Der Kölner Erdbeerschorsch Meisner…

… ist ein alter, verbohrter, einsamer Prediger, der hasst.

Am 7. Oktober hat er mal wieder die Gelegenheit genutzt, seine Sicht der Dinge zu offenbaren. Vor vollem (Gottes-)Haus in Einsiedeln predigte er über die Fatima-Bewegung (in Zusammenhang mit dem portugisischen Ort Fatima dichtet sich die römisch-katholische Kirche Marienerscheinungen zusammen). Die Predigt, vom Erzbistum Köln veröffentlicht, ist es nicht wert gelesen zu werden. Sie enthält allerlei Frömmeleien, aber nichts Frommes. Eine Textpassage sei hier dennoch zitiert:

Das Sein in der Welt ist wahr, weil Gott die Wahrheit in Person ist. Der Mensch aber macht oft sein eigenes Dasein unwahr, wenn er das Schöpfungsgedächtnis verliert. Wenn er zum Beispiel meint, dass Mann und Frau nicht aufeinander bezogen sind, damit sie in der Ehe zur Familie werden. Alle so genannten alternativen Modelle des menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde. Maria ist dagegen wahr wie klares Quellwasser. Bei ihr gibt es keine faulen Kompromisse: ihr „Ja” ist ein „Ja” – „Mir geschehe, wie du es gesagt hast” (Lk 1,38). Und ihr „Nein” ist ein „Nein” – Das sagt und tut in ihrer Nachfolge die Kirche dann auch. Aber dafür erhält sie Widerspruch von der Welt, aber nicht von Gott.

Hier taucht ein bei gewissen römisch-katholischen Würdenträger immer wieder zu beobachtendes außerordentliches Interesse an menschlicher Sexualität auf. Gerade bei Meisner ist immer wieder bemerkenswert, dass er immer nur von der Sexualität zwischen den Menschen redet, aber nicht von der Liebe zwischen Menschen. Nun, von Liebe hat Meisner keine Ahnung. Aber was weiß er von Ehe und Familie? Welche eigenen Erfahrungen hat er? Keine! Er weiss nichts!

Der Bezug auf die historische Figur der Maria ist sehr fragwürdig, denn bis heute ist ungeklärt, wer eigentlich der Vater ihres erstgeborenen Kindes ist. Dass Meisner natürlich in der zitierten Textpassage zu gerne den Namen ‘Maria’ durch ‘Joachim’ ersetzen würde, darf ich ihm getrost unterstellen, sieht er sich doch auch als jemand, der Widerspruch von der Welt, aber nicht von Gott erhält. Nun, das Gott nicht mit Widerspruch auf die Meisner’schen Irrlehren reagiert, deutet darauf hin, dass es keinen Gott gibt.

Ich wundere mich, dass das Kirchenvolk in Einsiedeln und regelmäßig hier in Köln so geduldig und gleichmütig die Meisner’schen Tiraden erträgt. Offensichtlich ist die Angst vor den Kirchenoberen einfach zu groß. Oder glauben die Gläubigen nicht an Gott, sondern an Meisner?

Jürgen Becker hat vor ein paar Monaten die Predigten Meisner’s qualitativ bewertet, und Meisner, von Gott verlassen, bemühte die irdischen Gerichte, um Herrn Becker die Meinungsfreiheit, die Meisner permanent und penetrant für sich selber in Anspruch nimmt, zu verwehren.

Ein weitere Kölner (ein Immi), Volker Beck, hat sich nun dieser Bewertung von Jürgen Becker angeschlossen und den hochverehrten Erzbischof Joachim Kardinal Meisner einen Hassprediger genannt. Im Grunde ist gegen diese zusammenfassende, auf den Punkt gebrachte Würdigung des Meisner’schen Wirkens nichts zu sagen. Gleichwohl drängt sich, nach dem Roth-Mixa-Showdown,  die Vermutung auf, es ginge nicht nur um die allzu berechtigte Kritik an dem Kirchenfürsten, sondern auch um persönliche Eitelkeiten.

Das Erzbistum Köln hat sich beeilt, mit einer Art Gegendarstellung darzulegen, dass der Erdbeerschorsch nur aus edelsten Motiven heraus seine lebensverachtenden Sprüche loslässt:

Kardinal Meisner hat mit seiner Predigt im Wallfahrtsort Einsiedeln das getan, was seines Amtes als Bischof ist: die kirchliche Lehre zu verkündigen sowie den Wert und die Würde von Ehe und Familie zu verteidigen. Damit hat er niemandem das Existenzrecht abgesprochen. Er hat vielmehr die Bedeutung von Ehe und Familie für die menschliche Gesellschaft unterstrichen.

Wie kann eine Kirche, die ihre Würde schon längst verloren hat, wie kann ein Bischof, der nicht die kirchliche Lehre, sondern nur die Macht, die ihm diese Lehre gibt, im Blick hat, glauben, sie könnten die Würde anderer Menschen verteidigen? Jeder, der sich der römisch-katholischen Kirche zurechnet oder zugehörig fühlt, sollte sich ernsthaft fragen, ob er  jemanden wie Meisner für sich und seine Kirche sprechen lassen will.

