zu lesen und finde Deine Frage “Warum noch so ein Blog” ungerechtfertigt: Hier finden sich tolle Sachen, ich frage mich schon, wie Du das alles recherchiert und aufbereitet bekommst
Ich glaube, hier kann ich noch einiges für meine eigene WebSite finden- so oder so “danke” für Deinen Einsatz und Deine gute “Schreibe”.
Gruß,
Günther
22/05/2008 um 11:34 Uhr nachmittags
@ Günther Pagel:
Freut mich, dass Du Verwertbares auf meiner Seite findest. Mit Freude habe ich den Link zum Organeum auf Deiner Seite ‘bemerkt’…
24/05/2008 um 6:32 Uhr vormittags
[...] Â http://thegaydissenter.wordpress.com/2008/05/04/fundstucke-rund-ums-christival/ [...]
27/05/2008 um 1:13 Uhr nachmittags
[...] Ich liebe solche Veranstaltungen. Hier wird meist erst deutlich welche engstirnigen Querköpfe da die Fäden ziehen und wie viele Menschen leider auch noch deren Märchen glauben. Zum Beispiel das Christival, das dieses Jahr für einige Schlagzeilen sorgte (z.B. die Heilung von Schwulen). [...]
19/07/2008 um 4:51 Uhr vormittags
So viel Mühe, diesen Artikel überzeugend abfassen zu wollen, und alles umsonst.
Vorweg: Ich bedaure es, wenn Homosexuelle irgendwo und irgendwann auf dieser Erde zu Schaden kommen.
Doch in welchem Verhältnis stehen die in deinem Artikel geschilderten Bedrängungen Homosexueller, die auf ihre eigenen Ansprüche pochen, zu den zahllosen christlichen und jüdischen Märtyrern, die für die Rechte anderer ihr Leben gaben.
Einfach zum Nachdenken.
19/07/2008 um 5:50 Uhr nachmittags
@ Kroski.meint:
1. Seit wann sind Sie zu den Evangelikalen übergelaufen?
2. Was haben ihre Märtyrer mit dem Inhalt meines Post zu tun?
3. Märtyrer sind, so die allgemein gängige Definition, Menschen, die wegen ihres religiösen Bekenntnisses getötet wurden. Zumindest die Islamische Welt rechnet auch Selbstmörder dazu. Die Ausdehnung dieses Begriffs auf Menschen, die “für die Rechte anderer ihr Leben gaben” ist mir neu. Gleichwohl sind auch keine Fälle bekannt, in denen Menschen aus der jüdischen und christlichen Glaubensspähre aus Glaubensgründen (!) ihr Leben für die Rechte anderer gaben. Glaubende Menschen verhalten sich eher gegenteilig.
4. Es sind keine Fälle bekannt, in denen Homosexuelle andere Menschen wegen deren Glauben umgebracht haben. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Fällen, auch aus allerjüngster Zeit, in denen Menschen christlichen Glaubens homosexuelle Menschen allein wegen deren Homosexualität umgebracht haben.
19/07/2008 um 11:39 Uhr nachmittags
“Märtyrer sind, so die allgemein gängige Definition, Menschen, die wegen ihres religiösen Bekenntnisses getötet wurden.”
Stimmt. Und jetzt denken wir ein wenig weiter. Diese Menschen starben nicht in erster Linie für ihre eigenen Rechte (Motto: “Zu jeder Zeit und an jedem Ort will ICH meinen Glauben ausüben können!”). Zum ersten geht es bei religiöser Überzeugung um etwas Gottgegebenes, zum zweiten ist dieses Eintreten für Überzeugungen und Rechte auch im Interesse aller Gläubigen und Menschen guten Willens geschehen.
Auch bei der Debatte zur aktiven Sterbehilfe geht es überwiegend um egoistisch formulierte Ansprüche. Auch bei der seinerzeitigen Abtreibung ging es nicht in erster Linie um medizinische oder soziale Fragen, sondern um das egozentrische Recht der Frau über ihren Körper zu bestimmen.
