Steuerklasse III für 2015 erneut beantragen!

Unter dem 07.05.2013 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, was jeder, der sich ein bisschen mit dem Grundgesetz auskennt, schon längst wusste, nämlich dass die Ungleichbehandlung von Verheirateten und  Eingetragenen Lebenspartnern im Einkommensteuerrecht eine Ungleichbehandlung wegen der sexuellen Orientierung darstellt. Es hat die entsprechenden Rechtsnormen daher mit Wirkung ab Inkrafttreten des Lebenspartnerschaftsgesetz am 01.08.2001 für mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar erklärt.

Bis heute ist es den Finanzverwaltungen der Länder nicht gelungen, die Verfassungsgerichtsentscheidung zutreffend und vollständig umzusetzen. Nach wie vor finden sich in Steuerbescheiden falsche Bezeichnungen der Steuerschulder und Mann/Frau muss den Finanzämtern wegen allem möglichen hinterher laufen. Zwar legt der nordrhein-westfälische Finanzminister neuerdings allergrößten Wert darauf, dass weibliche, unverheiratete Steuerzahlerinnen nicht mehr als Fräulein angeredet werden, und drangsaliert seine Verwaltung mit Erlassen zu diesem allerhöchstwichtigen Thema. Dass Lebenspartner in behördlichen Schreiben weiterhin respektlos als Frau und Lebenspartnerinnen weiterhin ebenso respektlos als Herr tituliert werden, scheint ihm hingegen egal zu sein.

Mit Müh und Not haben es die Finanzämter hinbekommen, lebensverpartnerten Arbeitnehmern für das Jahr 2014 die Steuerklasse III (beziehungsweise die Steuerklassenkombination III/IV) zu bescheinigen.
Wer nun glaubt, damit sei das Thema vom Tisch, der irrt.

Die Lohnsteuerklasse III hat nicht – wie es etwa bei ordnungsgemäß heterosexuellen Ehegatten der Fall ist – automatisch Gültigkeit für das Jahr 2015! Lebenspartner werden nach wie vor diskriminiert. Weiterlesen

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Interner Missstand?

Zu der verdrießlichen Aktion Wanna Play des Dries Verhoeven am Heinrichplatz in Berlin ist viel geschrieben worden. Ich habe auch meinen Senf dazugegeben.

Überraschend finde ich, dass in erster Line die Art und Weise seines Vorgehens beanstandet wird, während die angebliche Zielsetzung der Aktion für gut befunden wird. Ein ehrbarer, kulturkritischer Ansatz wird Verhoeven bescheinigt.
Nun kann man alles und jedes zur Kultur erheben und selbstredend kann man auch jede Kultur kritisieren. Es ist allerdings zu fragen, ob dies zu Recht geschieht. Aufgefallen ist mir ein offensichtlich von mehreren Autoren verfasster Beitrag auf taz.de. In mehreren merkwürdig zusammengesetzten Textfetzen setzen sich die Verfasser damit auseinander, was Verhoeven der Weltöffentlichkeit am Heinrichplatz wohl mitteilen wollte.

Zutreffend entlarven die Autoren Verhoevens Geplapper vom „wir als Homosexuelle“ als hohle Phrase:

„Wir“ sagt überhaupt nichts aus. Es steht für den Wunsch des „ich“-sagen-Wollens: Wer „wir“ sagt, sagt in Wahrheit ganz laut „ich!“ Es ist ein großes „ich“, versteckt in einem vermeintlich-allumfassenden „wir“.

Allerdings ist das kein spezielles oder vornehmliches Phänomen bei schwulen Menschen. Wir in der CDU, wir in Bayern, wir BVB-Fans und ähnliches mehr wird formuliert. Immer, wenn jemand verbal eine große Gruppe hinter sich behauptet, sollten die Zuhörer und Leser hellhörig werden.

Der Rest des Beitrags in der taz befremdet allerdings.

