“… dass Heterosexualität nicht die Norm darstellt, …”

Bild 2Die Apotheken Umschau aus dem Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co KG, Baierbrunn, gehört nicht zu meiner regelmäßigen Lektüre.
Nachdem mir aber die Ausgabe vom 15.11.2014 in die Hände geworfen wurde, habe ich hingeschaut. Und, siehe da, ich fand Bemerkenswertes. Unter der Überschrift eine gesunde Liebe geht es auf sechs Seiten um lesbische und schwule Menschen. Weiterlesen

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Sing-along

Manchester, 1. November 2014. Zwei Freunde, 19 und 25 Jahre alt, fahren spät in der Nacht mit der Straßenbahn durch Manchester. Sie sind guter Stimmung und singen Lieder aus dem Musical Wicked. Plötzlich werden sie von einem anderen Fahrgast beleidigt. Um einem weiteren Streit aus dem Weg zu gehen, verlassen die beiden Freunde die Bahn. Doch der andere Fahrgast verfolgt sie. Es gelingt ihm, zu irgendwelchem Pack, das da des Nachts in Manchester herumlungert, Kontakt aufzunehmen. 15 (fünfzehn!) weitere Männer stellen sich den beiden Jungs in den Weg. Sie haben keine Chance zu entkommen, werden brutal zusammengeschlagen und schwer verletzt. Mitten in Manchester.

Manchester gilt als ausgesprochen schwulenfreundliche Stadt. Doch die Polizei hat innerhalb eines Jahres 466 Hassverbrechen gegen schwule Männer registriert. Die Hälfte, so wird geschätzt, der schwulen Männer in Manchester soll schon einmal Opfer schwulenfeindlicher Gewalt geworden sein. Es wird aber auch geschätzt, dass gut 60 % der Hassverbrechen gar nicht zur Anzeige gebracht werden.

16 gegen zwei. Schwulenhasser sind nicht nur dumm, sie sind auch feige.

Die beiden Jungs werden sie wieder erholen. Es wird lange dauern, bis sie sich nachts wieder auf die Straße trauen, aber irgendwann wird es wieder gehen. Die Täter wurden bisher nicht gefasst, aber es gibt CCTV-Aufnahmen, die den Angriff dokumentieren. Die Polizei wertet die Aufnahmen aus.

Wie geht man mit so einem Verbrechen um? Wie reagieren schwule Menschen in Manchester darauf, sofern sie überhaupt zu einer gemeinschaftlichen Reaktion fähig sind? Weiterlesen

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Kleine Schritte, ganz kleine Schritte

Für den 24. November hatte der Verein Leadership Berlin zusammen mit dem Völklinger Kreis und dem LSVD im Rahmen des Projekts meet2respect zu einer Moschee-Führung in der Sehitlik-Moschee (Tempelhof) mit anschließender Diskussion eingeladen.

Das Treffen findet nicht wie vereinbar statt, der vom Land Berlin als gemeinnützig (!) anerkannte Moschee-Verein will auf Druck aus der Türkei nun doch keine schwulen Menschen in seiner Moschee sehen. Das Treffen soll an einem anderen Ort stattfinden.

Im Vorfeld ist dieses Treffen in seiner ursprünglich geplanten Form mit allerlei Erwartungen überfrachtet worden, entsprechend groß sind jetzt die Aufregung und Empörung. Leadership und Völklinger Kreis sind mit der Verlegung des Treffens an einen anderen Platz – zähneknirschend – einverstanden; sie möchten den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen. Dafür ernten sie reichlich Kritik. Von Anbiederung ist die Rede und solche Treffen nützten nur dem Islam, der ja anerkanntermaßen homophob sei. Unterwürfig und heuchlerisch sei das Verhalten von Leadership und Völklinger Kreis. Mehr oder weniger unverhohlen heißt es, nun müsse klare Kante gezeigt werden. Was das bedeuten soll, erschließt sich mir nicht. Der LSVD will nicht mehr mitspielen, ist gewohnheitsmäßig empört und bezeichnet das örtlich verschobene Treffen als Alibi-Veranstaltung. Erstaunt bin ich über den Drang mancher schwuler Männer, unbedingt in die Sehitlik-Moschee hineinzukommen. Weiterlesen

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“Männer wie Sie, Herr Berger, das ist’s, was wir brauchen!”

