Attacke!

Ein Aufruf zur Empörung soll das wohl sein, was Dominik Sommer da auf Männer verfertigt hat.
Unter der Überschrift, der Knecht und sein Herr, geht es markig zur Sache und beim flüchtigen Lesen war ich fast geneigt, auf den dahinrasenden Zug aufzuspringen. Immerhin geht es um Themen, die ich auch gerne aufgreife:

Schauen wir nach Russland, auf die französischen Demonstrationen gegen die Homo-Ehe, und schauen wir nach Baden-Württemberg, wo eine unglaublich homoverachtende Petition die höchsten Zustimmungswerte erreichte.

Und laut tönt der Kampfruf:

Dies ist ein Angebot für diejenigen von uns, die mehr brauchen, als sich von einer homophoben und frauenverachtenden Männermacht gängeln zu lassen. Und sich fragen, wie wir umgehen sollen mit denen, die uns mit Ablehnung und Hass gegenüberstehen?

Okay, ich bin zwar noch nie von einer frauenverachtenden Männermacht gegängelt worden, aber ich lasse mich grundsätzlich nicht gerne gängeln.

Und weiter:

Oft genug stützen wir die heterosexuelle Männermacht, indem wir uns ihr unterordnen.

Jawoll, da müssen wir aufbegehren. Also: Auf sie mit Gebrüll!

Doch halt! Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gay, Homophobie, Medien, Nicht schwul, Schwul | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Meinung ist nicht frei, …

… wohl aber der Glauben und die Dummheit.

Zu dieser Erkenntnis verhelfen die Herren Dolce und Gabbana.

Selbstredend nehmen sie für ich in Anspruch, ihr nicht Gedachtes, sondern Erbrochenes zu verbreiten. Stoßen sie damit auch Widerstand und Protest, Weiterlesen

Veröffentlicht unter Dummheit, Gay, Schwul | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert

Bilderstreit

Es vergeht keine Woche, in der nicht neue Fotos und Videos auftauchen. Die Terrororganisation “Islamischer Staat” ermordet offensichtlich gezielt auch homosexuelle Männer oder solche, die sie dafür halten. Aufnahmen, auf denen Menschen brutal von einem Dach eines Hochhauses gestoßen, geköpft oder gesteinigt werden, […]
Wir berichten über diese Verbrechen auf queer.de, selbstverständlich, verzichten aber auf blutige Hinrichtungsfotos und -videos. (Micha Schulze auf queer.de)

Diesen Ansatz zur Objektivierung der Berichterstattung kann ich nur begrüßen. Die Sensationsgier der Medien im Allgemein und die der schwul-lesbischen Medien und sonstiger “Internet-Treibender” geht mir mächtig auf die Nerven. Und es geht mir nicht um den Islamischen Staat (auf die Anführungszeichen kann man hier getrost verzichten, man müsste sie sonst bei all den vielen angeblichen Demokratien und Republiken auch setzen), sondern auch um Vorfälle in Russland und Jamaika und was im Internet daraus gemacht wurde. Aus zweifelhafter Quelle Vorgeplappertes ohne eigene Recherche weiterzuverbreiten hat mit seriösem Journalismus nichts zu tun. Wer ein von den Tätern erstelltes Video weiterverbreitet, ist kein Berichterstatter sondern Handlanger. Und den vielen Facebook-Usern, die solche Horror-Videos und -Fotos weiterverbreiten geht es doch nur darum, sich an der Angst und dem Leid anderer Menschen aufzugeilen. Wem das Schicksal der gefolterten und/oder hingerichteten Menschen nahe geht, der würde sich doch gegen eine Verbreitung der Bilder wenden. Die massenhafte Weiterverbreitung der Videos wird doch die IS-Fanatiker ermuntern immer mehr Filme zu produzieren. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Was die Menschen sehen wollen, das bekommen sie geliefert.
Ließt man Kommentare zu diesen Videos auf Facebook und anderswo, die da lauten “das geschieht den Schwulen recht”, “das sind die doch selber schuld” oder “endlich macht mal jemand Schluss mit diesem schwulen Pack”, wird schnell klar, welche Gesinnung da genährt wird. Selbstverständlich muss eindringlich und intensiv über die Verbrechen an schwulen Männern berichtet werden – aber mit den Methoden einen ernsthaften Journalisten, nicht mit denen eines Verbrechers.