[...] Homosexuelle sind gesellschaftliche Vorhut, wenn es um das Organisieren von Körperkontakten in beiderseitigem Einverständnis geht (= Sex als Spaß),

ist zu lesen. Man muss wohl schon sehr weit in das schwule Schneckenhaus gekrochen sein, um zu unterstellen, dass es heterosexuellen Menschen beim Sex nicht um Spaß geht. Die Ficken auch nicht nur, um Kinder zu zeugen! Und die machen’s meistens auch in beiderseitigem Einverständnis. Was die Autoren mit ihrer verzerrten Perspektive letztlich sagen wollen bleibt hier wie auch bei folgendem rätselhaft:

Wer im realen Leben ein Date haben will, muss in der virtuellen Welt mit allen Mitteln punkten.

Wow! Unsere Autoren entdecken das Leben. Machen wir sie zu Historikern und lassen sie die Welt vor der Erfindung des Internets erforschen. Ja, es gab auch schon im Vorinternetzeitalter Menschen, die Sex wollten. Schwule Männer haben sich damals, die ganz Uralten werden sich dunkel erinnern, in Parks auf die Pirsch gelegt, in Klappen, Bars, Clubs oder was auch immer die örtliche Infrastruktur hergab Beute gemacht. Und auch damals hat nicht jeder jeden genommen; da musste man sich auch herausputzen und die tatsächlichen oder vermeintlichen Qualitäten präsentieren. Böse könnte ich jetzt behaupten, weil nicht jeder, der Sex mit Männern suchte, nett und fein anzusehen war, sind die Darkrooms erfunden worden. Weiterlesen

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Frohe Botschaft?

Die römisch-katholische Kirche, so wird in diesen Tagen allenthalben berichtet, ändert ihren Ton gegenüber homosexuellen Menschen.

Nun, diese Kirche deutet allenfalls an, ihren Ton ändern zu wollen. Ihr Verhalten will sie keinesfalls ändern. Es ist nichts als ein neuer Giftpfeil, den der Vatikan abschießt. Und diesmal verwendet er ein besonders perfides Gift. Solange die römischen Katholiken brachial auf schwule Menschen eindreschen, die Funktionäre verbal, das Kirchenvolk hier und da auch non-verbal, war es vielen Menschen, sogar eingefleischten Katholiken, leicht, sich davon zu distanzieren. Als verkrustet und nicht zur Erneuerung fähig wurde die Kirche hingestellt. Die Medien machten sich einen Spaß daraus, vor Homophobie geifernde alte Kirchensäcke vorzuführen – ein Schauspiel übrigens auch zum Schaden schwuler Menschen.

Jetzt aber gibt sich der Vatikan handzahm, geradezu konziliant. Und es ist weitaus schwerer, Verbündete gegen die nicht im Geringsten verminderte Schwulenfeindlichkeit der Kirche zu finden, wenn der Gegner, verkörpert durch einen knitterigen alten Mann in Weiß, doch so milde und versöhnlich spricht. Die haben sich doch geändert, die sind doch gar nicht mehr so schlimm, was wollt ihr Schwulen denn noch?, wird es heißen. Hitlerjunge Ratzinger hat schwule Menschen noch als Anomalie der Schöpfung bezeichnet Weiterlesen

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Durchsichtige Spiele

Mich regt es auf, wenn auf deutschen Straßen wieder gegen Juden gehetzt wird oder Schwule in Berlin-Schöneberg fürchten müssen, von türkischen Jugendlichen verprügelt zu werden. Mit klarer Kante könnten wir hier sogar das eher linke schwule Milieu für uns gewinnen.

spiegelt Jens Spahn (CDU) der geneigten Leserschaft. Da ist es also wieder, das schwule Milieu. Allein damit hast sich Spahn entlarvt. Nebenher erklärt er noch, dass sich Schwule nur vor prügelnden türkischen Jugendlichen fürchten müssen. Werden schwule Männer hingegen von deutschen Jugendlichen verprügelt, ist das nichts, wovor sich sich hätten fürchten müssen. Es ist ja richtig, dass ein Teil der Menschen mit Migrationshintergrund mit schwulen Männern nicht gerade freundlich umgeht. Aber auch von den Menschen ohne Migrationshintergrund geht ein Teil mit schwulen Männer alles andere als freundlich um. Und dieser Anteil ohne Migrationshintergrund scheint mir nicht unbedingt kleiner zu sein, als der Anteil mit Migrationshintergrund.
Spahn ist möglichweise so getrimmt, dass er das, was Deutsche machen, per se von jeder Kritik ausnimmt. Spahn geht mit primitiven Law-and-Order-Parolen auf Baunerfängerei. Dafür, dass er das erfolgreich macht, sorgt Die Linke.