Ich lese gerne was David Berger schreibt. Ja, wirklich! :roll:
Insbesondere, wenn er sich einer bildhaften Sprache bedient, wie „dieses Dogma ist in der Homo-Welt derzeit am Zerfallen“ (in The European) oder „die Kulisse der homofreundlichen Linken ist am Zerbrechen“ (in The Huffington Post). Da kann ich mir richtig vorstellen, wie der Kalk aus dem Dogma rieselt und die Kulisse klirrend und scheppert zerbirst und die Laiendarstellerschar unter sich begräbt.

Aber ernsthaft, David Berger hat recht, wenn er die überkommene Selbsteinteilung schwuler Menschen in gute und böse Schwule hinterfragt und verwirft. Die Welt verändert sich und mit ihr verändern sich die Sichtweisen auf schwule Menschen – hier zum Besseren, dort zum Schlechteren. Das alte Blockdenken und die damit verbundenen Vorverurteilungen haben ihre Berechtigung verloren. Und, ich möchte es klarer Formulieren als Berger es möglicherweise gemeint hat, der dem linken politischen Spektrum gewährte Vertrauensvorschuss hat nie seine Berechtigung gehabt.

Okay, ich will es erklären: Das Problem sind die Begriffe „links“, „Linke“. Wer oder was links ist, ist kaum greifbar. Die mir bekannten Definitionen sind allenfalls halbgar, es wird gezankt, was als linke Position zu gelten hat und was nicht. Manch einer hechelt danach, seine Positionen als links auszugeben und klassisch linkes Gedankengut wird von den modernen Linken rundweg abgelehnt. Das linke Politik gut für schwule Menschen ist, ist ein Glaubenssatz – mehr nicht. Wer oder was konservativ ist, ist schnell geklärt. Das sind die, die nicht so wollen, wie man selber will. Deswegen sind sie rückständig und bleiben in alten Zeiten hängen. Zeiten, die die Konservativen selber als die gute alte Zeit bezeichnen. Adenauers Zeit oder die Zeit vor Adenauer, kurz vor Adenauer. Weil Samstage gute Tage sind, gibt es dort das Sündenregister der Konservativen zum Nachlesen. Volker Beck bezeichnet sich auch als konservativ. Wertkonservativ sagt er und der Wert soll das Konservative aufwerten, so dass es klingt, als wäre es eine tolle Sache: Stabilität und Verlässlichkeit, die urdeutschen Tugenden. Was Recht ist muss Recht bleiben. Mark bleibt Mark.
Volker Beck ist einer von den Bündnisgrünen und wir lernen: die Grünen sind die Konservativen – nur halt in grün. Wer’s nicht glaubt, der frage sich, wie ein Grüner ausgerechnet in Baden-Württemberg Ministerpräsident werden konnte. Die Grünen sind also schon mal nicht links. Oder doch? Und wenn auf Samstag ist ein guter Tag zu lesen ist,

[Konservative Schwule] werden es “den linken” Schwulen (also vor allem den Grünen und den Sozis) nie verzeihen, dass diese die wesentlichen Rechte für Schwule und Lesben erstritten haben,

erlaube ich mir den kleinen Hinweis, dass zum Beispiel die mit viel Jubel begrüßte und zweifellos wegweisende Verfassungsgerichtsentscheidung zur betrieblichen Altersversorgung für Lebenspartner aus dem Jahr 2009 von einem Senat getroffen wurde, der zur Hälfte mit CDU/CSU-Mitgliedern besetzt war. Haben wir es womöglich mit einem linksgerichteten Gericht zu tun? Allen Ruhm nun den linken Schwulen zuweisen zu wollen, wird jedenfalls weder dem aktuellen Geschehen noch der Geschichte gerecht. Weiterlesen

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Alles gut?

Seit meinem letzten Post sind fast vier Wochen vergangen. Und nun sitze ich hier und überlege, ob und worüber sich zu schreiben lohnt. Beim Durchsehen von queer.de, Männer off- und online, Siegessäule und anderen Medien und verschiedenen Blogs ist mir nichts Besonderes aufgefallen. Die einen arbeiten sich an der Berichterstattung der FAZ über die Bildungspläne in Hessen ab, die anderen schreiben dies und das. Im Großen und Ganzen sehe ich nur kleinteilige Berichterstattungen und dementsprechende Kommentierungen. Der LSVD hat nichts zu vermelden.
Große Aufreger mit übergreifender Beachtung habe ich keine entdeckt. Ja, ich weiß, iGay. Tim Cook ist schwul. Das ist aber nicht neu für mich und jetzt wissen’s halt auch die, die es nicht glauben wollten.