Im Falle der S+L übt ein geschlechtlich anders orientierter Teil der Gesellschaft einerseits aktiven Widerstand (konstruktive Auseinandersetzung ist hier ein Fremdwort) gegen konservative Staats- und Kirchenautoritäten aus, und nimmt andererseits mit aller Macht das staatlich/kirchliche Ehe-Institut in Anspruch.
Das ist keine geringfügige Auseinandersetzung, es geht um eine tiefgehende Konfrontation. auch noch emotional gepusht durch die weinerlichen Chöre mitteleuropäischer S+L, wie sie in deinen Postings zum Ausdruck kommen.
Gegen dieses einseitige Bild der armen gepeinigten S+L (jedenfalls in D+Ö+CH) wehre ich mich. Ich konnte schon oft genug berichten, dass mir S- bzw. L-Partnerschaften bekannt sind, die zwar noch einige rechtliche Verbesserungen wünschen, aber ansonsten ein freies und unbeschwertes Leben führen.
Die Homo-EHE ist schon begrifflich völliger Nonsense und falsch, weil bekanntermassen die Definition der Ehe verschiedengeschlechtliche Partner voraussetzt. Unglaublich, dass man im 21. Jahrhundert sowas Klarwieklossbrühenhaftes festhalten muss.
Es gibt einen deutlich erkennbaren Trend unserer Gesellschaft: Die europäischen Menschenrechte werden bis zum Erbrechen dahingehend überinterpretiert, Gleichheit und Würde des Einzelnen unter jeden erdenklichen Umständen durchzusetzen: Homo-Ehe, schrankenlose Abtreibung und aktive Sterbehilfe sind die entsprechenden Themen.
Naturgemäss bringen S+L Partnerschaften wenige Kinder auf die Welt und haben kaum Grund über die nächsten Generationen nachzudenken: Die Rückwärtsbewegung (zunehmende Polarisierung und Gesellschaftskämpfe gegen die nun entstehenden grenzenlosen Freiheitsrechte jedes Einzelnen) ist so vorhersehbar wie Ebbe und Flut, wie Berg und Tal, wie Tag und Nacht.
Zurück zu gläubigen Menschen und Deiner Einschätzung ihres Verhaltens:
“Gleichwohl sind auch keine Fälle bekannt, in denen Menschen aus der jüdischen und christlichen Glaubensspähre aus Glaubensgründen (!) ihr Leben für die Rechte anderer gaben. Glaubende Menschen verhalten sich eher gegenteilig.”
Das ist ein starkes Stück!
Ein Beispiel (der Heilige Maximilian Kolbe) sei stellvertretend für viele genannt: “Am 29. Juli 1941 wurden zehn Leidensgenossen Kolbes als Vergeltung für die nur vermutete Flucht eines anderen Lagerinsassen (die Leiche des Insassen wurde später in der Latrine gefunden, er war dort ertrunken) zur Ermordung aussortiert. Als einer der Männer, der Katholik Franciszek Gajowniczek, in lautes Wehklagen um sich und seine Familie ausbrach, meldete sich Kolbe bei dem Kommandanten Karl Fritzsch freiwillig, um den Platz von Gajowniczek (der Frau und zwei Söhne hatte) einzunehmen, und wurde in den berüchtigten „Hungerbunker“ gesperrt. Dort hielt er Messen mit seinen Leidensgenossen ab und ermunterte sie. Am 14. August, nach ca. zwei Wochen, wurden er und drei weitere Verurteilte, noch nicht des Hungertodes gestorben, durch eine Phenolspritze umgebracht. Franciszek Gajowniczek überlebte das KZ und ist 1995 gestorben.” (Wikipedia)
Danke für Deine Aufmerksamkeit.
21/07/2008 um 8:14 Uhr nachmittags
Ihre Argumentation, deren Zusammenhang mit meinem Christival-Post ich immer noch nicht sehe, ist schon im Ansatz falsch. Es gibt keinen gott und deshalb kann es auch nichts “gottgegebenes” geben.