Natürlich gibt es auch gegenteilige Meinungen. David Berger lässt zum Beispiel wissen:

Die neue Devise queerer Medien, keine Bilder oder Videos islamistischer Gräueltaten mehr zu veröffentlichen, ist fatal.

Statt aber nun diese Auffassung zu begründen, arbeitet er mit Verzerrungen und Verdrehungen:

Denn sie ersetzt die abschreckenden Fotos durch Bilder, die den Islamismus verniedlichen und erotisieren.

Ich habe in diesem Zusammenhang keine niedlichen oder erotisierenden Bilder gesehen. Es mag damit zusammenhängen, dass auf mich längst nicht jeder dunkelhaarige Typ mit dunklem Teint erotisierend wirkt.

Weiter: Micha Schulze schreibt auf queer.de,

die Bilder und Videos wurden von den Terroristen ganz bewusst selbst produziert, um uns zu emotionalisieren und damit für ihre abscheulichen Ziele zu vereinnahmen.

David Berger schiebt Micha Schulz allerdings folgendes unter: Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gay, Homophobie, Medien, Schwul | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Mit einem untauglichen Selbstversuch zum Generalverdacht

Wann immer  in den vergangenen knapp 20 Jahren eine gewisse Entspannung möglich wurde, wenn es darum ging, dass das Bedrohungs-Szenario rund um Aids abgebaut werden konnte – immer genau dann kam als Reaktion eine (nicht nur mediale) Zuschreibung: die alte Mär von der ‘neuen Sorglosigkeit’,

ist in einem Post vom 3. November 2014 auf 2mecs zu lesen. Und weiter:

Gerne wurde sie formuliert, indem Positive oder Schwule oder junge Leute generell unter Generalverdacht gestellt werden.

Wurde? Vergangenheit? – Nein! Das ist die hochaktuelle Gegenwart. Und zu finden ist dieser Generalverdacht, die pauschale Unterstellung, junge Leute, schwule Menschen, speziell junge schwule Männer handelten in Bezug auf ihre sexuellen Aktivitäten sorglos, nicht etwa in der neuesten Schmähschrift von Birgitt Kelle, sondern auf queer.de. Ganz frisch, in einem Artikel vom 28.02.2015 ist dort zu lesen: Test auf Gayromeo: 79 % wollten Sex ohne Gummi. Dass jener Beitrag ähnlich seriös zustande gekommen ist, wie die jüngsten Erhebungen der BLÖD-Zeitung zu den Griechenlandhilfen, ist leicht zu zeigen: Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gay, Medien, Schwul | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

In der Mitte der Gesellschaft

Schwule Menschen seien in der Mitte der Gesellschaft angekommen, ist oft zu hören und zu lesen von schwulen wie nicht schwulen Sprechern und Schreibern. Es mag dahingestellt bleiben, ob schwule Menschen wirklich dort sind, wo sie seit geraumer Zeit verortet werden oder sich selber verorten. Die spannendere Frage lautet nach meinem Dafürhalten, ob schwule Menschen überhaupt dorthin gehören, in die gesellschaftliche Mitte.