Okay, vielleicht bin ich mittlerweile betriebsblind und/oder abgehärtet (abgestumpft?), aber es scheint alles gut zu sein.

Wenn ich schaue, was den schwul-lesbischen Medien alles eine Meldung wert ist, frage ich mich, was aus den großen Themen der letzten Monate geworden ist. Und solche Themen gab es reichlich. Russland, Uganda, das Berlin-CSD-Drama, …
Was ist daraus geworden? Ist in Russland die Welt wieder in Ordnung, sind schwule Männer in Uganda ihres Lebens wieder sicher? Berlin? Was war da noch gleich? Erinnert sich noch jemand an das dortige CSD-Theater? Ach ja, und ganz früher, da hatten schwule Männer noch politische Ziele und nicht nur diesen Gender-Scheiß im Kopf. Politische Ziele! Weiß noch jemand was da gefordert wurde? Weiterlesen

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Steuerklasse III für 2015 erneut beantragen!

Unter dem 07.05.2013 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, was jeder, der sich ein bisschen mit dem Grundgesetz auskennt, schon längst wusste, nämlich dass die Ungleichbehandlung von Verheirateten und  Eingetragenen Lebenspartnern im Einkommensteuerrecht eine Ungleichbehandlung wegen der sexuellen Orientierung darstellt. Es hat die entsprechenden Rechtsnormen daher mit Wirkung ab Inkrafttreten des Lebenspartnerschaftsgesetz am 01.08.2001 für mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar erklärt.

Bis heute ist es den Finanzverwaltungen der Länder nicht gelungen, die Verfassungsgerichtsentscheidung zutreffend und vollständig umzusetzen. Nach wie vor finden sich in Steuerbescheiden falsche Bezeichnungen der Steuerschulder und Mann/Frau muss den Finanzämtern wegen allem möglichen hinterher laufen. Zwar legt der nordrhein-westfälische Finanzminister neuerdings allergrößten Wert darauf, dass weibliche, unverheiratete Steuerzahlerinnen nicht mehr als Fräulein angeredet werden, und drangsaliert seine Verwaltung mit Erlassen zu diesem allerhöchstwichtigen Thema. Dass Lebenspartner in behördlichen Schreiben weiterhin respektlos als Frau und Lebenspartnerinnen weiterhin ebenso respektlos als Herr tituliert werden, scheint ihm hingegen egal zu sein.

Mit Müh und Not haben es die Finanzämter hinbekommen, lebensverpartnerten Arbeitnehmern für das Jahr 2014 die Steuerklasse III (beziehungsweise die Steuerklassenkombination III/IV) zu bescheinigen.
Wer nun glaubt, damit sei das Thema vom Tisch, der irrt.

Die Lohnsteuerklasse III hat nicht – wie es etwa bei ordnungsgemäß heterosexuellen Ehegatten der Fall ist – automatisch Gültigkeit für das Jahr 2015! Lebenspartner werden nach wie vor diskriminiert. Weiterlesen

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Interner Missstand?

Zu der verdrießlichen Aktion Wanna Play des Dries Verhoeven am Heinrichplatz in Berlin ist viel geschrieben worden. Ich habe auch meinen Senf dazugegeben.

Überraschend finde ich, dass in erster Line die Art und Weise seines Vorgehens beanstandet wird, während die angebliche Zielsetzung der Aktion für gut befunden wird. Ein ehrbarer, kulturkritischer Ansatz wird Verhoeven bescheinigt.
Nun kann man alles und jedes zur Kultur erheben und selbstredend kann man auch jede Kultur kritisieren. Es ist allerdings zu fragen, ob dies zu Recht geschieht. Aufgefallen ist mir ein offensichtlich von mehreren Autoren verfasster Beitrag auf taz.de. In mehreren merkwürdig zusammengesetzten Textfetzen setzen sich die Verfasser damit auseinander, was Verhoeven der Weltöffentlichkeit am Heinrichplatz wohl mitteilen wollte.

Zutreffend entlarven die Autoren Verhoevens Geplapper vom „wir als Homosexuelle“ als hohle Phrase:

„Wir“ sagt überhaupt nichts aus. Es steht für den Wunsch des „ich“-sagen-Wollens: Wer „wir“ sagt, sagt in Wahrheit ganz laut „ich!“ Es ist ein großes „ich“, versteckt in einem vermeintlich-allumfassenden „wir“.

