Mutiger Mann?

Ricky Martin bezeichnet Ian Thorpe, der dieser Tage lange nach seiner Karriere als Profi-Schwimmer, in einem Fernsehinterview sein Coming-out hatte, als mutigen Mann.

Ricky Martin stimmt damit in die Lobeshymnen ein, die zahlreiche Spätberufene nun über Ian Thorpe singen, ein. Die neue Kaste berufliche erfolgreicher Männer, die sich nach dem Zenit ihrer Karrieren der Welt medienwirksam, ohne allerdings ihre Motive klar zu Tage treten zu lassen, zu Ihrem Schwulsein äußern, feiert sich selber.

Ian Thorpe ist ein hervorragender Schwimmer. Geschäftstüchtig ist er wohl auch. Aber mutig, das ist er keinesfalls. Er selber sagt, Continue reading

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Das Maß der Dinge: ein Hauptstadt-CSD

Wann geht es schwulen Menschen gut in einem Land? Woran kann man das messen?

Die Antwort liefert der Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion für die Belange von Lesben und Schwulen, Johannes Kahrs.  Er hält ausweislich einer Pressemitteilung vom 10.07.2014 einen CSD in der Landeshauptstadt für einen exzellenten Gradmesser für die Beurteilung, ob für schwule Menschen in dem jeweiligen Land alles in Ordnung ist. Findet ein CSD statt: alles super! Findet keiner statt: Hilfe, die Menschenrechte stehen auf dem Spiel.

In Kiew findet einmal mehr ein CSD nicht statt. Sicherheitsbedenken werden vorgegeben und der Ortsbürgermeister Klitschko soll den CSD als Unterhaltungsveranstaltung abqualifiziert haben. Continue reading

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Lobby, homo

Warum eigentlich bloggen?, diese Frage stellte sich mir in den vergangenen Wochen. Der Datenbankanbieter, auf dessen Speichermedien sich die Dateien dieses Blogs befinden, meldete sich und wollte Geld von mir. Der Zweijahresvertrag laufe aus und wenn ich mit meinem Kram hier weitermachen wolle, dann solle ich zahlen. Für die nächsten zwölf, 24 oder, zu einem besonderen Angebotsspezialpreis, 60 Monate.

Verlängerung oder Veränderung – ich musste mich entscheiden. Beeinflusst in der Entscheidungsfindung hat mich die aktuelle Diskussion um die Homo-Lobby. Die Feinde schwuler Menschen, einerlei ob osteuropäische und afrikanische Diktatoren oder der gegenwärtige Papst-Darsteller, fühlen sich von der Homo-Lobby bedroht und wollen sie zerschlagen. Extern wird dieser Begriff gerne verwendet, um die Behauptung, es gäbe schwule Geheimbünde und verschwörerische Weltherrschaftspläne schwuler Menschen, faktenfrei zu unterstützen. Intern, also unter schwulen Menschen, ist streitig, ob es so eine Homo-Lobby, deren Struktur und Ziel wohl kaum etwas mit den Vorstellung paranoider Christen, Rechtsextremisten und Erzkonservativer zu tun haben können, überhaupt gibt oder geben müsste.
Der letzte Diskussionsbeitrag in dieser Sache stammt, soweit ersichtlich, von Dirk Ludigs in Du & Ich (Schwule Strippenzieher in der Ausgabe Juni/Juli 2014). Ausgehend von David Bergers Ruf nach einer schlagkräftigen Homo-Lobby beleuchtete Dirk Ludigs die Befindlichkeit des deutschen Schwulen-Lobbyismus. Ob es allerdings in Deutschland eine Homo-Lobby (im Sinne von zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung und des Gesetzgebers koordiniert handelnden Individuen) gibt oder geben sollte, lässt er, wenn ich ihn recht verstehe, dahingestellt.

Viele schwule Menschen zucken zusammen und dementieren, wenn von den Schwulenhassern der Begriff Homo-Lobby durch die Medien geschleudert wird. Dabei ist Lobbyismus nichts Schlechtes. Anzunehmen, dass es in einer Demokratie ausreicht, seine Anliegen sachlich vorzutragen, und bei der dann folgenden Abstimmung die Vernunft siegen und sich alles zum Guten wenden wird, ist weltfremd. Es wird vielmehr das nachgeplappert, was vorgeplappert wird – und dementsprechend wird abgestimmt. Deshalb müssen schwule Menschen mitplappern, also Lobbyarbeit leisten. Es gibt eine Katholiken-Lobby, eine Evangelikalen-Lobby, die übrigens problemlos politische Spitzenämter besetzt, eine Rechtsextremisten-Lobby, deren Einfluss auf die Verfassungsschutz- und Strafverfolgungsbehörden im Zusammenhang mit den NSU-Morden offen zu Tage getreten ist, eine Hochfinanz-Lobby, eine Umweltschützer-Lobby, … Warum also soll es keine Schwulen-Lobby geben?