Eigentlich müsste das linke politische Spektrum Spahn demaskieren, müsste deutlich machen, dass die CDU mit “klarer Kante” auf schwule Männer eindrischt, sie aber nicht schützt, nicht vor türkischen Jugendlichen, nicht vor den in der CDU/CSU tonangebenden Schwulenhassern. Uneigentlich treibt Die Linke in Gestalt von Bodo Niendel schwule Männer geradewegs in die Arme der Spahn-CDU. Weiterlesen

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Zwischenruf zur Rolle schwuler Medien

Über die Rolle schwuler Medien, ihre Wirkung auf schwule Menschen, ihre gesamtgesellschaftliche Bedeutung, ihre Existenzberechtigung, ihren Auftrag und vieles mehr ließe sich reichlich schreiben. Ich möchte an dieser Stelle jedoch nur einen aktuellen Vorgang schlaglichtartig beleuchten:

Datingplattformen für schwule Männer sind in der letzten Zeit in die Kritik geraten, insbesondere Grindr hat in den letzten Monaten zweifelhaften Ruhm geerntet. So war es, queer.de hat darüber berichtet, ohne viel Aufwand möglich, die genauen Aufenthaltsorte der User zu bestimmen. In dem einen und anderen Land haben Behörden und privat organisierte Schwulenhasser Datingplattformen genutzt, um schwule Männer in die Falle zu locken. In Deutschland droht aber keine Gefahr, könnte man meinen.

Weit gefehlt! In Berlin wird gerade gezeigt, dass auch in Deutschland solche Datingportale eine Waffe gegen schwule Männer sein können. Und queer.de leistet offenbar bedenkenlos Schützenhilfe. Weiterlesen

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Es kommt darauf an, …

Nichts ist so schlecht, als dass es nicht doch für etwas gut wäre. Das gilt auch für die LSU. Für etwas unterhaltsame Aufregung sind sie gut. Da hat sich doch tatsächlich der Berliner Landesvorsitzende der LSU, Jurgen Daenens, ein weiß angepinseltes Holzkreuzchen geschnappt und ist mit einem Haufen durchgeknallter Typen durch Berlin gerannt. Marsch für das Leben hieß die Veranstaltung. Keiner hätte davon erfahren, wenn Daenens sich nicht direkt vor eine Kamera des ZDF manövriert und munter drauflosgeplappert hätte. Seither wissen wir alle wer Jurgen Daenens ist und das er wie Beatrix von Storch zum Holzkreuzfetischismus neigt.

Groß ist die Aufregung in der schwulen Medienwelt. Weiterlesen

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Schwuler Stolz

Die CSD-Saison 2014 ist vorbei. Was bleibt mit Blick auf die deutsche CSD-Landschaft?
Erstens: Blankes Entsetzen, wenn ich an das lächerliche Theater in Berlin denke.
Zweitens: Leere.

Nein, ich übersehe nicht was gerade abseits der Berliner, Hamburger, Kölner, Münchener und Stuttgarter Großveranstaltungen geleistet wird. Auf dem Lande, in den mittelgroßen und kleinen Städten wird mit sehr viel Engagement und ohne viel Sponsorengeld oft Großartiges auf die Beine gestellt; da gibt es nicht viel zu meckern. Was mich heute ins Grübeln bringt, ist die Verwendung des Wortes Pride. Da gibt es, allen voran, den berühmten ColognePride, früher war er auch mal berüchtigt.
Pride = Stolz. Gay Pride = schwuler Stolz.