Allerdings ist das kein spezielles oder vornehmliches Phänomen bei schwulen Menschen. Wir in der CDU, wir in Bayern, wir BVB-Fans und ähnliches mehr wird formuliert. Immer, wenn jemand verbal eine große Gruppe hinter sich behauptet, sollten die Zuhörer und Leser hellhörig werden.

Der Rest des Beitrags in der taz befremdet allerdings.

[…] Homosexuelle sind gesellschaftliche Vorhut, wenn es um das Organisieren von Körperkontakten in beiderseitigem Einverständnis geht (= Sex als Spaß),

ist zu lesen. Man muss wohl schon sehr weit in das schwule Schneckenhaus gekrochen sein, um zu unterstellen, dass es heterosexuellen Menschen beim Sex nicht um Spaß geht. Die Ficken auch nicht nur, um Kinder zu zeugen! Und die machen’s meistens auch in beiderseitigem Einverständnis. Was die Autoren mit ihrer verzerrten Perspektive letztlich sagen wollen bleibt hier wie auch bei folgendem rätselhaft:

Wer im realen Leben ein Date haben will, muss in der virtuellen Welt mit allen Mitteln punkten.

Wow! Unsere Autoren entdecken das Leben. Machen wir sie zu Historikern und lassen sie die Welt vor der Erfindung des Internets erforschen. Ja, es gab auch schon im Vorinternetzeitalter Menschen, die Sex wollten. Schwule Männer haben sich damals, die ganz Uralten werden sich dunkel erinnern, in Parks auf die Pirsch gelegt, in Klappen, Bars, Clubs oder was auch immer die örtliche Infrastruktur hergab Beute gemacht. Und auch damals hat nicht jeder jeden genommen; da musste man sich auch herausputzen und die tatsächlichen oder vermeintlichen Qualitäten präsentieren. Böse könnte ich jetzt behaupten, weil nicht jeder, der Sex mit Männern suchte, nett und fein anzusehen war, sind die Darkrooms erfunden worden. Weiterlesen

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Frohe Botschaft?

Die römisch-katholische Kirche, so wird in diesen Tagen allenthalben berichtet, ändert ihren Ton gegenüber homosexuellen Menschen.

Nun, diese Kirche deutet allenfalls an, ihren Ton ändern zu wollen. Ihr Verhalten will sie keinesfalls ändern. Es ist nichts als ein neuer Giftpfeil, den der Vatikan abschießt. Und diesmal verwendet er ein besonders perfides Gift. Solange die römischen Katholiken brachial auf schwule Menschen eindreschen, die Funktionäre verbal, das Kirchenvolk hier und da auch non-verbal, war es vielen Menschen, sogar eingefleischten Katholiken, leicht, sich davon zu distanzieren. Als verkrustet und nicht zur Erneuerung fähig wurde die Kirche hingestellt. Die Medien machten sich einen Spaß daraus, vor Homophobie geifernde alte Kirchensäcke vorzuführen – ein Schauspiel übrigens auch zum Schaden schwuler Menschen.

Jetzt aber gibt sich der Vatikan handzahm, geradezu konziliant. Und es ist weitaus schwerer, Verbündete gegen die nicht im Geringsten verminderte Schwulenfeindlichkeit der Kirche zu finden, wenn der Gegner, verkörpert durch einen knitterigen alten Mann in Weiß, doch so milde und versöhnlich spricht. Die haben sich doch geändert, die sind doch gar nicht mehr so schlimm, was wollt ihr Schwulen denn noch?, wird es heißen. Hitlerjunge Ratzinger hat schwule Menschen noch als Anomalie der Schöpfung bezeichnet Weiterlesen

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Durchsichtige Spiele

Mich regt es auf, wenn auf deutschen Straßen wieder gegen Juden gehetzt wird oder Schwule in Berlin-Schöneberg fürchten müssen, von türkischen Jugendlichen verprügelt zu werden. Mit klarer Kante könnten wir hier sogar das eher linke schwule Milieu für uns gewinnen.

