Immer wieder, wenn ich die Meisners, Boissoins, Yahyavis, al-Jalals, LaBarberas, Kaczynskis, Ratzingers, Alexis, Klements, Hutchersons, … reden höre, wenn ich ihre unsäglichen Parolen lese, frage ich mich: Wissen diese Menschen, was Liebe ist? Lieben sie? Ich bin davon überzeugt, dass sie es nicht wissen. Vielleicht haben sie es einmal gewusst, vielleicht haben sie sogar einmal geliebt. Aber das muss lange her sein. Sie haben es längst vergessen.
Aber was ist die Liebe? Liebe lässt sich nicht definieren, sie lässt sich nicht regulieren und nicht reglementieren. Sie lässt sich nicht vorschreiben, nur beschreiben. Liebe fragt nicht nach dem ‘warum’. Liebe fragt nicht nach der Hautfarbe, nicht nach dem Glauben, nicht nach dem Wissen, nicht nach dem Einkommen und dem Vermögen, nicht nach der Sprache, nicht nach dem Geschlecht und nicht nach der Herkunft. Sie fragt nur nach dem Fühlen. Nach dem Gefühl der Liebenden füreinander. Sie lässt sich nicht herbeirufen und auch nicht wegschicken. Sie ist einfach da.
Es gibt keine allgemein gültige Beschreibung der Liebe. Zu lieben und Liebe zu erleben ist etwas sehr Individuelles. Jede Liebe ist etwas Besonderes und Einmaliges. Meine Liebe ist nicht die Liebe anderer. Und die Liebe anderer ist nicht meine Liebe. Und dennoch verstehe ich das Empfinden anderer, weil ich selber liebe. Meine Liebe zu meinem Freund ist es, die ich beschreiben kann. Ich liebe ihn so, wie ich keinen anderen Menschen lieben könnte. Und er liebt mich, wie er keinen anderen Menschen lieben könnte. Ich weiß das, weil ich fühle wie er empfindet. Liebe bedeutet, den anderen nicht nur anzusehen, sondern in ihn hineinzusehen. Liebe bedeutet, in dem Geliebten das zu sehen, was andere nicht sehen. Liebe bedeutet, dem Liebenden das zu zeigen, was andere nicht wahrnehmen.
Meine Liebe zu meinem Freund ist eine körperliche Liebe.
Dazu gehört auch Sex. Mal hart, mal zart. So, wie wir es wollen. So oft, wie wir es wollen. Wir lassen es uns nicht von seelisch verkrampften Männern und Frauen verbieten.
Aber es ist nicht nur Sex, der die körperliche Liebe ausmacht. Es sind die kleinen Berührungen, sanft auf die Wange gehauchte Küsse, und auch kurze Blicke, die immer wieder sagen, ‘Ich liebe Dich’. Abends, wenn wir uns von den verschiedenen Bildschirmen gelöst haben und ins Bett krabbeln, kuscheln wir uns ganz eng zusammen. Manchmal bleibt aber jeder auf ’seiner’ Betthälfte. Und dann strecke ich ganz vorsichtig eine Hand zu ihm herüber, berühre ihn ganz vorsichtig nur mit den Fingerspitzen. Dieser winzige Körperkontakt ist sehr wichtig für mich. Ich spüre dann, dass mein Freund da ist. Ich spüre, wie es ihm geht. Ob ihm kalt ist, ob er zittert, ob er eine Gänsehaut hat. Oder ob er ganz ruhig da liegt und sich entspannt. Diese kleinen Berührungen sind es, über die wir uns wortlos austauschen, wenn wir irgendwo sind, wo wir uns ‘anständig’ benehmen ‘müssen’. Wenn wir nebeneinander sitzen, reiben wir unsere Knie aneinander oder berühren uns mit den Füßen. Niemand bemerkt es und doch bedeutet es sehr viel.