Die Frage, ob es eine Homo-Lobby in Deutschland geben soll, kann nur mit Continue reading

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Sven Heibel, ein Glücksfall für die CDU

Ach, was eine Aufregung. Sven Heibel, CDU-Bürgermeister in irgendwo, hat die Hosen runtergelassen und zum Vorschein ist gekommen: nichts. Jedenfalls nichts Neues. Er fordert sinngemäß die Eindämmung der Homosexualität mit Hilfe des Strafrechts und selbstverständlich denkt und handelt er nur zum Schutz der Kinder (die er allerdings gar nicht hat).

Wie üblich wird geschimpft und gezetert. Rücktrittforderungen und dergleichen mehr. Queer.de dokumentiert.

Schadet das Heibel? Nein, der ist ohnehin schwer gestört und bekommt nicht viel mit. Er erklärt ja selber, dass ihm die Abschaffung des § 175 StGB entgangen sei. Die politisch Rechtsüberdrehten werden ihm natürlich zujubeln und zum Helden der Meinungsfreiheit machen.

Wem nützt das alles?

Der CDU! Denn nun hat die CDU wieder mal einen Sündenbock, sogar in den eigenen Reihen, wie praktisch, da lassen sich die Dinge gut steuern, auf den sie alle Schuld schieben kann. Die CDU, dass muss man wissen, Continue reading

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“Hauptschule ist cool, Abitur ist schwul” – zumindest in Berlin

So, die Stonewall-Gala des Berliner CSD eV am 20.06.2014 soll von Ingo Appelt moderiert werden. Damit hat man den neben Stefan Raab und Michael Mittermeier herausragendsten Garanten für Primitiv-Unterhaltung in Deutschland verpflichtet.
Ingo Appelt ließ vor sechs Jahren – für schwule Funktionäre ist das ein langer Zeitraum, der vieles aus dem Gedächtnis löscht – Kölner Hauptschüler trällern,

Hauptschule ist cool, Abitur ist schwul,

um dann im Jahr 2009 den Deutschen die Welt zu erklären:

Die FDP tritt ja mit zwei Mädchen an: Frau Koch‐Mehrin und Guido.

So ein Hohlkopf soll also nun eine Gala moderieren, die den Namen Stonewall trägt. Das könnte mir vielleicht noch egal sein. Wer da hingeht und mindestens EUR 24 Eintritt zahlt, ist blöd. Tragisch ist allerdings, dass in dieser Gala auch die Soul of Stonewall Awards verliehen werden soll. Einer der Preisträger ist Peter Tatchell. Continue reading

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Beschnittene Menschenrechte

Am 28.12.2012 wurde mit dem Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) eine Bestimmung eingefügt, die es den sorgeberechtigten Personen erlaubt, in die medizinisch nicht erforderliche Beschneidung eines nicht einsichts- und urteilsfähigen männlichen Kindes einzuwilligen. In den ersten sechs Monaten nach der Geburt darf die Beschneidung ausdrücklich ohne Einhaltung medizinischer Standards durchgeführt werden. Das Einwilligungsrecht besteht allerdings dann nicht, wenn die Beschneidung das Kindeswohl gefährdet.

Eingefügt wurde diese Erlaubnis zur Verstümmelung als § 1631d in das BGB – und zwar ungeachtet des seit dem Jahr 2000 geltenden § 1631 BGB, der in seinem zweiten Absatz bestimmt:

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung, Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

Im Gesetzgebungsverfahren hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland mitgeteilt, dass jährlich etwa 46000 religiös motivierte Beschneidungen in Krankenhäusern oder von niedergelassenen Ärzten durchgeführt werden und zwar im durchschnittlichen Alter der Jungen von sieben Jahren. Der Zentralrat der Juden in Deutschland weiß von etwa 200 Beschneidungen, die an Neugeborenen vorgenommen werden. Nicht in Krankenhäusern, nicht von Ärzten, nicht einmal unter ärztlicher Aufsicht. Der Zentralrat der Juden hat dem Gesetzgeber explizit mitgeteilt, dass nur die Beschneidungen von Scharlatanen, sogenannten Mohalimen, als rituell anerkannt und die erforderliche konstitutive Wirkung für das Judensein entfalten würden.