Was ist die Mitte der Gesellschaft? Die Formel ist abstrakt und doch konkret. 62 Prozent der Deutschen, so behaupten es Umfragen, wünschen sich eine erneute Kanzlerkandidatur von Angela Merkel. 62 Prozent, das ist mehr als die Hälfte. Demnach müsste die gesellschaftliche Mitte von den 62 Prozent umspült werden. Schwule Menschen inmitten von Merkel-Fans – tolle Vorstellung. Schlimmer noch: sie müsste sogar selbst Fans dieser merkwürdigen Person in der Bundeskanzlei sein.
Vielleicht steht die Mitte der Gesellschaft auch genau zwischen Angela Merkel und Sigmar Gabriel. Was macht man da als schwuler Mann? Blickt man in die eine Richtung, sieht man Angela, dreht man sich um, hat man den Gabriel vor sich. Beides ist nicht nur aus optischen Gründen wenig verheißungsvoll. Und wenn ich mir vorstelle, dass die Mitte der Gesellschaft da vielleicht nicht steht, sondern liegt, verspüre ich einen Anflug von Übelkeit.
Die Nazi-Partei Afd sieht sich selber ebenfalls in der Mitte der Gesellschaft; auch das löst bei mir kein Wohlgefühl aus.
Die 62-Prozent-Quote taucht auch in anderen Zusammenhängen auf. 62 Prozent der Deutschen sind gegen eine aktivere Rolle Deutschlands bei internationalen Krisen. Und ebenfalls 62 Prozent der Deutschen wollen Griechenland im Währungsgebiet des Euro belassen. Christlichen Religionsgemeinschaften gehören zumindest pro forma 62 Prozent der deutschen Bevölkerung an. 62 Prozent der Deutschen sind mit dem tatsächlich praktizierten politischen System der Deutschen zufrieden und es sind auch 62 Prozent der Deutschen, die den traditionellen Medien Glaubwürdigkeit bescheinigen. 62 Prozent, diesmal nur der deutschen Frauen, halten den Verzicht auf Genussmittel oder Konsumgüter während der Fastenzeit für gesundheitlich sinnvoll. Von den jungen Deutschen kritisieren 62 Prozent, dass wichtige Unternehmen in erster Linie profitgetrieben wirtschaften.
Das soll genügen. Je nach Sichtweise mag einem das eine gefallen, das andere nicht. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, sich umzuschauen wo man hineingeraten ist, wenn man die Mitte der Gesellschaft erreicht hat.

Es gibt durchaus Vertreter der schwulen Schreiberschaft, die ihre Freude an der Mitte der Gesellschaft haben. Es sei ein Zeichen von Toleranz, ja sogar Akzeptanz, wenn schwule Menschen dort im Herzen des deutschen Volkes aufgenommen würden, auch wenn sie zum Fußballspielen noch woanders hingehen müssen. Die Mitte der Gesellschaft verheiße Sicherheit und eine unbeschwerte Zukunft. Der Umgang mit der eigenen Sexualität sei dort in der Mitte viel leichter möglich.
Richtig ist das nur auf den ersten Blick. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gay, Schwul | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Ein Signal

Der aktuellen Entscheidung des obersten us-amerikanischen Gerichts, mit dem es einen Antrag des  alabamischen Attorny General ablehnt, die Öffnung der Ehe zu verzögern, ist eine interessante dissenting opinion des Richters Clarence Thomas beigefügt:

This acquiescence may well be seen as a signal of the Court’s intended resolution of that question.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Behörden und Gerichte, Homophobie, USA | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Lesetipp “Die Angst vorm Anderssein”

Das Debatten-Magazin, so schimpft sich The European. Debatte – naja, wenn ich dieses Wort höre, reagiere ich mittlerweile sehr allergisch, denn all diese “Man-wird- ja-wohl-noch-sagen-dürfen”-Typen, die sich hinter dem Begriff “Debatte” verschanzen, wollen nicht debattieren, sie wollen allein ihre geistigen Exkremete loswerden. The European, das soll irgendwie hochmögend, gebildet und zukunftsweisend klingen. Autoren wie Birgit Kelle sorgen allerdings dafür, dass das geistige Niveau des Magazins gering, dummes Publikum angesprochen und der Blick zurück gerichtet wird. Umso dankbarer bin ich, dass sich  Wolfgang Brosche der Kelle vom Niederrhein angenommen hat.

Lesetipp: Die Angst vorm Anderssein

Veröffentlicht unter Homophobie, Medien | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert

Anathema

Zwei E-Mails haben heute meine Aufmerksamkeit erregt: Der Supermarkt meines Vertrauens informiert über die Wochenangebote und das schwul-lesbische Magazin meines Vertrauen informiert über die Kassation David Bergers.

Dem Rauswurf Bergers fehlt es nicht an Ironie, war er es doch, der einst forderte, “Homohasser raus aus den Talkshows!”, und keifende Schwulenhasser/-innen mit dem Bannstrahl belegen wollte. Nun verbannt ihn also die Bruno Gmünder GmbH aus der Männer-Redaktionskabine.
Als ich vor einem halben Jahr damit rang, diesen Blog weiterzubetreiben und weiterzuschreiben oder Kosten und Zeit zu sparen, habe ich halb im Scherz gesagt, solange David Berger  sich als “Speerspitze einer neuen schwulen Mittelschichtslobby” (Ludigs) geriert, müsse ich dem mächtigen Männer-Chef(redakteur) mit meinem kleinen Blog etwas entgegensetzen. Es scheint ich könne nun aufhören zu schreiben und diesen Blog beerdigen.

