Die Sintflut

Vor ein paar Monaten, den Menschen in Teilen Englands stand das Wasser buchstäblich bis zum Hals, machte sich ein anglikanischer Kirchenführer auf, die Ursachen für die Unbilden des Wetters zu finden. Und er fand sie, fernab aller meteorologischen Erkenntnisse. Der Mann behauptete allen Ernstes, die Schwulen, bzw die schwulenfreundliche Haltung der englischen Gesellschaft sei schuld. Nun ist es Tradition der meisten großen und kleinen Glaubensgemeinschaften, dass sie Führer hervorbringen, die die geistige Leere in ihren Köpfen durch verbalen Dünnschiss, mal mehr, mal weniger geschliffen formuliert, zu vertuschen zu versuchen. Hier in Deutschland haben wir mit den römisch-katholischen (Erz-)Bischöfen Meisner, Mixa und (neuerdings) Algermissen exponierte Vertreter des fleischgewordenen Narrentums.

Ich wundere mich immer wieder, wie geduldig das Kirchenvolk all’ die verbrämten Ergüsse der Eminenzen erträgt und ihnen Kirchensteuern und Spenden hinterher wirft. Furcht, Unwissenheit, Dummheit? Was immer die Ursache sein mag, es wirft ein sehr fragwürdiges Licht auf die Zuhörer dieser Redner.

Dieser anglikanische Bischof schien mir ein Musterbeispiel dafür zu sein, was passiert, wenn ein vor dem geistigen Abgrund stehender Mensch einen großen Schritt nach vorne macht. Und doch: Immer wenn ich denke, dümmer geht’s nicht mehr, kommt von irgendwo ein Imam daher.

Der Imam Hassan al-Jalal von der Al-Tawhid-Moschee in San Francisco entblödet sich in Bezug auf die Ursache der (ins Reich der Märchen und Sagen gehörenden) Sintflut wie folgt:

He sent the flood to clean the earth from AIDS. There were no doctors at that time, but God knew they hat a virus.

Kraftfahrzeuge müssen regelmäßig zur technischen Überprüfung, Menschen in bestimmten Berufen müssen von Zeit zu Zeit ein Gesundheitszeugnis vorlegen. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn von Glaubensführern ein Nachweis ihrer geistigen Zurechnungsfähigkeit verlangt werden würde. Die Intelligenzminderung des al-Jalal ist offensichtlich. Ebenso offensichtlich ist aber auch, dass er diesen Schwachsinn in aller Öffentlichkeit von sich geben darf. “Darf” möchte ich nun nicht im rechtlichen Sinne verstanden wissen. Es erschreckt mich vielmehr, dass offenbar die Mitglieder der örtlichen islamischen Gemeinde nichts gegen solche Äußerungen haben, nichts gegen diesen Imam unternehmen. Mich zwingt das dazu, meine Einschätzung dieses Imams, dem ich eine mentale Beeinträchtigung bescheinige, auch auf seine Anhängerschaft, einerlei ob aus Überzeugung oder Mitläufertum, zu übertragen.

Zu finden ist die al-Jalal’sche Sentenz in einem Artikel der New York Times, “Gay Muslims Find Freedom, of a Sort, in the U.S.” Dieser Artikel ist ein Beleg für den wütenden Hass einiger (!) Gläubigen, aber auch ein schönes Dokument für die (nicht neue) Erkenntnis, dass nicht alle Muslime in einen Topf geworfen werden dürfen. Gleiches gilt natürlich auch für die Christen. Es gibt in der katholischen wie der anglikanischen Kirche Bischöfe und andere hochrangige ‘Würdenträger’, die begriffen haben, dass Schwulenhass nicht zu den christlichen Glaubensgrundsätzen gehört. Erlaubt die anglikanische Kirchen ihren Hirten durchaus, zu dieser Erkenntnis zu kommen und danach zu leben, verbietet die römisch-katholische Kirche in ihrem erbarmungslosen Streben nach unbedingter Gefolgschaft ihren Ortsführern jedoch jedes selbständige, von der päpstlichen Unfehlbarkeit abweichende Denken. Zum Glück hat sie nicht immer Erfolg. Und selbstverständlich gibt es gerade in der römisch-katholischen Kirche viele Menschen, die mit dem Aufeinanderhetzen von Menschen, wie es zum Beispiel der Kölner Metropolit und der Pontifex Maximus betreiben, überhaupt nicht einverstanden sind. Gleichwohl sei die Frage gestellt, warum diese Menschen die Diskussion über Glaubensinhalte nicht in den Versammlungsräumen ihrer Gemeinden führen.

In dem Artikel der NYT findet sich folgendes Zitat:

“I still feel like I’m a Muslim; I don’t accept that anyone insults the faith,” said Ayman, who avoids attending mosque. “When I read what it says in the Koran, then I fear Judgment Day.”

Ich verstehe so etwas nicht. Warum glaubt jemand an etwas, dass es nicht gibt. Warum quält sich jemand so, statt einfach zu sagen, ich habe damit nichts zu tun. Es ist wohl schwierig, nach Jahrhunderten der Fehlleitung den Mut aufzubringen, Glauben durch Wissen zu ersetzen.

Ich habe es besser. Ich glaube an keinen Gott. Ich weiß, dass es keinen Gott gibt. Ich sehe durchaus, dass ich gerade in Zeiten der Not, der Sorge oder der Angst nichts Überirdisches haben werde, an dem ich mich festhalten kann. Ich hoffe aber, dass ich Menschen da sein werden, an die ich mich halten kann und die mich halten.

Ich weiß aber auch, dass es viele dumme Menschen gibt, wie diesen al-Jalal, mehr aber noch diejenigen, die ihm ohne Widerspruch zuhören.

Jeder Mensch, auch wenn ich es nicht verstehen und nur mit Mühe nachvollziehen kann, mag seinen Glauben haben. Aber die Glaubenden mögen ihren Glauben bitte für sich behalten und nicht anderen ihren Glauben aufzwingen oder dafür verwenden, gegen anders denkende, anders lebende Menschen zu hetzen.

3 Antworten zu “Die Sintflut”

  1. Westboro Baptist Church: Dankt Gott für den Killertiger im tuntigen San Francisco « The Gay Dissenter sagt:

    [...] chrislicher Auffassung sind also schwule Menschen nun nicht nur für schlechtes Wetter, sondern auch für, aus welchen Gründen auch immer, wild gewordene Tiger veranwortlich. Was kommt [...]

  2. So, nun sind Schwule also auch noch an den Erdbeben schuld « The Gay Dissenter sagt:

    [...] Gott, wenn es Dich gibt, schmeiß endlich tonnenweise Hirn vom Himmel - für Deine Leute! [...]

  3. Die wahre Ursache der Washington Mutual Pleite « The Gay Dissenter sagt:

    [...] so ist halt das Weltbild eines Evangelikalen: Die Schwulen und ihre Freunde sind an allem schuld, auch an Finanzkrisen und Bankpleiten aller [...]

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