Der Gesetzgeber ist diesen Vorstellungen vorbehaltlos gefolgt. Er hat die Religionsfreiheit der Eltern (!) höher bewertet, Continue reading

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Wie lange rauscht es noch im schwulen Blätterwald?

Amtsgericht Charlottenburg, Aktenzeichen: 36b IN 2053/14

In dem Verfahren über den Antrag d. der Bruno Gmünder Group GmbH, Kleiststraße 23-26, 10787 Berlin HRB 56490
vertreten durch den Geschäftsführer Henn Tino
vertreten durch den Geschäftsführer Reis Nikolaus
vertreten durch den Geschäftsführer Taubenheim Michael

-Schuldnerin-

auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen
Beschluss:
Zur Verhinderung nachteiliger Veränderungen in der Vermögenslage der Schuldnerin bis zur Entscheidung über den Antrag wird am 28.05.2014 um 12:30 Uhr angeordnet (§§ 21, 22 InsO) [...]

So fängt die staubtrockene Mitteilung des Insolvenzgerichts an. Die Totenglocke läutet, darüber vermögen auch die Durchhalteparolen, die auf m-maenner.de zu lesen sind, nicht hinwegzutäuschen.
Freilich, für einen Nachruf ist es noch zu früh. Zur Kenntnis ist allerdings zu nehmen, dass der schwule Blätterwald immer weniger rauscht. Schwule Medien, die in gedruckter Form erscheinen, werden immer seltener. Die früher zahlreichen regionalen Zeitschriften erscheinen heute weitgehend unter dem Dach eines Verlags mit weitgehend zentralisierter Redaktion, erfolgreiche Neuankömmlinge gibt es schon lange nicht mehr und nun scheint sich mit der Gmünder Group auch das Magazin Männer zu verabschieden.

Es wäre schade drum. Gewiss, ein gedrucktes Monatsmagazin hat es schwer. Es ist nicht dafür geeignet, den Markt der Informationen, deren Halbwertszeit in Stunden gemessen wird, für sich zu erschließen. Hinzu kommt: In einer digitalisierten Welt ist Papier ein Fremdkörper. Und doch: auf Papier Gedrucktes hat was. Es hat etwas Beständiges. Papier kann ich anfassen. Schreibt nicht ein Autor für ein gedrucktes Medium anders, als jemand der seine Texte nur für ein kurzes Hin- und Herscrollen schreibt? Ich habe jedenfalls das, was ich lese gerne in der Hand. Ein Buch, ein Heft, eine Zeitung. Oder ein einzelnes Blatt. Ich kann es weglegen, weitergeben, zusammenknüllen, einrahmen, anzünden.

Niemand würde es mir abnehmen, wenn ich behauptete, ich hätte die Männer-Ausgaben der letzten zweihundert Jahre archiviert. Nein, so weit geht die Liebe wirklich nicht. Aber dennoch wäre es ein Verlust, Continue reading

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Miteinander kämpfen! – Wie denn?

In einer Rede zur Enough-is-Enough-Demonstration am 17.05 in Berlin hat Alfonso Pantisano die fehlende Wehrhaftigkeit und die mangelnde Solidarität beklagt. Männer fasst wie folgt zusammen:

Warum LGBTI-Rechte in aller Welt noch immer ungestraft mit Füßen getreten werden können und wir uns endlich als ein Volk verstehen müssen, eine Internationale Homo-Lobby brauchen und Homo-Hass aus den Medien verschwinden muss.

Pantisano erhebt Befund,

das worauf wir stolz sind – unsere Verschiedenheit – macht uns stark. Aber es macht es manchmal auch schwer, uns als Community zu denken, und als Community zu kämpfen. Wir sind eben kein Einheitsverein und wir wollen es auch nicht sein. Wir sind keine Nation, keine Religion, keine Rasse, keine Ideologie. Das ist gut so, denn es gibt nicht die eine Homosexuelle Identität,

übersieht aber, dass diese Erkenntnis auch erklärt, warum sein Vorschlag, uns als Einheit zu verstehen und gemeinsam zu kämpfen nicht funktionieren wird. Continue reading

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Feddersens Scheinheiligkeit

Conchita Wursts Sieg steht für einen eurovisionären Kontinent, der sich von homophoben Kampagnen offenbar nicht in die Irre führen lässt,

schreibt Jan Feddersen zum Ausgang des diesjährigen Eurovision Song Contest. Er vergisst zu erwähnen, dass er zu den Anführern der homophoben Kampagnen gehört:

Feddersens Ding

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Immer wieder Berlin

Die Stadt Berlin, namentlich die Schwulen und Lesben in jener Stadt, noch namentlicher: einige wenige Schwulen und Lesben in jener Stadt erheischen in diesen Wochen mehr Aufmerksamkeit, als ihnen zusteht.