Wenn ich von meinem Freund räumlich getrennt bin, fühle ich mich körperlich nicht wohl. Ich merke, dass etwas fehlt. Ich habe Sehnsucht nach ihm. Nach seinen Berührungen. Die Schmetterlinge im Bauch machen sich dann bemerkbar. Anders als vor zwölf Jahren, als ich ihn kennen lernte. Damals wusste ich nicht, was mit mir los ist. Ich brauchte ein paar Monate um zu begreifen, dass er die Ursache für mein körperliches und seelisches ‘Durcheinandersein’ war; und um zu verstehen, dass er die Medizin ist, die mir hilft und die ich brauche. Damals hatte ich Angst vor der Zukunft, vor dem Zusammensein, weil ich nicht wusste, was aus mir wird. Heute habe ich keine Angst mehr. Heute habe ich Sehnsucht nach ihm. Wenn ich alleine unterwegs bin, kommt dieses sehnsüchtige Gefühl ganz schnell auf. Nur zwei oder drei Tage ohne ihn, und ich kann an nichts anderes mehr denken, als an ihn. Und dann sind sie wieder da, die Schmetterlinge, und machen mich ganz verrückt. Genau so, wie vor zwölf Jahren. Nur ist es viel schöner, weil ich weiß was los ist und dieses großartige Gefühl vorbehaltlos genießen kann.
Körperliche Liebe heißt auch, jemanden zum Festhalten zu haben. Manchmal, wenn alles schief läuft, wenn der Tag kein guter Tag war, ist es so wichtig, meinen Freund zu haben, mich an ihm fest zu halten und mich von ihm festhalten zu lassen. Ich kann mich an seine Schulter lehnen und, wenn es ganz schlimm ist, einfach weinen. Ich kann mich fallen lassen, weil ich weiß, dass er mich auffängt. Ich kann die Seele baumeln lassen, weil ich weiß, dass er mich versteht. Und umgekehrt kann ich ihm meine Schulter bieten. Zuhörer sein. Blitzableiter sein. Ihm Kraft und Zuversicht geben.
Aber die Liebe zu meinem Freund spielt sich auch in meinem Kopf ab.
ER ist immer da. ER ist immer bei mir. Ich spüre es. Ich weiß es. Auch wenn wir uns an weit von einander entfernten Orten aufhalten, ist ER ‘da’. ER ist in meinen Gedanken. Ich bekomme IHN nicht mehr aus meinem Kopf. ER steht neben mir und ich höre ihn sagen, ‘Du sitzt ja schon wieder am PC! Was schreibst Du denn da? Ist das so wichtig?’ Nein, mein Freund, es ist nicht wichtig. Ich drücke nur auf Tasten und daraus werden Worte. Nur Worte, keine Gefühle. Es ist nicht wichtig. Nur DU bist wichtig. Nur DU allein. Dieser Computer ist nicht wichtig, das Internet ist nicht wichtig, unsere Wohnung ist nicht wichtig, unser Geld ist nicht wichtig – und das der Bank auch nicht -, unsere Urlaube sind nicht wichtig, meine Arbeit ist nicht wichtig, meine Hobbys sind nicht wichtig. Nur DU allein bist wichtig. Nur wenn es DIR gut geht, geht es mir gut. Nur wenn DU glücklich bist, kann ich glücklich sein. Nur wenn DU lebst, kann ich leben.
Ich fühle es, wenn etwas mit DIR nicht stimmt. Wenn DU weinst, weine ich mit. Ich weine um DICH, und wenn ich die Ursache für unsere Probleme bin, weine ich um mich. Ich fühle, was DU erwartest, auch wenn DU es nicht sagst. Und ich bin traurig, weil ich DEINE Erwartungen nicht erfüllen kann. Ich bin traurig, weil ich unserer Liebe so oft im Wege stehe. Aber ich habe keine Angst. Ich weiß, dass unsere Liebe stark ist. Stärker als alles andere. Sie hilft uns, auch schwierige Wege zu gehen, Irrtümer einzugestehen und Hindernisse zu überwinden. Sie hilft uns, zu verzeihen und neu anzufangen, wo ein Neuanfang unmöglich erscheint. Unsere Liebe ist stärker als unsere Schwachheit. Sie besiegt unsere Sturheit und Dickköpfigkeit. Sie gibt uns die Kraft für den Kuss der Versöhnung. Mir DIR ist sie alles. Ohne DICH ist sie nichts.
Wer nicht selber lieben kann, versteht die Liebenden nicht.