spiegelt Jens Spahn (CDU) der geneigten Leserschaft. Da ist es also wieder, das schwule Milieu. Allein damit hast sich Spahn entlarvt. Nebenher erklärt er noch, dass sich Schwule nur vor prügelnden türkischen Jugendlichen fürchten müssen. Werden schwule Männer hingegen von deutschen Jugendlichen verprügelt, ist das nichts, wovor sich sich hätten fürchten müssen. Es ist ja richtig, dass ein Teil der Menschen mit Migrationshintergrund mit schwulen Männern nicht gerade freundlich umgeht. Aber auch von den Menschen ohne Migrationshintergrund geht ein Teil mit schwulen Männer alles andere als freundlich um. Und dieser Anteil ohne Migrationshintergrund scheint mir nicht unbedingt kleiner zu sein, als der Anteil mit Migrationshintergrund.
Spahn ist möglichweise so getrimmt, dass er das, was Deutsche machen, per se von jeder Kritik ausnimmt. Spahn geht mit primitiven Law-and-Order-Parolen auf Baunerfängerei. Dafür, dass er das erfolgreich macht, sorgt Die Linke.

Eigentlich müsste das linke politische Spektrum Spahn demaskieren, müsste deutlich machen, dass die CDU mit “klarer Kante” auf schwule Männer eindrischt, sie aber nicht schützt, nicht vor türkischen Jugendlichen, nicht vor den in der CDU/CSU tonangebenden Schwulenhassern. Uneigentlich treibt Die Linke in Gestalt von Bodo Niendel schwule Männer geradewegs in die Arme der Spahn-CDU. Weiterlesen

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Zwischenruf zur Rolle schwuler Medien

Über die Rolle schwuler Medien, ihre Wirkung auf schwule Menschen, ihre gesamtgesellschaftliche Bedeutung, ihre Existenzberechtigung, ihren Auftrag und vieles mehr ließe sich reichlich schreiben. Ich möchte an dieser Stelle jedoch nur einen aktuellen Vorgang schlaglichtartig beleuchten:

Datingplattformen für schwule Männer sind in der letzten Zeit in die Kritik geraten, insbesondere Grindr hat in den letzten Monaten zweifelhaften Ruhm geerntet. So war es, queer.de hat darüber berichtet, ohne viel Aufwand möglich, die genauen Aufenthaltsorte der User zu bestimmen. In dem einen und anderen Land haben Behörden und privat organisierte Schwulenhasser Datingplattformen genutzt, um schwule Männer in die Falle zu locken. In Deutschland droht aber keine Gefahr, könnte man meinen.

Weit gefehlt! In Berlin wird gerade gezeigt, dass auch in Deutschland solche Datingportale eine Waffe gegen schwule Männer sein können. Und queer.de leistet offenbar bedenkenlos Schützenhilfe. Weiterlesen

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Es kommt darauf an, …

Nichts ist so schlecht, als dass es nicht doch für etwas gut wäre. Das gilt auch für die LSU. Für etwas unterhaltsame Aufregung sind sie gut. Da hat sich doch tatsächlich der Berliner Landesvorsitzende der LSU, Jurgen Daenens, ein weiß angepinseltes Holzkreuzchen geschnappt und ist mit einem Haufen durchgeknallter Typen durch Berlin gerannt. Marsch für das Leben hieß die Veranstaltung. Keiner hätte davon erfahren, wenn Daenens sich nicht direkt vor eine Kamera des ZDF manövriert und munter drauflosgeplappert hätte. Seither wissen wir alle wer Jurgen Daenens ist und das er wie Beatrix von Storch zum Holzkreuzfetischismus neigt.

Groß ist die Aufregung in der schwulen Medienwelt. Weiterlesen

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Schwuler Stolz

Die CSD-Saison 2014 ist vorbei. Was bleibt mit Blick auf die deutsche CSD-Landschaft?
Erstens: Blankes Entsetzen, wenn ich an das lächerliche Theater in Berlin denke.
Zweitens: Leere.

Nein, ich übersehe nicht was gerade abseits der Berliner, Hamburger, Kölner, Münchener und Stuttgarter Großveranstaltungen geleistet wird. Auf dem Lande, in den mittelgroßen und kleinen Städten wird mit sehr viel Engagement und ohne viel Sponsorengeld oft Großartiges auf die Beine gestellt; da gibt es nicht viel zu meckern. Was mich heute ins Grübeln bringt, ist die Verwendung des Wortes Pride. Da gibt es, allen voran, den berühmten ColognePride, früher war er auch mal berüchtigt.
Pride = Stolz. Gay Pride = schwuler Stolz.

