Am 7. Oktober des vergangenen Jahres hatte der Kölner Erdbeerschorsch Joachim Meisner in Einsiedeln mal wieder eine Gelegenheit genutzt, den Menschen die Welt, die er selber nicht versteht, zu erklären. Das heißt, er hat seinen unentwegten Zuhörern (was sind das eigentlich für Menschen) erklärt, wie die Welt wäre, wenn er das Sagen hätte. Der Kölner Bundestagsabgeordnete Volker Beck fand das nicht ganz so witzig und nannte den Schorsch daraufhin einen Haßprediger.Was im Grunde nur eine Tatsachenfeststellung ist, fand wiederum nicht das Wohlgefallen des Kardinals. Da der Erdbeerschorsch von Gott keine Hilfe zu erwarten hat, versteckte er sich unter Justizias Röckchen in Gestalt des Kölner Landgerichts. Kirchenhörig, wie dieses Gericht nunmal ist, belegte es den Herrn Abgeordneten auf drängen des Herrn Kardinals mit einem Bannfluch in Gestalt einer Einstweiligen Verfügung, auf dass dieser es unterlasse, die hochehrwürdige Erbeereminenz nochmals einen Haßprediger zu nennen. Das führte nunmehr bei Volker Beck zu einem langen Gesicht. Er versprach zwar, den Prediger nicht mehr als Haßprediger zu bezeichnen, wollte aber durch das Landgericht Berlin klären lassen, ob er den Prediger Haßprediger nennen durfte und weiterhin Haßprediger nennen dürfe, obgleich er ihn so gar nicht mehr nennen wolle.
Nun: Eine Handvoll Rechtsgelehrter fing an sich die Köpfe zu zerbrechen (was übrigens besonders leicht zu bewerkstelligen ist, wenn es sich um Hohlköpfe handelt) und derweil kamen sich die Streihähne näher und Beck lobte den Schorsch über die roten Erdbeeren. Es mag das erste Mal seit Jahrzehnten gewesen sein, dass dem einsamen Kölner Papstverehrer jemand mit solcher Gefühlswärme begegnete. Und so ließ sich der Schorsch erweichen und entließ den armen Abgeordneten aus den Klauen des Kölner Gerichts, griff sogar tief in die Tasche des Kirchensteuerzahlers und erstattete dem armen Volker nicht nur die Kosten der Kölner Rechtsgelehrten, sondern auch die der Berliner.
Vielleicht war es aber auch ganz einfach so, dass die teuren Rechtsberater des Metropoliten demselben klar gemacht haben, dass er kurz davor stand, die Rechtsstreitigkeiten zu verlieren. Dem Weltjugendtagsschorsch dürften die Erdbeeren auf der Stirn gestanden haben, als ihm klar wurde, dass vielleicht nicht nur Volker Beck, sondern auch die Weisen aus dem Berliner Land, ihn für einen Hassprediger halten. Also hat er sich gegen Kostenübernahmeversprechen (= Geldzahlung) aus den Gerichtsverfahren herausgekauft. Volker Beck hatte leichtfertiger Weise schon vorher versprochen, den Haßprediger nicht mehr Haßprediger zu nennen.
Nun, durch die Art der Streitbeilegung ist Meisner nur einer gerichtlichen Entscheidung zu seinen Lasten zuvor gekommen. Im Grunde ist es ein Eingeständnis, dass die Beck’sche Wortwahl eine zutreffende Chrakterisierung Meisners, jedenfalls in Bezug auf seine Einsiedelner Predigt, darstellt.
08/02/2008 um 10:59 |
Ich hätte da einmal eine dumme Frage (obwohl die gibt´s ja nicht sondern höchstens derer Antworten): Warum ist der Spitzname von Joachim Meisner “Erdbeerschorsch”?
08/02/2008 um 8:10 |
Es gibt einen alten Witz, bzw eine eher alte Geschichte:
Fritzchen zur Mutter: “Morgen kommt der Erdbeerschorsch und filmt uns.” Die Mutter schaut verdutzt und erkundigt sich beim Lehrer. Darauf der Lehrer: “Aber nein, morgen kommt der Erzbischof und firmt die Kinder!”
Jürgen Becker hat das vor zwei Jahren oder so ausgegraben und den hiesigen Erzbischof als Erdbeerschorsch übertragen. Ein richtiger Spitzname ist das nicht, aber die Bezeichnung wird von den ortsansässigen Kabarettisten gerne verwendet.
09/02/2008 um 2:13 |
Vielen Dank für deine Erläuterung, jetzt bin ich wenigstens im Bilde.