Welchen Grund haben schwule Menschen eigentlich stolz zu sein? Worauf können sie stolz sein und ist es gerechtfertigt, diesen Stolz auf der Straße zu zelebrieren?

Die sexuelle Orientierung kann nicht der Grund für diesen Stolz sein. Jedenfalls, da homosexuelle Menschen sich ihre sexuelle Orientierung ebenso wenig aussuchen können wie heterosexuelle Menschen, haben schwule Menschen keinen besonderen Grund, auf etwas Naturgegebenes stolz zu sein. Da schwule Menschen es aber zweifellos wesentlich schwerer haben, offen zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen, können schwule Menschen, die offen und frei mit ihrer Homosexualität umgehen, genau darauf stolz sein. Je schwieriger die Rahmenbedingungen, desto größer darf der Stolz ausfallen.
In diesem Zusammenhang fallen die Bemühungen des LSVD, homosexuellen Menschen ein Leben im Verborgenen zu ermöglichen, aus dem Rahmen. Wer in Deutschland alles daran setzt, seine sexuelle Orientierung zu verbergen (und gleichzeitig alle steuerlichen und sonstigen rechtlichen Vorteile einer Lebenspartnerschaft in Anspruch nehmen will) hat keinen Grund stolz zu sein – nicht auf sich, nicht auf seine Partnerschaft. Das zwingt natürlich zu der Frage, ob es überhaupt erstrebenswert ist, auf sich und sein Leben stolz zu sein. Schließlich ist Stolz nicht sehr weit von Hochmut entfernt. Nun, ich meine, wer sich selbst gefunden hat, wer gelernt hat zu sich selber zu stehen, sich und seine Liebe nicht zu verleugnen, darf darauf durchaus stolz (im Sinne von Selbstbewusst) sein. Menschen mit Rückgrat sind schließlich seltene Exemplare. Weiterlesen

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Possenspiel um den LSVD

Denk ich an Berlin in der Nacht …

Der Nollendorfblogger Johannes Kram erwartet eine Solidaritätsnote.
Hintergrund ist ein Streit über eine Plakataktion des obskuren rechtlich unsebständigen vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) Landesverband Berlin-Brandenburg eV betriebenen Bündnisses gegen Homophobie (nicht zu verwechseln mit dem in ordentlicher Rechtsform betriebenen Aktionsbündnis gegen Homophobie eV, Trier).

Die Dinge stellen sich wie folgt dar:

Die Berliner Landesregierung stellt dem LSVD für Zwecke dieses Aktionsbündnisses jährlich EUR 30.000 bereit. Johannes Kram hat mit Blick auf eine aktuelle Plakataktion die Verwendung der Mittel hinterfragt. Vom LSVD hat er keine Antwort auf seine Fragen bekommen. Der LSVD kommuniziert halt nicht mit jedem (was zu diesem Vorgang zu schreiben ist, wurde bereits auf Samstag ist ein guter Tag geschrieben).

Männer hat den Nollendorf-Post zu einem eigenen Artikel verarbeitet und reitet unter der Überschrift, viel Geld für Nonsense-Botschaften? Versteckspiel beim LSVD?, eine Schein-Attacke gegen den LSVD. (Man achte auf die Fragezeichen, die fehlen nämlich in meinem Folgebeitrag auf Männer.)

Merkwürdig ist das! Männer erscheint in der gerade etwas insolventen Bruno Gmünder Group GmbH i.I. Und der Bruno Gmünder Verlag ist Mitglied des Berliner Bündnisses gegen Homophobie!

Kritisiert Männer sich also selbst? Weiterlesen

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Früher war alles besser – und die Alten sind doof!

Die gute alte Zeit … Damals, zu unserer Zeit … Früher, da herrschte noch …

Ach, wer kennt das nicht von seinen Eltern oder gar Großeltern, die romantische Verklärung der Guten Alten Zeit. Jetzt fängt Elmar Kraushaar auch damit an und hat eine Menge auszusetzen an der homosexuellen Bewegung von heute. Eigentlich könnte man diesen in der taz getanen Stoßseufzer so stehen lassen; es ist nicht alles richtig, was Elmar Kraushaar schreibt, aber auch nicht alles falsch. Eine von Norman Stehr verfasste und von Männer verbreitete biestige Replik auf Kraushaars Text gibt aber Anlass zu näherer Betrachtung der beiden Texte.