Welchen Grund haben schwule Menschen eigentlich stolz zu sein? Worauf können sie stolz sein und ist es gerechtfertigt, diesen Stolz auf der Straße zu zelebrieren?

Die sexuelle Orientierung kann nicht der Grund für diesen Stolz sein. Jedenfalls, da homosexuelle Menschen sich ihre sexuelle Orientierung ebenso wenig aussuchen können wie heterosexuelle Menschen, haben schwule Menschen keinen besonderen Grund, auf etwas Naturgegebenes stolz zu sein. Da schwule Menschen es aber zweifellos wesentlich schwerer haben, offen zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen, können schwule Menschen, die offen und frei mit ihrer Homosexualität umgehen, genau darauf stolz sein. Je schwieriger die Rahmenbedingungen, desto größer darf der Stolz ausfallen.
In diesem Zusammenhang fallen die Bemühungen des LSVD, homosexuellen Menschen ein Leben im Verborgenen zu ermöglichen, aus dem Rahmen. Wer in Deutschland alles daran setzt, seine sexuelle Orientierung zu verbergen (und gleichzeitig alle steuerlichen und sonstigen rechtlichen Vorteile einer Lebenspartnerschaft in Anspruch nehmen will) hat keinen Grund stolz zu sein – nicht auf sich, nicht auf seine Partnerschaft. Das zwingt natürlich zu der Frage, ob es überhaupt erstrebenswert ist, auf sich und sein Leben stolz zu sein. Schließlich ist Stolz nicht sehr weit von Hochmut entfernt. Nun, ich meine, wer sich selbst gefunden hat, wer gelernt hat zu sich selber zu stehen, sich und seine Liebe nicht zu verleugnen, darf darauf durchaus stolz (im Sinne von Selbstbewusst) sein. Menschen mit Rückgrat sind schließlich seltene Exemplare. Weiterlesen

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Possenspiel um den LSVD

Denk ich an Berlin in der Nacht …

Der Nollendorfblogger Johannes Kram erwartet eine Solidaritätsnote.
Hintergrund ist ein Streit über eine Plakataktion des obskuren rechtlich unsebständigen vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) Landesverband Berlin-Brandenburg eV betriebenen Bündnisses gegen Homophobie (nicht zu verwechseln mit dem in ordentlicher Rechtsform betriebenen Aktionsbündnis gegen Homophobie eV, Trier).

Die Dinge stellen sich wie folgt dar:

Die Berliner Landesregierung stellt dem LSVD für Zwecke dieses Aktionsbündnisses jährlich EUR 30.000 bereit. Johannes Kram hat mit Blick auf eine aktuelle Plakataktion die Verwendung der Mittel hinterfragt. Vom LSVD hat er keine Antwort auf seine Fragen bekommen. Der LSVD kommuniziert halt nicht mit jedem (was zu diesem Vorgang zu schreiben ist, wurde bereits auf Samstag ist ein guter Tag geschrieben).

Männer hat den Nollendorf-Post zu einem eigenen Artikel verarbeitet und reitet unter der Überschrift, viel Geld für Nonsense-Botschaften? Versteckspiel beim LSVD?, eine Schein-Attacke gegen den LSVD. (Man achte auf die Fragezeichen, die fehlen nämlich in meinem Folgebeitrag auf Männer.)

Merkwürdig ist das! Männer erscheint in der gerade etwas insolventen Bruno Gmünder Group GmbH i.I. Und der Bruno Gmünder Verlag ist Mitglied des Berliner Bündnisses gegen Homophobie!

Kritisiert Männer sich also selbst? Weiterlesen

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Früher war alles besser – und die Alten sind doof!

Die gute alte Zeit … Damals, zu unserer Zeit … Früher, da herrschte noch …

Ach, wer kennt das nicht von seinen Eltern oder gar Großeltern, die romantische Verklärung der Guten Alten Zeit. Jetzt fängt Elmar Kraushaar auch damit an und hat eine Menge auszusetzen an der homosexuellen Bewegung von heute. Eigentlich könnte man diesen in der taz getanen Stoßseufzer so stehen lassen; es ist nicht alles richtig, was Elmar Kraushaar schreibt, aber auch nicht alles falsch. Eine von Norman Stehr verfasste und von Männer verbreitete biestige Replik auf Kraushaars Text gibt aber Anlass zu näherer Betrachtung der beiden Texte.