Doch der Schein trügt! Zwar füllen sich die Kommentarspalten mit Häme und Schadenfreude. Meinetwegen, das muss Berger aushalten. Das eigentliche Problem ist nicht gelöst. Dirk Ludigs, den ich oben bereits zitiert habe, hat in einem Beitrag für Du & Ich zutreffend erkannt, dass David Berger nur die Speerspitze der schwulen Mittelschichtslobby ist. Diese Mittelschichtslobby und ihr Verhalten sind das Problem. Ein Problem, das mit und ohne Berger besteht und das sich, falls Berger nicht in neuen Zusammenhängen wieder auftaucht, ein neues Sprachrohr suchen wird. Dieser Mittelschichtslobby werfe ich vor, Weiterlesen

Veröffentlicht unter Medien | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Nützliche Idioten

Die Männer-Redaktion hat auf ihrem Blog in der Huffington Post einen sogenannten provokativen Essay des Daniel Krause, Lehrer und Demagoge, veröffentlicht.

Ich habe selten derartige gequirlte Hühnerkacke gelesen, zu der sich mir nur eine Frage stellt. Krause beschimpft wahllos jeden, der nicht in sein vermurkstes Weltbild passt, sich

als „nützlicher Idiot” der teils sexistischen, homophoben und insgesamt verfassungsbedenklichen muslimischen Strömungen einspannen  [zu] lassen.

Ich frage mich, für wen Krause den nützlichen Idioten gibt.

Veröffentlicht unter Dummheit, Gay, Schwul | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert

Heterosexuelle Selbstabwertung

Ein Thema schiebe ich es schon eine Weile vor mir her, genauer: seit dem 19. November 2014, dem Tag, als queer.de unter der Überschrift DGSS-Präsident gegen “Abwertung” von Heteros meldete:

Pastötter [das ist der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, StM]  selbst gehört zu den wenigen Unterzeichnern der “Prinzipien Sexualpädagogik”, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurden und bereits von den Bildungsplan-Gegnern und von ultrareligiösen Seiten gefeiert werden. Darin wird u.a. gefordert, die heterosexuelle Kleinfamilie aus Vater, Mutter, Kind zur “Regel” zu erheben, sowie vor der “Abwertung” von Mehrheiten und der “Idealisierung” von Minderheiten gewarnt. Wörtlich heißt es: […] Minderheiten werden weder diskriminiert noch idealisiert, Mehrheiten weder unterschlagen noch abgewertet.”

Ich bin noch gar nicht darauf gekommen, dass die Abwertung von Mehrheiten möglich ist. Aber zumindest auf die heterosexuelle Mehrheit bezogen scheint es so zu sein, denn sonst wäre die Abwertungsangst ja gegenstandslos.
Da diese Sorge, als heterosexueller Mensch abgewertet zu werden, in Zusammenhang mit der Darstellung von Homosexualität in der Schule geäußert werden, lohnt sich ein genauerer Blick.
Und siehe da, es gibt sie tatsächlich, diese Abwertung der gemeinen Heterosexualität. Sie, die Abwertung, geht aber keineswegs von schwulen Menschen aus, sondern von den heterosexuellen Menschen selber. Sie sind es, die ihr Leben lust- und freudlos machen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Homophobie, Nicht schwul | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

“Wegen Homosexualität getötet”

Die islamistische Terrorgruppe “Islamischer Staat” (IS) hat am Donnerstag in ihren sozialen Accounts eine Reihe von Bildern veröffentlicht, die die Exekution von Personen zeigen. Unter den Opfern sind auch zwei Männer, denen angeblich Homosexualität vorgeworfen wurde.

berichtet queer.de. In dem Artikel findet sich auch die Formulierung, “wegen Homosexualität getötet”. Pinknews schreibt: execution of two men for being gay.

Im Alltagsgeschäft – leider gehört die Ermorderung schwuler Männer in islamischen Ländern zum Alltag – ist so etwas schnell geschrieben. Schnell und ohne Bedacht, auch bei mir. Der Stern schludert sogar die Formulierung, für Homosexualität verurteilt, hin.