Erfreut bemerke ich, dass Sie zwischen “Menschen guten Willens” und “Gläubigen” zu unterscheiden wissen. Gläubige sind nämlich selten guten Willens wenn es um ein erträgliches Miteinander geht.
Selbstverständlich hat jeder Menschen das uneingeschränkte Recht, mit seinem Körper zu tun und zu lassen, was er will, solange er anderen Menschen damit keinen Schaden zufügt. Leben, die Art und Weise des Lebens, ist eine Frage der Vernunft und keine Frage des Glaubens. Ich sehe nicht, mit welchem Recht ausgerechnet glaubende Menschen vernünftigen Menschen Vorschriften machen könnten.
Sie wettern gegen die “Homo-EHE”. Sicher haben Sie bemerkt, dass ich aus gutem Grund diesen Begriff nicht verwendet. Wenn Sie nun aber gegen die Ehe, und Ehe ist Ehe, egal in welcher Geschlechterkombination sie sich ‘abspielt’, wettern (was haben Sie eigentlich gegen die Ehe?), wenn Sie meinen amerikanischen Freunden in Kalifornien nicht gönnen, dass sie geheiratet haben, wenn Sie mir nicht gönnen, dass ich meinen Freuden zu ihrer Eheschließung gratulieren, wenn Sie mir nicht gönnen, dass ich mich mit meinen Freunden freue, dann sind Sie ein ganz armseliges Licht.
Es gibt keinen Beleg dafür, das Rajmund Kolbe aus Glaubensgründen sein Leben für jemand anderen geopfert hat. Wir dürfen jedoch getrost davon ausgehen, dass er für einen jüdischen Mitmenschen nicht so gehandelt hätte, denn belegt ist, dass Kolbe der Ansicht war, dass Polen das “biologische Hauptreservoir” des Weltjudentums sei, welches “sich wie ein Krebsgeschwür in den Volkskörper” fresse und es nur die Lösung gebe, dass “die Juden emigrieren müssen”. Schöne Heilige hat die katholische Kirche. Darüber hinaus war Kolbe’s Einsatz im Ergebnis nutzlos. Die zwei Kinder des ‘geretteten’ Familienvater sind vier Jahre später gestorben und der christliche Familienvater dachte nicht daran, seine Christenpflicht zu erfüllen und erneut Kinder zu zeugen. Wir dürften ebenso getrost davon ausgehen, dass diese Heiligsprechung wie soviele andere auch, allein aufgrund der Privatinteressen einer einzelnen Person (Wojtyla) erfolgte, und mitnichten aus religiösen oder Glaubensgründen. Aber die Gläubigen lieben bekanntlich die große Show und wollen – Verzeihung - verarscht werden.
Dass sie in dem hier diskutierten Zusammenhang ausgerechnet Kolbe herbeiziehen und damit offenbar deutlich machen wollen, dass das Leben eines Familienvaters (oder einer Mutter) mehr wert ist als das Leben eines (mutmaßlich) kinderlosen Menschen, wie eines katholischen Ordensmannes oder eines schwulen Menschen (”Naturgemäß bringen S+L Partnerschaften wenige Kinder auf die Welt…”), halte ich für eine entsetzliche Geisteshaltung.
Jeder Mensch, egal oder Mann oder Frau, ob schwul oder sonstwie sexuell orientiert, ob neugeboren oder uralt, ob kerngesund oder sterbenskrank, ist gleichviel wert.
Kein Leben ist wertloser als ein anderes. Das sehen Sie aber offenbar nicht so. Und da sie für einen Menschen wie mich nicht einmal mehr eine halbwegs verträgliche Bezeichnung übrig haben und ich von ihnen nur mit der Abkürzung “S+L” tituliert werde, erlaube ich mir die Freiheit, die Diskussion mit Ihnen zu beenden und überlasse Sie Ihrer Klo(ß)brühe, die so klar nicht zu sein scheint.