Kirchensteuererhebung durch Banken und Sparkassen

Seit dem Zumwinkel-Skandal (besser: BND-Skandal) hat sich sicher herumgesprochen, dass das mühsam Ersparte (oder Ergaunerte) bei den Banken vor dem Zugriff der ‘Steuer’ nicht sicher ist. Insbesondere ist es aber vor dem Zugriff der Kirchen nicht sicher. Ab dem 1. Januar 2009 lassen die Kirchen ihre Kirchensteuer durch die Banken erheben. Das funktioniert so:

Mit Einführung der Abgeltungssteuer zum 1. Januar 2009 werden die Kapitaleinkünfte (zB Zinsen, Dividenden) grundsätzlich nicht mehr durch Abgabe einer Steuererklärung im Veranlagungsverfahren ermittelt. Vielmehr haben die Banken von den Kapitaleinkünften einen bestimmten Betrag (in der Regel 25 %) als Kapitalertragsteuer einzubehalten und an das zuständige Finanzamt abzuführen. Auf Antrag des Bankkunden haben die Banken auch die auf diese Kapitalertragsteuer entfallende Kirchensteuer zu berechnen, einzubehalten und an das zuständige Finanzamt abzuführen. Eine Gegenleistung erhalten die Banken hierfür nicht. Ist es schon sehr bedenklich, dass die Banken durch den Kapitalertragsteuerabzug Handlanger des Steuerstaates sind, dürfen sich nun auch noch die Glaubensgemeinschaften dieser kostenlosen Steuereintreibedienste bedienen.

Neu ist das alles nicht. Auch Arbeitgeber sind zur Lohnsteuereinbehaltung verpflichtet und haben, ebenfalls ohne Gegenleistung, dafür zu sorgen, dass die hebeberechtigten Glaubensgemeinschaften ihre Lohnkirchensteuern erhalten.

Eine Perfektionierung des Systems ist angestrebt. Die Auswirkungen des Verfahrens sollen von Kirchensteuern erhebenden Religionsgemeinschaften und weiteren Sachverständigen durch die Bundesregierung bis Mitte 2010 mit dem Ziel überprüft, werden, einen umfassenden verpflichtenden Quellensteuerabzug durch Banken und Sparkassen auf der Grundlage eines elektronischen Informationssystems, das den abzugsverpflichteten Kreditinstituten Auskunft über die Zugehörigkeit zu einer Kirchensteuer erhebenden Religionsgemeinschaft gibt, einzuführen.

Es ist schon erstaunlich, welche Anstrengungen die Religionsgemeinschaften unternehmen, um an ihr Geld (= das des Steuerzahlers) zu kommen.

Und nebenbei wird nichts anderes als eine lückenlose Glaubensüberwachung erreicht.

8 Antworten zu “Kirchensteuererhebung durch Banken und Sparkassen”

  1. ondamaris sagt:

    bin ich froh, dass ich keinem dieser vereine angehöre …

    hmmm … was überwacht die glaubensüberwachung denn dann bei denen, die nix angeben? unglaubensüberwachung? nichtorganisiertglaubensüberwachung?
    das öffnet ja ganz neuen berufsständen tür und tor …

  2. MithrasX sagt:

    Das Problem wird erst richtig spannend, wenn die Banken diese neuen Informationen z.B. in ihr Kreditrating mit einfließen lassen. (Atheisten zahlen ihre Kredite zu x% nicht zurück, bei Katholiken sind es y%).

    Ich finde es bezüglich Trennung von Kirche und Staat immernoch bedenklich, daß der Staat eine “Steuer” für die Kirchen eintreibt. Wo genau liegt dann der Grund, daß der Staat keine “Sportsteuer” für Mitglieder eines Sportvereins kassiert und an die Vereine weiterleitet?

  3. TheGayDissenter sagt:

    @ ondamaris:

    Es gibt ja so ein paar Kirchenbanken (höchstprofitabel übrigens), wie Paxbank oder Darlehnskasse im Bistum Münster, die dann über die Datenbank erfahren, ob sie ‘gehörige’ Kunden haben. Ich stelle mir gerade vor, dass zB auf diese Weise herauskommen könnte, das der Erdbeerschorsch gar nicht Mitglied der rk Kirche ist…

    @ MithrasX:

    Interessanter Gedanke. Der ADAC, größter deutscher Verein mit mehr Mitgliedern als manche hebeberechtigte Glaubensgemeinschaft, könnte seine Vereinsbeiträge ja zusammen mit der Kraftfahrzeugsteuer einziehen lassen.

  4. ondamaris sagt:

    na — es reicht ja, wenn dann kirchensteuer-zahlende kunden bessere darlehenskonditionen bekommen ;-) )
    oder der schorsch einen erdbeerbonus …

  5. TheGayDissenter sagt:

    Oder ein Erdbeerschorschsparschwein.

  6. ondamaris sagt:

    ach, dieses sparschwein hätt ich aber gerne …
    kann man sich dann da aussuchen, wo der schlitz ist? und wie man’s dann hinterher zerdeppern darf? ;-) )
    okay, ich werd grad off-topic …

  7. TheGayDissenter sagt:

    Hinterher??

  8. ondamaris sagt:

    okay okay, vorher … oder: überhaupt ;-) )

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