Bei genauem Hinsehen ist diese Wortwahl falsch. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Homophobie, Medien | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Freiheit im Kleinen

17 Menschen wurden in der vergangenen Woche in Paris ermordet. Die Medien überschlagen sich in der Berichterstattung, die aber doch an der Oberfläche bleibt. Dramatische, erschreckende Bilder bekommen wir zu sehen, Stoff zum Nachdenken muss man sich selber suchen. Führende Politiker der westlichen Welt ziehen eine unglaubliche Show ab und es wird gedroht und gefordert was das Zeug hält. In Paris und vielen anderen Städte sind Menschen, hunderttausende, es werden sogar siebenstellige Zahlen genannt, auf die Straßen und Plätze gegangen, um ihr Mitgefühl mit den Familien und Freunden der Opfer, ihre Betroffenheit und ihre Sorge zum Ausdruck zu bringen.

Eine andere Nachricht habe ich in diesen Tagen ebenfalls zur Kenntnis genommen: Jedes Jahr sterben in Deutschland 30.000 bis 40.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit multiresistenten Krankenhauskeimen. Jahr für Jahr wird sozusagen die Einwohnerschaft einer Kleinstadt dahingerafft. Und diese fiesen Keime tauchen nicht nur in Krankenhäusern auf, man kann sie auch im Lebensmitteldiscounter bekommen, zum Beispiel als kostenlose Zugabe zum Putenfleisch aus der Massentierhaltung.
Medienrummel? Politikergeschwätz? Massenkundgebungen? Bei diesem Thema: Fehlanzeige!

Worin liegt der Unterschied zwischen diesen beiden Meldungen? Warum versetzten uns die Pariser Ereignisse in Angst und Furcht, während wir für die bis zu 40,000 Toten nur ein Schulterzucken übrig haben? Immerhin ist die Wahrscheinlichkeit, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen, weitaus geringer, als mit multiresistenten Keimen infiziert zu werden und daran zu sterben. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Gay, Medien, Schwul | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Die Community und ihre Vertreter

Es ist schon viel darüber geschrieben worden, ob es eine schwule Communitiy, eine schwul-lesbische Communitiy oder eine Community, die sich mit einer unverständlichen Aneinanderreihung von Buchstaben selbst etikettiert, gibt. Neben wir für Zwecke dieses Posts einmal an, dass es eine solche Community gibt, einerlei wie sie nun genau zusammengesetzt ist. Zu dieser gedachten oder tatsächlich existierenden Community gehören Menschen, die in Ruhe ihr Leben leben wollen, morgens früh aus dem Haus gehen und abends von der Arbeit wiederkommen. Vielleicht sind sie aber auch schon im Ruhestand und halten Haus und Hof in Ordnung. Vielleicht fahren sie einmal im Jahr zum CSD in der großen Stadt und zeigen dann eindrucksvoll Flagge. Manche demonstrieren auch durch gelegentliches Anklicken von Gefällt-mir-Buttons enorme Zivilcourage – für welche Sache auch immer. Verhältnismäßig wenige melden sich aktiv zu Wort. Sie nutzen die Kommentiermöglichkeiten bei queer.de und anderswo, geben bei facebook ihren Senf dazu oder, wie hier, bloggen. Für die wenigen verbliebenen Blogger kann ich feststellen, dass sie sich fast ausnahmslos nicht als selbsternannte oder auf fragwürdigem Weg ernannte Vertreter der Communitiy gerieren, sondern ihre Meinung, ihre Sicht der Dinge darstellen.

Warum diese Vorrede? Nun, zum neuen Jahr bringt Männer ein (gemeinsames) Interview mit den Vorsitzern von LSU und Schwusos, Ansgar Dittmar und Alexander Vogt. Es handelt sich um reines Politikergeschwätz, kein Satz, kein Wort, das nicht von Angela Merkel oder Sigmar Gabriel genehmigt worden wäre. Das Interview ist nicht lesenswert, wohl aber hinsichtlicher einer Aussage bemerkenswert:

Ansgar: Die Community-Vertreter wissen um unsere Arbeit und unterstützen uns. Wir arbeiten gemeinsam daran, Türen zu öffnen und für Verständnis zu sorgen. Problematisch sind die Kommentar-Schreiber in den Sozialen Medien, die uns gerne anpöbeln. Aber den meisten kann man es eh nicht recht machen.