Und was weiss ein einsamer, verhärmter Menschenfeind wie Meisner von menschlicher Gesellschaft? Nichts! Denn niemand begibt sich gerne in die Gesellschaft eines greisen Mannes, der immer nur darüber redet, wie er sich Sex vorstellt.

Abschließend noch der Hinweis, dass der Kölner Erzbischof seine üppige Besoldung nicht vom Kirchensteuerzahler, sondern aus dem Haushalt des Landes Nordrhein-Westfalen erhält, und, weil sich immer wieder die Frage aufdrängt, wie Meisner Metropolit der Kölner Kirchenprovinz werden konnte, hier ein Auszug aus Wikipedia (Hervorhebungen durch mich):

Gemäß dem Staatskirchenvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Preußen aus dem Jahre 1929 hatte das Kapitel eine Zehnerliste der zu wählenden Kandidaten bei der Bischofskongregation in Rom einzureichen, um auf diese Weise die Mitsprache der römischen Kurie und des Papstes sicherzustellen. Gemäß den Bestimmungen des preußischen Konkordates ist das sechzehnköpfige Wahlgremium an den Dreiervorschlag (Terna) gebunden, den der Papst unter Würdigung der eingereichten Liste unterbreitet. Allerdings war eine Bindung des Papstes an die eingereichte Kandidatenliste im aktuellen lateinischen Kirchenrecht nicht mehr vorgesehen, während das Kölner Kapitel noch davon ausging, dass nur aus den zuvor von ihm benannten Kandidaten ausgewählt werden konnte. Auf dem Dreiervorschlag, der dem Domkapitel zur Bischofswahl zurückgesendet wurde, befand sich nun aber der Name Meisners, obwohl dieser nicht auf der vom Kapitel eingereichten Liste gestanden hatte. Dies musste von den Domkapitularen als Aufforderung Papst Johannes Pauls II. verstanden werden, Meisner zum neuen Erzbischof zu wählen. Das Domkapitel weigerte sich zunächst und bestand auf seinem angestammten Recht. Theologen aus ganz Deutschland und Politiker protestierten gegen das Vorgehen des Papstes und argumentierten, es entspreche nicht dem Konkordat (was nicht korrekt ist, da das Konkordat über das Zustandekommen des päpstlichen Dreiervorschlags nur aussagt, er müsse „unter Würdigung dieser Listen” unterbreitet werden[1]) bzw. die Kölner Sonderregelung sei als teilkirchliches Gewohnheitsrecht vorrangig anzuwenden (was kirchenrechtlich umstritten ist, da Gewohnheitsrecht je nachdem, wie lange es besteht und ob es als außergesetzlich (praeter legem) oder dem Gesetz zuwiderlaufend (contra legem) zu charakterisieren ist, unterschiedlich behandelt wird). Daneben wurde in katholischen Zirkeln Kölns kritisiert, Meisner passe nicht in das traditionell liberale Klima des so genannten „rheinischen Katholizismus” und habe eine der Kölner Ortskirche zu fremde Mentalität. Nachdem sich die Kurie in einem Reskript (verbindliche Rechtsauskunft) auf den Standpunkt gestellt hatte, der Papst könne den Bischofsstuhl gegebenenfalls auch gegen das Votum des Metropolitankapitels besetzen, akzeptierte das Kölner Domkapitel zuletzt aber mehrheitlich das Ansinnen des Papstes, Meisner zum Erzbischof zu wählen, musste dazu jedoch zunächst noch seine Wahlordnung ändern, um eine Wahl mit relativer Mehrheit zu ermöglichen. Mit sechs Ja-Stimmen bei zehn Enthaltungen wurde Meisner schließlich gewählt und am 20. Dezember 1988 vom Papst zum Erzbischof von Köln ernannt.

8 Antworten zu “Der Kölner Erdbeerschorsch Meisner…”

  1. leftqueers sagt:

    Hi,
    leider gibt es unter den schwulen auch immernoch solche dummchen, die es nicht kapieren, das die Römisch-Katholische kirche uns auch Tot sehen will.

    Da wird wiedereinmal, in guter alter Deutscher Tradition, bei http://queer.de behauptet, die Hassprediger gebe es natürlich nur bei den Muslimen. Das ist dann so die Aufrechterhaltung von Feindbildern, denn wenn ich in dem Blog eines der dort schreibenden Menschenrechtsfeinden so lese, das er für die ausweisung aller Muslime aus Deutschland sei(er nennt sie Islamisten… meint aber Muslime), dann frage ich mich, in wie weit sich Naziideologie bereits bei den Schwulen breit gemacht hat bzw. wie empfänglich Schwule für derlei Menschenverachtung sind.

    Da wird dann auch auf kommentatoren, die anderer Meinung sind,herumgehackt, Schäuble möge doch bei denen eine Onlinedurchsuchung durchführen.

    Klasse Demokratieverständniss!