Die Zeiten konsensualer Diskussionen seien vorbei, beklagt Elmar Kraushaar. Aber was ist damit gemeint? Diskussionen, in denen Einvernehmen erzielt wurde? Gab es die wirklich in einem größeren Rahmen? Mein Eindruck ist vielmehr, dass sich schwule Menschen seit alters her gerne zanken und beharken, aber selten an einem Strang ziehen. Der Kernthema ist oft das gleiche: sollen schwule Männer angepasst und leise oder unangepasst und laut sein? Witzig finde ich, dass Männer sich ganz aktuell damit rühmt, genau dieses Thema nun zur Diskussion gestellt zu haben – dabei ist das wirklich Kaffee, der schon seit Jahrzehnten warm gehalten wird und dementsprechend schmeckt. Naja, wenigsten das Facebook-Volk ist begeistert und klickt sich die Finger wund. Festzuhalten ist allerdings, dass in der Hochzeit der homosexuellen Funktionäre um Volker Beck und den LSVD, die noch nicht vorüber ist, der Konsens verordnet wurde. Deshalb sehe ich anders als Elmar Kraushaar in den aktuellen Entwicklungen durchaus Positives. Langsam aber sicher scheint die Zahl schwuler Menschen, die nicht mehr in der Lobby des Bundestages und den Gängen des Verfassungsgerichts auf die Lösung der anstehenden Fragen warten wollen, größer zu werden. Und wenn ich sehe was in Berlin unter dem Motto enough is enough auf die Beine gestellt wird, möchte ich Elmar Kraushaar zurufen: das ist doch gut, die tun wenigstens was!
Elmar Kraushaar macht aus seiner Verachtung für das neumodische Zeug keinen Hehl und hält dagegen, Weiterlesen

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Da waren’s nur noch …

Wie viele gedruckte überregionale schwule Magazine gibt es eigentlich noch? Ich meine nicht Pornoheftchen oder kostenlos verteilte, anzeigenfinanzierte Blättchen, sondern Monatszeitschriften wie Männer oder Du & Ich.
Ich komme darauf, weil Du & Ich mit der aktuellen Ausgabe das Erscheinen einstellt. Es gibt zu wenige Leser, heißt es.

Schade ist das. Okay, ich war kein begeisterter Du-&-Ich-Leser, war kein Abonnent, kein regelmäßiger Leser – es kam drauf an. Meistens kam’s auf den Cover-Boy an.

Schwulenzeitschrift, Monatsmagazin – queer.de spricht sogar von einem Traditionsmagazin -, das klingt wie von gestern. Und dann noch gedruckt – wie altmodisch.
So etwas scheint nicht mehr in eine Zeit zu passen, in der Twitter, Facebook und dergleichen für die Informationsgrundversorgung sorgen und für viele Menschen sogar die einzige Nachrichtenquelle sind. Ich fürchte, gar nicht wenige schwule Männer glauben, dass sie durch Gayromeo (verschämt: Planetromeo) oder Grindr alles wichtige erfahren.

Gedruckte Medien haben es insgesamt schwer, der Zeitgeist (ein Euphemismus für das Geistlose) hat schon zahlreiche Periodika hinweggerafft und macht vor Medien aus dem schwulen Bereich nicht halt. Zwar wird die gedruckte Information oder Unterhaltung als Nischenmarkt für diejenigen überleben, die nicht ständig irgendwelche elektrischen Geräte mit sich herumtragen wollen, aber es werden nicht alle Verlage und Redaktionen überleben.
Allerdings ist nicht das Transportmedium für die Informationen entscheidend, sondern der Inhalt. Und die Frequenz.