Die Zeiten konsensualer Diskussionen seien vorbei, beklagt Elmar Kraushaar. Aber was ist damit gemeint? Diskussionen, in denen Einvernehmen erzielt wurde? Gab es die wirklich in einem größeren Rahmen? Mein Eindruck ist vielmehr, dass sich schwule Menschen seit alters her gerne zanken und beharken, aber selten an einem Strang ziehen. Der Kernthema ist oft das gleiche: sollen schwule Männer angepasst und leise oder unangepasst und laut sein? Witzig finde ich, dass Männer sich ganz aktuell damit rühmt, genau dieses Thema nun zur Diskussion gestellt zu haben – dabei ist das wirklich Kaffee, der schon seit Jahrzehnten warm gehalten wird und dementsprechend schmeckt. Naja, wenigsten das Facebook-Volk ist begeistert und klickt sich die Finger wund. Festzuhalten ist allerdings, dass in der Hochzeit der homosexuellen Funktionäre um Volker Beck und den LSVD, die noch nicht vorüber ist, der Konsens verordnet wurde. Deshalb sehe ich anders als Elmar Kraushaar in den aktuellen Entwicklungen durchaus Positives. Langsam aber sicher scheint die Zahl schwuler Menschen, die nicht mehr in der Lobby des Bundestages und den Gängen des Verfassungsgerichts auf die Lösung der anstehenden Fragen warten wollen, größer zu werden. Und wenn ich sehe was in Berlin unter dem Motto enough is enough auf die Beine gestellt wird, möchte ich Elmar Kraushaar zurufen: das ist doch gut, die tun wenigstens was!
Elmar Kraushaar macht aus seiner Verachtung für das neumodische Zeug keinen Hehl und hält dagegen, Weiterlesen

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Da waren’s nur noch …

Wie viele gedruckte überregionale schwule Magazine gibt es eigentlich noch? Ich meine nicht Pornoheftchen oder kostenlos verteilte, anzeigenfinanzierte Blättchen, sondern Monatszeitschriften wie Männer oder Du & Ich.
Ich komme darauf, weil Du & Ich mit der aktuellen Ausgabe das Erscheinen einstellt. Es gibt zu wenige Leser, heißt es.

Schade ist das. Okay, ich war kein begeisterter Du-&-Ich-Leser, war kein Abonnent, kein regelmäßiger Leser – es kam drauf an. Meistens kam’s auf den Cover-Boy an.

Schwulenzeitschrift, Monatsmagazin – queer.de spricht sogar von einem Traditionsmagazin -, das klingt wie von gestern. Und dann noch gedruckt – wie altmodisch.
So etwas scheint nicht mehr in eine Zeit zu passen, in der Twitter, Facebook und dergleichen für die Informationsgrundversorgung sorgen und für viele Menschen sogar die einzige Nachrichtenquelle sind. Ich fürchte, gar nicht wenige schwule Männer glauben, dass sie durch Gayromeo (verschämt: Planetromeo) oder Grindr alles wichtige erfahren.

Gedruckte Medien haben es insgesamt schwer, der Zeitgeist (ein Euphemismus für das Geistlose) hat schon zahlreiche Periodika hinweggerafft und macht vor Medien aus dem schwulen Bereich nicht halt. Zwar wird die gedruckte Information oder Unterhaltung als Nischenmarkt für diejenigen überleben, die nicht ständig irgendwelche elektrischen Geräte mit sich herumtragen wollen, aber es werden nicht alle Verlage und Redaktionen überleben.
Allerdings ist nicht das Transportmedium für die Informationen entscheidend, sondern der Inhalt. Und die Frequenz.

Nehmen wir queer.de in Deutschland oder pinknews auf den Britischen Inseln. Die müssen zwangsläufig Nachrichten im Stundentakt darbieten. Dabei wird auch so manches zur Nachricht erhoben, was bei einem längeren Intervall vielleicht ausgefiltert würde.
Worauf ich hinaus möchte: Mir ist es schlicht und ergreifend nicht möglich, all das, was da an Meldungen aus der schwulen Welt und in Zusammenhang mit dieser geliefert wird, aufzunehmen, zu bewerten und sinnvoll zu verarbeiten (und daneben gibt es ja noch den ganzen Rest der Welt mit immer neuen Eil-, Blitz- und Falschmeldungen). Was ist wirklich wichtig? Wo ist der rote Faden? Was hängt wie zusammen? Weiterlesen

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