Exhibieren (lat vorzeigen, zur Schau stellen, darstellen) ist etwas Anderes als Exhibitionismus (Gewinnung sexueller Befriedigung durch Zurschaustellung der Genitalien).
Es gibt zwei Möglichkeiten, sich zu exhibieren. Die eine ist die geistige Exibition, die andere die körperliche. Im Teil I geht es um die erstgenannte, im Teil II mache ich dann, in die Nähe des Exhibitionismusses rückend, den Bauch frei.
Im einem Blog, dessen Inhalt nicht nur aus der Weitergabe von Nachrichten oder der wertungsfreien Informationsvermittlung besteht, läßt man mehr oder weniger die Hosen runter. Freiwillig wohlgemerkt, denn es gibt ja keinen Zwang zum Bloggen. Je nach dem, welche Themen ein Blogger anschneidet, bleibt es nicht aus, höchstpersönliche Ansichten zu offenbaren oder sich zu verleugnen. Letzteres ist nach meinem Verständnis Sache der Politiker und von religiösen Propagandisten, aber nicht die eines dem freien Denken sehr verbundenen Bloggers. Der aufmerksamen Leserschaft ist das natürlich nicht entgangen und so lese ich in einem Kommentar denn auch, “hier steckt aber ne menge hedonistitscher kacke in dem blog drin“. Das mit der Kacke finde ich nicht ganz so witzig und ich sehe nicht im geringsten, wie man das eine mit dem anderen in Verbindung bringen kann. Den Vorhalt, hedonistisch (ein ‘t’ genügt hierfür) zu sein, nehme ich gerne entgegen.
Und dennoch: Die Schublade des Hedonismus ist nicht die meine. Zwar kann ich mit den Ansichten von Epikur, Nicolas Chamfort (’der Kern der Moral besteht darin, zu genießen und dafür zu sorgen, dass auch andere genießen können, ohne sich selbst oder ihnen zu schaden’ ), Albert Schweitzer (der sich gewiss fern der Hedonik gesehen hat und doch mit seiner seine Philosophie der ‘Ehrfurcht vor dem Leben’ eine einfache, lebensbejahende Formel gefunden hat) und, um einen Zeitgenossen zu nennen, Theo Kars’, der in Gestalt eines Buches zur Zeit auf meinem Nachttisch liegt, sehr viel anfangen. Doch die aktuellen Definitionen, weder die eher boshaft abwertenden in den Großlexika oder bei Wikipedia, noch das Manifest der Hedonistischen Internationalen sagen mir so recht zu. Wenn ich eine Definition des Begriffs ‘Hedonismus’ zu liefern hätte, würde sie wie folgt aussehen:
‘Hedonismus heißt, ein gutes Leben zu leben.’
Und ich komme nicht umhin, auf eine Unverträglichkeit hinzuweisen:
‘Glauben heißt, ein fremdes Leben zu leben und (vergeblich) auf ein besseres Leben nach dem Tod zu hoffen.’
Aber, da ich nicht die Definitionshoheit habe, bleibe ich der Schublade fern.