Nehmen wir queer.de in Deutschland oder pinknews auf den Britischen Inseln. Die müssen zwangsläufig Nachrichten im Stundentakt darbieten. Dabei wird auch so manches zur Nachricht erhoben, was bei einem längeren Intervall vielleicht ausgefiltert würde.
Worauf ich hinaus möchte: Mir ist es schlicht und ergreifend nicht möglich, all das, was da an Meldungen aus der schwulen Welt und in Zusammenhang mit dieser geliefert wird, aufzunehmen, zu bewerten und sinnvoll zu verarbeiten (und daneben gibt es ja noch den ganzen Rest der Welt mit immer neuen Eil-, Blitz- und Falschmeldungen). Was ist wirklich wichtig? Wo ist der rote Faden? Was hängt wie zusammen? Weiterlesen

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Mutiger Mann?

Ricky Martin bezeichnet Ian Thorpe, der dieser Tage lange nach seiner Karriere als Profi-Schwimmer, in einem Fernsehinterview sein Coming-out hatte, als mutigen Mann.

Ricky Martin stimmt damit in die Lobeshymnen ein, die zahlreiche Spätberufene nun über Ian Thorpe singen, ein. Die neue Kaste berufliche erfolgreicher Männer, die sich nach dem Zenit ihrer Karrieren der Welt medienwirksam, ohne allerdings ihre Motive klar zu Tage treten zu lassen, zu Ihrem Schwulsein äußern, feiert sich selber.

Ian Thorpe ist ein hervorragender Schwimmer. Geschäftstüchtig ist er wohl auch. Aber mutig, das ist er keinesfalls. Er selber sagt, Weiterlesen

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Das Maß der Dinge: ein Hauptstadt-CSD

Wann geht es schwulen Menschen gut in einem Land? Woran kann man das messen?

Die Antwort liefert der Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion für die Belange von Lesben und Schwulen, Johannes Kahrs.  Er hält ausweislich einer Pressemitteilung vom 10.07.2014 einen CSD in der Landeshauptstadt für einen exzellenten Gradmesser für die Beurteilung, ob für schwule Menschen in dem jeweiligen Land alles in Ordnung ist. Findet ein CSD statt: alles super! Findet keiner statt: Hilfe, die Menschenrechte stehen auf dem Spiel.

In Kiew findet einmal mehr ein CSD nicht statt. Sicherheitsbedenken werden vorgegeben und der Ortsbürgermeister Klitschko soll den CSD als Unterhaltungsveranstaltung abqualifiziert haben. Weiterlesen

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Lobby, homo

Warum eigentlich bloggen?, diese Frage stellte sich mir in den vergangenen Wochen. Der Datenbankanbieter, auf dessen Speichermedien sich die Dateien dieses Blogs befinden, meldete sich und wollte Geld von mir. Der Zweijahresvertrag laufe aus und wenn ich mit meinem Kram hier weitermachen wolle, dann solle ich zahlen. Für die nächsten zwölf, 24 oder, zu einem besonderen Angebotsspezialpreis, 60 Monate.

Verlängerung oder Veränderung – ich musste mich entscheiden. Beeinflusst in der Entscheidungsfindung hat mich die aktuelle Diskussion um die Homo-Lobby. Die Feinde schwuler Menschen, einerlei ob osteuropäische und afrikanische Diktatoren oder der gegenwärtige Papst-Darsteller, fühlen sich von der Homo-Lobby bedroht und wollen sie zerschlagen. Extern wird dieser Begriff gerne verwendet, um die Behauptung, es gäbe schwule Geheimbünde und verschwörerische Weltherrschaftspläne schwuler Menschen, faktenfrei zu unterstützen. Intern, also unter schwulen Menschen, ist streitig, ob es so eine Homo-Lobby, deren Struktur und Ziel wohl kaum etwas mit den Vorstellung paranoider Christen, Rechtsextremisten und Erzkonservativer zu tun haben können, überhaupt gibt oder geben müsste.
Der letzte Diskussionsbeitrag in dieser Sache stammt, soweit ersichtlich, von Dirk Ludigs in Du & Ich (Schwule Strippenzieher in der Ausgabe Juni/Juli 2014). Ausgehend von David Bergers Ruf nach einer schlagkräftigen Homo-Lobby beleuchtete Dirk Ludigs die Befindlichkeit des deutschen Schwulen-Lobbyismus. Ob es allerdings in Deutschland eine Homo-Lobby (im Sinne von zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung und des Gesetzgebers koordiniert handelnden Individuen) gibt oder geben sollte, lässt er, wenn ich ihn recht verstehe, dahingestellt.