    Vielleicht sollten die dortigen, vor Menschenverachtung und Hasstiraaden gegen alles Undeutsche mal das GG lesen…
    Im GG steht etwas von Religionsfreiheit

    Die gilt für alle Religionen!

  2. Meisner’s Mütze « The Gay Dissenter sagt:

    [...] Das Beck-Meisner-Thema erfreut sich ja in den Blogs aller Fachrichtungen großer Beliebtheit. Ich nutze die Gelegenheit, [...]

  3. Hermann sagt:

    @leftqueers:

    Echt, das ist mir neu. Christliche Kirchen sagen klar, dass Homosexualität eine Perversion der von Gott geschaffenen Sexualität ist. Aber daraus jetzt einen Wunsch nach “alle Homos tot” herauszulesen ist nur wieder mal ein Beleg dafür, dass die Opferrolle bestens geeignet ist um der Gesellschaft irgendwelche Privatintreressen aufzuzwingen.

  4. Roland Klose sagt:

    “Kardinal Meisner hat als Bischof, zu Deutsch “Brückenbauer”, diesem Namen keine Ehre bereitet, als er in einer Predigt im schweizerischen Einsiedeln die Lebensgemeinschaft von homosexuellen Paaren “als unwahr und im Kern verderblich” angeprangert hatte. Diese intolerante und fundamentalistische Einstellung war dann auch für meinen zweiten Sohn der ausschlaggebende Grund, aus der katholischen Kirche auszutreten und zur evangelischen Kirche zu konvertieren, welche die genetisch bedingte Homosexualität von Menschen als vom Schöpfergott so gewollt akzeptiert. Wenn Volker Beck Meisner als Hassprediger bezeichnet, so meint er damit, dass Kardinal Meisner bewusst Menschen wegen ihrer gottgegebenen Sexualität verurteilt und ausgrenzt. Das steht im krassen Gegensatz zum Handeln und Wirken unseres Herrn Jesus Christus, der alle Menschen respektiert und liebt. Selbst mit Judas Ishkariot hat er noch beim letzten Abendmahl Brot und Wein geteilt und ihn nicht als Verräter kategorisch von der Tischgemeinschaft ausgeschlossen. Meisner ist durch sein engstirniges und begrenztes Weltbild darüber hinaus nicht in der Lage, die innerkirchliche Spaltung zu überwinden und einen konstruktiven Beitrag zum interreligiösen Dialog zu leisten. Das beweist vor allem seine reaktionäre Haltung und Mobilmachung gegen den Bau einer Großmoschee in seiner Bischofsstadt Köln. Meisner warnt seit langem vor einer Islamisierung Europas und entpuppt sich dabei als der letzte Kreuzzugsritter von trauriger Gestalt (Don Quischote der vergeblich gegen Windmühlen ankämpft!), der mehr spalten als verbinden kann. Vergessen hat er auch, dass er durch seine alternative, ungeschlechtliche und zölibatäre Lebensweise, die nicht urchristliche Tradition ist, den demographischen Wandel in Deutschland bewusst und vorsätzlich begünstigt hat, weil sie eben nicht wie bei Homosexuellen genetisch bedingt ist. So lebt und handelt er konträr zum göttlichen Auftrag, der lautet: “Wachset und mehret Euch!”

    Mit freundlichen Grüßen
    Euer Roland Klose aus 57392 Schmallenberg-Bad Fredeburg/Hochsauerland

    zur Kenntnis an:
    ——————–
    Herrn Kardinal Lehmann unter ,
    Herrn Kardinal Meisner unter ,
    Herrn Erzbischof Becker unter ,
    Herrn Volker Beck unter .

  5. Der Erdbeerschorsch und die kalten Füße « The Gay Dissenter sagt:

    [...] vergangenen Jahres hatte der Kölner Erdbeerschorsch Joachim Meisner in Einsiedeln mal wieder eine Gelegenheit genutzt, den Menschen die Welt, die er selber nicht versteht, zu erklären. Das heißt, er hat [...]

  6. ondamaris » Blog Archiv » Form und Funktion sagt:

    [...] Gegen 166 Wettbewerber setzte sich der Schweizer Peter Zumthor mit seinem Entwurf durch. 1996 erfolgte die Ausschreibung für den Neubau des Diözesan-Museums des Erzbistums Köln, im September 2007 konnte der Neubau als ‘Kunstmuseum des Erzbistums Köln’ eröffnet werden (mit dem bekannten ‘entartet-Eklat‘ von Kardinal Meisner). [...]

  7. Uli sagt:

    Hallo,

    habe “Erdbeer-Schorsch” einmal auf dem Flughafen kennengelernt. Ich war überrascht, was für einen sympathischen, offenen und interessierten Charakter ich vor mir hatte. Ich halte den Bericht hier für einseitig und polemisch. Sorry.

  8. TheGayDissenter sagt:

    @ Uli:

    Ich bestreite gar nicht, dass Meisner ein eloquenter Dialektiker ist. Genau das macht ihn so gefährlich.

Einen Kommentar schreiben