Erfreulich ist, dass die politischen Partien und der LSVD am offiziellen CSD, also der vom Berliner CSD eV veranstalteten Parade, in diesem Jahr nicht teilnehmen wollen.
Was kann man sich im Zusammenhang mit einem CSD Sinnvolleres vorstellen, als eine Parade, in der nicht Parteien ihre parteipolitischen Ziele und ein Verband einiger weniger Schwulen und Lesben nicht seine Separatinteressen verfolgen?

Weniger erfreulich sind die Begleitumstände, unter denen dieses Ergebnis erreicht wurde. Da schwule und lesbische Menschen gerne Sündenböcke in den eigenen Reihen suchen, haben sie ihn auch schnell dort gefunden. Continue reading

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Viel erreicht?

Schön, in Berlin heißt der CSD weiterhin CSD. Unglaublich, wer da alles im Freudestaumel sich selbst und den Rest der Welt dazu beglückwünscht, sich gegen die Umbenennung gestemmt zu haben.

Mich erinnert das an das Drama um die Teilnahme von Pro Köln am Kölner CSD im vergangenen Jahr.

In beiden Fällen wurde wahnsinnig viel Geschrei macht. Eine inhaltliche Debatte gab es nicht, ein Streit um die Sache (die dann freilich zu definieren wäre) fand nicht statt. Es wurde vielmehr Continue reading

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Qualitätsjournalismus

Im Landtag und in den Behörden des Landes Nordrhein-Westfalen ist das Aufrufen des Online-Portals queer.de gesperrt. Warum? Weil die angeblich so schwulenfreundliche SPD/Bündnis90-Regierung des Landes queer.de für abgrundtiefe, verwerflichste Pornografie hält. queerPride hingegen ist zugänglich – sogar für Katholiken. Warum? Weil queerPride ein Glanzstück meisterhaften Journalismus ist, das in jede Amtsstube gehört.

Wie, queerPride ist nicht bekannt?

Nun, das Magazin für die LGBT Community, so die Selbstbeschimpfung, ist ein Portal von netzdenker.de.

Netzdenker – soso. Mal schauen, womit die großen Denker das Netz so vollkritzeln.

Der Aids-Virus – Infektionsrate steigt!, 

heißt es in großen Lettern am 15.04.2014.

Was haben die sich dabei gedacht?

Nun, zunächst haben sie wohl gedacht, wenn man Aufmerksamkeit erregen will, macht man’s am besten wie die BLÖD-Zeitung: schön groß, schön blöd.

queerPride aus dem Haus der Netzdenker entscheidet sich also für das Maskulinum. Der Virus. Das kann man so machen, insbesondere wenn man darauf hinaus will, dass HIV ein Problem von Männern ist, Continue reading

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Vorherrschaft des politisch Korrekten

Respektlos ist es aber, alles und jeden (besonders auch innerhalb der sogenannten Community!) als Transophob, Homophob oder sonstwiephob zu beschreien, der es wagt, die selbstauf-erlegten Fesseln der zur Farce verkommenen politischen Korrektheit zu sprengen. Ekelhaft ist das!

lese ich auf m-maenner.de. Diese Kritik an der politischen Korrektheit ist ein Lichtblick – allerdings nur ein winziger Lichtblick, der Text erscheint auf Männer in der Rubrik Glosse, ist also nicht ernstgemeint, soll nicht ernstgenommen werden.  Außerdem arbeitet sich der Autor Stefan Adler an Vorfällen in den USA und Großbritannien ab. Dabei gäbe es zum Thema politische Korrektheit in der deutschen schwulen Welt viel zu sagen.

Politisch korrektes Verhalten, das politisch korrekte Wort und die politisch korrekte Tat, ist etwas, was sich schwule Menschen, ihre Matadore und ihre Medien spätestens Ende des vorigen Jahrtausends auferlegt haben. Politische Korrektheit mag im Kampf schwuler Männer um Toleranz, Akzeptanz und Gleichberechtigung ihre Berechtigung gehabt haben, stand doch dahinter die Überlegung, dass politische Korrektheit schwule Menschen salonfähig machen und die zur Schau gestellte Untadeligkeit reflektiert würde. Indes: sie hat ihr Ziel nicht erreicht und erweist sich mittlerweile als schwere Bürde. Mir erscheint es so, als gäbe es ungeschriebene Gesetze, nach denen sich schwule Menschen bei ihren Meinungsäußerungen zu richten haben.