Viele schwule Menschen zucken zusammen und dementieren, wenn von den Schwulenhassern der Begriff Homo-Lobby durch die Medien geschleudert wird. Dabei ist Lobbyismus nichts Schlechtes. Anzunehmen, dass es in einer Demokratie ausreicht, seine Anliegen sachlich vorzutragen, und bei der dann folgenden Abstimmung die Vernunft siegen und sich alles zum Guten wenden wird, ist weltfremd. Es wird vielmehr das nachgeplappert, was vorgeplappert wird – und dementsprechend wird abgestimmt. Deshalb müssen schwule Menschen mitplappern, also Lobbyarbeit leisten. Es gibt eine Katholiken-Lobby, eine Evangelikalen-Lobby, die übrigens problemlos politische Spitzenämter besetzt, eine Rechtsextremisten-Lobby, deren Einfluss auf die Verfassungsschutz- und Strafverfolgungsbehörden im Zusammenhang mit den NSU-Morden offen zu Tage getreten ist, eine Hochfinanz-Lobby, eine Umweltschützer-Lobby, … Warum also soll es keine Schwulen-Lobby geben?

Die Frage, ob es eine Homo-Lobby in Deutschland geben soll, kann nur mit Weiterlesen

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Sven Heibel, ein Glücksfall für die CDU

Ach, was eine Aufregung. Sven Heibel, CDU-Bürgermeister in irgendwo, hat die Hosen runtergelassen und zum Vorschein ist gekommen: nichts. Jedenfalls nichts Neues. Er fordert sinngemäß die Eindämmung der Homosexualität mit Hilfe des Strafrechts und selbstverständlich denkt und handelt er nur zum Schutz der Kinder (die er allerdings gar nicht hat).

Wie üblich wird geschimpft und gezetert. Rücktrittforderungen und dergleichen mehr. Queer.de dokumentiert.

Schadet das Heibel? Nein, der ist ohnehin schwer gestört und bekommt nicht viel mit. Er erklärt ja selber, dass ihm die Abschaffung des § 175 StGB entgangen sei. Die politisch Rechtsüberdrehten werden ihm natürlich zujubeln und zum Helden der Meinungsfreiheit machen.

Wem nützt das alles?

Der CDU! Denn nun hat die CDU wieder mal einen Sündenbock, sogar in den eigenen Reihen, wie praktisch, da lassen sich die Dinge gut steuern, auf den sie alle Schuld schieben kann. Die CDU, dass muss man wissen, Weiterlesen

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“Hauptschule ist cool, Abitur ist schwul” – zumindest in Berlin

So, die Stonewall-Gala des Berliner CSD eV am 20.06.2014 soll von Ingo Appelt moderiert werden. Damit hat man den neben Stefan Raab und Michael Mittermeier herausragendsten Garanten für Primitiv-Unterhaltung in Deutschland verpflichtet.
Ingo Appelt ließ vor sechs Jahren – für schwule Funktionäre ist das ein langer Zeitraum, der vieles aus dem Gedächtnis löscht – Kölner Hauptschüler trällern,

Hauptschule ist cool, Abitur ist schwul,

um dann im Jahr 2009 den Deutschen die Welt zu erklären:

Die FDP tritt ja mit zwei Mädchen an: Frau Koch‐Mehrin und Guido.

So ein Hohlkopf soll also nun eine Gala moderieren, die den Namen Stonewall trägt. Das könnte mir vielleicht noch egal sein. Wer da hingeht und mindestens EUR 24 Eintritt zahlt, ist blöd. Tragisch ist allerdings, dass in dieser Gala auch die Soul of Stonewall Awards verliehen werden soll. Einer der Preisträger ist Peter Tatchell. Weiterlesen

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