Wo keine Liebe ist, ist bestenfalls Nichts. Allzu oft ist es aber Hass, der die Menschen, die nicht lieben können, beherrscht. Der Hass richtet sich gegen die Liebe. Aber er kann die Liebe nicht zerstören. Liebe ist stärker als Hass, sie ist stärker als Angst und Schmerz. Sie verbindet die Liebenden, mögen sie auch durch Raum und Zeit getrennt sein. Die Hassenden wissen, dass sie gegen die Liebe keine Chance haben. Und deshalb versuchen sie, die Liebenden zu zerstören. Deshalb versuchen sie, die Liebenden zu töten. Sie wenden Gewalt an oder rufen zur Gewaltanwendung auf. Und sie haben Erfolg damit. Zu jeder Stunde und überall auf der Welt.
Wenn Du liebst, achte auf den Menschen, den Du liebst. Achte immer auf ihn, auch wenn Du Dich über ihn ärgerst oder glaubst, einen Anlass zu haben, mit ihm unzufrieden zu sein. Er ist das Wichtigste auf dieser Welt!
Wenn Du nicht liebst, suche die Liebe. Suche sie nicht in Büchern, nicht in der Bibel, nicht im Koran, nicht in Gesetzestexten. Suche sie im wirklichen Leben! Höre nicht auf das, was andere Dir sagen. Höre auf das, was Dein Herz Dir sagt. Höre auf das, was die Liebe Dir sagt.
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24/12/2007 um 9:14 |
Klasse geschrieben. Dir und Deinem Freund ein tolles Fest der Liebe!
25/12/2007 um 6:28 |
Wie wunderbar und schön dieser Beitrag ist! Ich bekam beim Lesen „feuchte Augen“, denn Du hast meine Seele berührt und mein Herz getroffen. Ein größeres Kompliment kann ich Dir nicht machen.
Deine Sichtweise, die Beschreibung Deiner Emotionen, ich sehe das exakt genau so und kann das in selbiger bzw. natürlich in ähnlicher Form („jede Liebe ist ein Unikat“) nachempfinden, jeden Satz kann ich „unterschreiben“.
Danke!
Ich wünsche Dir und Deinem Freund von ganzem Herzen frohe Weihnachten!
P.S.: Mir gefällt das neue Banner gut!
26/12/2007 um 11:40 |
Ja, Stefan. Ich kann mich den Beiden nur anschliessen. Wahnsinnig schöne Worte, Bei denen auch mir die „Augen feucht werden“. Danke.
26/12/2007 um 10:00 |
Danke Éuch!
@ Markus:
Freut mich, dass Dir das Bildchen gefällt. Ich vermute Du weiß, welche beiden Details dort abgebildet sind?
27/12/2007 um 12:42 |
@ Stefan:
Bien sûr Monsieur.
02/01/2008 um 10:29 |
sehr ergreifend, dein text – und aufmunternd offen geschrieben
faszinierend finde ich all diese kleinen gesten, in denen sich liebe ausdrückt, das kurze nach den knie des freundes suchen, seinen arm nachts fühlen … gesten, die scheinbar viele teilen … kommt mir nämlich alles sehr bekannt vor
09/02/2008 um 12:54 |
Sehr gut geschrieben. Sehr nachvollziehbar! Danke!
09/02/2008 um 3:08 |
schöne worte
09/02/2008 um 3:52 |
[...] worte/ children of love es gibt so viele schöne worte über die liebe in der welt, da fragt man sich doch warum gibt es noch hass [...]
19/04/2008 um 10:16 |
das war den hammer was du geschrieben hast das hat mich voll getrofen….
besser konnte man es nicht bescheiben…sehr schöne worte
20/04/2008 um 2:41 |
@ jessi:
Danke!
06/06/2008 um 12:37 |
[...] bleibe dabei: Diese Glaubensverführer wissen nicht, was Liebe ist. Sie lieben nicht und haben niemals geliebt. Sie können sich nicht vorstellen, dass zwei [...]
21/03/2009 um 10:41 |
„Liebe bedeutet, den anderen nicht nur anzusehen, sondern in ihn hineinzusehen.“
Wer dies nicht selber erlebt (hat), kann es nicht verstehen
Danke für die Kraft in deinen Worten!
21/03/2009 um 10:47 |
@termabox: aber in einen menschen hinein zusehen bedeutet nicht zwangsläufig ihn zu lieben. ja es ist ein teil der liebe, aber es ist nicht liebe, sondern ein zugang zum menschen, fast wie ein spiegel.