Ein zentrales Gebot ist ein behutsamer Umgang mit der Presse, dem Hörfunk und dem Fernsehen. Seit ein paar Monaten, ausgelöst durch Vorgänge in Frankreich und einer schwachsinnigen Petition in Baden-Württemberg haben die öffentlichen-rechtlichen Sender und große Tageszeitungen jede Scheu abgelegt und hetzen gegen schwule Menschen. Politisch unkorrekt.
Die Reaktion von schwuler Seite fällt darauf verhalten und hilflos aus. In den schwulen Blogs und sonstigen Medien gab es empörte Kommentare, doch die tun niemandem weh. Politische Korrektheit tut naturgemäß niemand weh.

Aber was macht der homosexuelle Mann? Haut auf den Tisch? Gebietet Einhalt? Verabschiedet sich endlich von seiner verkackten Strategie der Anpassung?

schreibt Elmar Kraushaar in der taz. Niemand haut auf den Tisch, die politische Korrektheit verbietet es. Hier und da wird über Redeverbote für unliebsame Talkshowgäste und Richtlinien für die Berichterstattung diskutiert und es wird nach dem Gesetzgeber gerufen und die Bundesmutti soll all dem Einhalt gebieten. Aber auf den Tisch hauen, dass macht der schwule Mann, nachdem er vom LSVD, Volker Beck und seinen Bündnisgrünen und vielen anderen zum politisch korrekten Anstandsschwulen erzogen wurde, nicht.

Am Beispiel “Matthias Matussek”, einer schwer gestörten Lebensform, möchte ich zeigen, wie das auf den Tisch hauen aussehen kann. Continue reading

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Polygamie statt Homosexualität

Da ist mal wieder so ein afrikanischer Staatschef auf Betteltour in Europa und versucht mit der billigen, aber zielführenden These, Europa habe eine Erbschuld gegenüber den afrikanischen Staaten, Geld aufzutreiben. Auf die Frage, wie er’s mit den Menschenrechten halte, antwortet er in Der Zeit:

In Afrika haben wir unseren Lebensstil – manches mögen Sie als schlecht ansehen, manches als gut. Wir haben zum Beispiel in manchen Gegenden die Polygamie. Ein Mann kann mehrere Frauen haben. Das ist ein Lebensstil. Das ist ein soziales Phänomen. Können Afrikaner von Europäern fordern, dass sie auch die Polygamie erlauben? Das ist unsere Kultur, nicht Ihre. Vielleicht wird sich das ändern. Es braucht Zeit.

Die Antwort zeigt: der von der Zeit als Vorbilddemokrat hingestellte Macky Sall ist auch nur ein Schwachkopf erster Güte. Die Verfolgung, Ermordung und Hinrichtung schwuler Männer in zahlreichen afrikanischen Staaten wird also damit gerechtfertigt, dass die Afrikaner die Europäer nicht bitten würden, die Polygamie zu erlauben.

Es ist bezeichnend für den deutschen Journalismus, dass solcher Unsinn nicht entlarvt wird. Zwar darf in Deutschland Continue reading

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Bedrohungen

Zwei Meldungen vom Tage:

  • CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte: “Dieser im Ausland feixende Edathy kotzt mich an. Wer Bilder nackter Jungen auch noch schamlos als Kunst bezeichnet, gehört in die Klapse.” Es werde “allerhöchste Zeit für ein Edathy-Gesetz, das unsere Kinder vor solchen Widerlingen schützt”. Gegen den Ex-Abgeordneten ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts, Kinderpornos gekauft zu haben. (Quelle: Die Zeit)
  • CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder mahnt bei Sanktionen gegen Russland zur Zurückhaltung. Trotz der völkerrechtswidrigen Abspaltung der Krim von der Ukraine rät Mißfelder zur Vorsicht. “Bei Sanktionen muss man eben aufpassen, dass man sich nicht ins eigene Fleisch schneidet”, sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag im “Südwestrundfunk”. (Quelle: n-tv)

Für die Union ist Edathy anscheinend die größte vorstellbare Bedrohung. Sogar ein eigenes Gesetz muss zu seiner Bekämpfung her. Putin hingegen soll gehegt und gepflegt werden. Continue reading

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