Wer sind die Community-Vertreter? Wer hat sie (aus)gewählt? Wer hat sie beauftragt? Wer hat sie auf ihre Pöstchen gesetzt? Ist die Community jemals aufgerufen worden ihre Vertreter zu wählen? Hat es jemals eine Wahlausschreibung für die Vertreterwahl gegeben? Gab es Kandidatenlisten?

Mit Community-Vertretern sind wohl die gemeint, die von kleinen Gruppen wie dem LSVD, dem Schwulen Netzwerk NRW, den Aids-Hilfen, dem Dunstkreis um die Bundesstiftung Magnus-Hirschfeld, den CSD-Vereinen und anderen Zirkel in internen Verfahren mit bestimmten Funktionen betraut wurden. Keiner von ihnen hat eine über die jeweilige Organisation hinausgehende demokratische Berechtigung zur Vertretung der Community. Zwar glauben viele der in Minivereinen oder von elitären Kreisen aufs Podest gehobenen, sie könnten im Namen der Community Ansprüche stellen oder – schlimmer noch – Ansprüche aufgeben, legitimiert dazu sind sie nicht.

Auch die schwul-lesbischen Grüppchen in den Parteien und ihre Funktionäre halten sich für Community-Vertreter. Dittmar und Vogt gehören zu diesen Vertretern, die glauben zu wissen was gut für schwule und lesbische Menschen ist. Nun sind es gerade diese beiden Herren, die mit Wonne alles verraten, was für schwule Männer wichtig ist (ist vermute, dass lesbische Frauen die Eskapaden dieser Herren nicht anders beurteilen). Namentlich Dittmar Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gay, Schwul | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

“… dass Heterosexualität nicht die Norm darstellt, …”

Bild 2Die Apotheken Umschau aus dem Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co KG, Baierbrunn, gehört nicht zu meiner regelmäßigen Lektüre.
Nachdem mir aber die Ausgabe vom 15.11.2014 in die Hände geworfen wurde, habe ich hingeschaut. Und, siehe da, ich fand Bemerkenswertes. Unter der Überschrift eine gesunde Liebe geht es auf sechs Seiten um lesbische und schwule Menschen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gay, Medien, Schwul | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Sing-along

Manchester, 1. November 2014. Zwei Freunde, 19 und 25 Jahre alt, fahren spät in der Nacht mit der Straßenbahn durch Manchester. Sie sind guter Stimmung und singen Lieder aus dem Musical Wicked. Plötzlich werden sie von einem anderen Fahrgast beleidigt. Um einem weiteren Streit aus dem Weg zu gehen, verlassen die beiden Freunde die Bahn. Doch der andere Fahrgast verfolgt sie. Es gelingt ihm, zu irgendwelchem Pack, das da des Nachts in Manchester herumlungert, Kontakt aufzunehmen. 15 (fünfzehn!) weitere Männer stellen sich den beiden Jungs in den Weg. Sie haben keine Chance zu entkommen, werden brutal zusammengeschlagen und schwer verletzt. Mitten in Manchester.

Manchester gilt als ausgesprochen schwulenfreundliche Stadt. Doch die Polizei hat innerhalb eines Jahres 466 Hassverbrechen gegen schwule Männer registriert. Die Hälfte, so wird geschätzt, der schwulen Männer in Manchester soll schon einmal Opfer schwulenfeindlicher Gewalt geworden sein. Es wird aber auch geschätzt, dass gut 60 % der Hassverbrechen gar nicht zur Anzeige gebracht werden.

16 gegen zwei. Schwulenhasser sind nicht nur dumm, sie sind auch feige.

Die beiden Jungs werden sie wieder erholen. Es wird lange dauern, bis sie sich nachts wieder auf die Straße trauen, aber irgendwann wird es wieder gehen. Die Täter wurden bisher nicht gefasst, aber es gibt CCTV-Aufnahmen, die den Angriff dokumentieren. Die Polizei wertet die Aufnahmen aus.

Wie geht man mit so einem Verbrechen um? Wie reagieren schwule Menschen in Manchester darauf, sofern sie überhaupt zu einer gemeinschaftlichen Reaktion fähig sind? Weiterlesen

Veröffentlicht unter Homophobie, UK | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert